Sicherheitspolitische Sommertour 2014: 10. und letzter Tag - Besuch auf dem 1. Polizeirevier in der Innenstadt

"Das 1. wird das letzte sein" hieß es heute bei meiner sicherheitspolitischen Sommertour durch die Sicherheitsarchitektur der Stadt Frankfurt. Mittlerweile ist es September und die ersten Blätter an den Bäumen werden welk. Und so geht auch meine Sommertour zu Ende. Insgesamt zehn Besuche habe ich in ihrem Verlauf absolviert.

In der Nachbetrachtung war die Sommertour erfolgreicher als ich erwartet hatte. Die vielen Gespräche und Beobachtungen während meiner Besuche waren sehr detailliert und aufschlussreich.


Vielen AkteurInnen in den Institutionen und Organisationen der Gefahrenabwehr ist (mittlerweile) klar, dass ich sie nicht heimsuche um zu kontrollieren und zu kritisieren, sondern um mit ihnen sachlich und auf Augenhöhe konstruktiv ins Gespräch zu kommen.... Weil dieser Satz eben aber so eine schwafelige Phrasendrescherei war, muss ich gleich nachschieben: Es macht natürlich auch einen Heidenspaß und ist wahsinnig interessant.

So konnte ich mir also nicht nur Abläufe und Strukturen anschauen, sondern habe auch viele Anregungen und Aufgabenstellungen mitgenommen, die ich versuchen werde mit meinen Möglichkeiten als gewählte BürgerInnenvertreterin abzuarbeiten.
Schon während meiner Tour konnte ich hier Ergenbisse erzielen. Die größeren Brocken werden mich wohl aber das ganze restliche Halbjahr oder sogar darüber hinaus beschäftigen.
Bevor ich jetzt aber weiter wehmütig das Ende meiner Sommertour und des Sommers im Allgemeinen beklage, möchte ich doch noch von meinem heutigen Besuch auf dem 1. Polizeirevier in der Frankfurter Innenstadt berichten:

Frankfurt Hauptwache/ZeilNormalerweise betreut ein durchschnittliches Frankfurter Polizeirevier etwa 40.000 bis 50.000 EinwohnerInnen. Im gesamten Revierbereich des 1. Polizeirevieres wohnen aber gerade einmal 10.000 Menschen. Trotzdem ist das 1. Revier mit 130 BeamtInnen das mitarbeiterstärkste in Frankfurt. Denn jeden Tag kommen etwa 300.000 Menschen in den Innenstadtbereich um zu arbeiten, einzukaufen und auszugehen.

Im Revierbereich liegen viele der Wahrzeichen der Stadt Frankfurt so z.B. die historische Altstadt mit dem Kaiserdom und dem Rathaus Römer und die Einkaufsmeile Zeil. Ebenso befindet sich das Frankfurter Justizzentrum mit Amts-, Land- und Oberlandesgericht, Staatsanwaltschaft und Generalstaatsanwaltschaft im Revierbereich.

In der Frankfurter Innenstadt finden darüber hinaus viele politische Kundgebungen, Demonstrationen und Mahnwachen statt. Auch dafür ist das 1. Revier zuständig und bewältigt jährlich etwa 1000 dieser Einsätze aus besonderem Anlass.

Besonders an der unweit der Polizeidienststelle gelegenen Konstablerwache und im Allerheiligenviertel wird seit Jahrzehnten mit weichen Drogen wie Haschisch oder Marijuana gehandelt. Ein Gewerbe, das in anderen Länderrn durch eine Legalisierung von Cannabis-Produkten erfolgreich ausgetrocknet wurde.
Durch die zahlreichen Diskotheken und Bars - etwa 500 konzessionierte Gaststätten gibt es auf 2 km² - kommt es in den Wochenendnächten auch zu zahlreichen Schlägereien.

Wie auch das 8. Polizeirevier in Sachsenhausen beobachten auch die BeamtInnen des 1. Polizeirevieres eine Zunahme von Taschen- und Trickdiebstählen. Im Vergleich zum Vorjahr sind allein im Bereich des 1. Polizeirevieres schon 230 Fälle mehr registriert worden. Für diese Deliktgruppe ist die Innenstadt sicherlich ein Schwerpunkt, denn etwa 2/3 der Fälle von Taschendiebstahl, die sich in den Revierbereichen von 1., 2., 3., 4. und 13. Polizeirevier ereignen, entfallen auf den Revierbereich des 1. Polizeirevieres in der Innenstadt. 

1. PolizeirevierIn der ersten Hälfte dieses Jahres haben zahlreiche Gespräche und Veranstaltungen mit Beteiligung des 1. Polizeirevieres stattgefunden, weil die Beschwerden der AnwohnerInnen über die Sicherheitslage drastisch zugenommen hatten. Für Situationen wie im Allerheiligenviertel gibt es aber leider keine einfachen Maßnahmen, die sich ohne Weiteres aus dem Ärmel schütteln lassen. Doch durch das Engagement der AnwohnerInnen, die Gründung einer Interessengemeinschaft von BürgerInnen und die Einberufung eines Runden Tisches geht es meiner Wahrnehmung nach schrittweise in die richtige Richtung und die Rückmeldungen aus dem Viertel weisen auf eine sukzessive Verbesserung des Sicherheitsgefühles hin.
Besonders gefreut hat mich auch, dass der neue Revierleiter, den ich heute zum ersten Mal seit Übernahme seiner neuen Funktion getroffen habe, sich die Verbesserung der Situation im Allerheiligenviertel ganz besonders auf die Fahnen geschrieben hat.

So geht mein sicherheitspolitische Sommertour 2014 also mit guten Vorzeichen zu Ende.


Bildnachweis:
"Frankfurt Hauptwache / Zeil" by danieldinter is licensed under CC BY-NC 2.0
"1.Polizeirevier" ©Jessica Purkhardt

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