Bangkoks nicht ganz legale Mega-Zoohandlung

Chatuchak Weekend AmrketKurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Mo Chit der Bangkoker Einschienenbahn BTS fällt linkerhand die riesige Fläche von spitzen und gewölbten Blechdächern auf. Auf 1,13 km² erstreckt sich hier der Chatuchak Weekend Market, einer der größten Wochenendmärkte Asiens. Das Labyrinth aus 15.000 Einzelgeschäften ist Bangkoks Riesen-Kaufhaus zu ebener Erde, in dem man eigentlich alles kaufen kann. Wenn man es denn findet.

Obwohl die Gänge meist rechtwinklig verlaufen hat man schnell die Orientierung verloren, denn manchmal tun sie das auch nicht.
Rund ein Drittel der täglich 200.000 Marktbesucher sind Touristen. Entsprechend ist das Angebot vieler Läden rund um das Haupteingangstor Nummer 3: Geschnitzte Souvernirs vom Holzbuddha bis zum Kochlöffel, Ethno-Schmuck und –kleidung, getrocknete Lebensmittel, T-Shirts in allen Formen und Farben und alles was in der Backpacker couture gerade In ist.


Ein nicht mehr ganz geheimer Tipp ist  das Viertel der Kunsthandwerker auf dem Markt. Während in den Gängen mit den Markenfälschungen kaum noch ein Durchkommen ist, lässt es sich hier ganz unbeschwert an den kleinen, offenen Ausstellungsräumen vorbeiflanieren. Die meist großformatigen Bilder unterscheiden sich von Künstler zu Künstler durch ihre ganz eigenen Gestaltungstechniken. Meist sind nie Schöpfer selbst da und geben bereitwillig Auskunft über ihr Handwerk.

Fische auf dem Chatuchak MarktFür den einheimischen Kundenkreis und Großhändler gibt es auf dem Marktgelände ganze Viertel, die sich der Möblierung des Eigenheimes drinnen und draußen verschrieben haben, das Gartenmarktquartier ist gleich nebenan.
Daneben wird es dann auf einmal lebendig. Vom Tierfutter geht es über zu Gestaltungselementen für das heimische Aquarium, ein paar Meter weiter werden dann die in Plastikbeuteln schwimmenden zukünftigen Bewohner feilgeboten. Einen ganzen Straßenzug lang kann man kaum laufen vor lauter wasser- und fischgefüllten Plastikbeuteln und Wannen und hat irgendwann auch das Interesse am exotischsten und farbenfrohesten Strahlenflosser verloren.

Korallen auf dem Chatuchal MarktJust dann fallen zwei mit braunem Matsch gefüllte Wannen ins Auge. Beim Näherkommen entpuppt sich der Inhalt der einen als Baby-Kröten, der der zweiten als Jungschildkröten. In einem Dickicht  von Vogelschreien und Tiergeruch werden jetzt Jungtiere jeder Tierart angeboten, die halbwegs niedlich und/oder flauschig ist.

Ohne es genau zu wissen, sagt das Bauchgefühl, dass die Haltungsbedingungen der meisten Tiere so wohl nicht in Ordnung sind, bei dem auf einer elektrisch angetriebenen Scheibe rotierenden Eichhörnchen ist das offenkundig. Auch die Frage drängt sich auf, was denn mit den Welpen und Mini-Häschen passiert, wenn sie ausgewachsen sind, ohne verkauft worden zu sein.
Zwischen den Käfigen mit den bunten Tropenvögeln und Papageien stehen auch immer wieder Schüsseln mit Schildkröten, darunter enorme Tiere, die sicherlich schon einige Jahre auf dem Panzer haben.

Der Chatuchak Markt in Bangkok ist seit langem für den Handel mit Wildtieren bekannt. Obwohl bekannt ist, dass auf dem Riesen-Markt auch illegal geschützte Tieren verkauft werden, gab es lange Zeit keine genauen Zahlen, wie viele der bedrohten Tiere dort umgeschlagen werden, um welche Arten es sich handelt und wo sie ursprünglich herstammen.

Halbwegs sytematischen Untersuchungen des Netzwerkes zur Überwachung des Handels mit Wildtieren TRAFFIC in den Jahren 2006 und 2007 in über 700 auf den Reptilienhandel spezialisierten Läden auf dem Markt zeigten, dass die große Mehrheit der dort angebotenen Schildkrötenarten nicht aus Thailand stammt. Zwei der bei der bei den Begehungen aufgefundene Arten hätten nach den offiziellen Importmeldungen nach Thailand überhaupt nicht im Land sein dürfen, weil ihre Einfuhr in keiner Datenbank des entsprechenden internationalen Tierschutzabkommens vermerkt ist. (vgl. TRAFFIC 2008)

Bei den verdeckten Befragungen durch die TRAFFIC-Aktivisten, die als normale Kunden auftraten, war eine ausgeklügelte Fragetechnik oft gar nicht von Nöten, den die Ladenbesitzer kamen häufig von sich aus auf den Schutzstatus ihrer Ware zu sprechen. Die Seltenheit und die Gefahr, dass die Tiere vom Aussterben bedroht seien, waren ihnen sogar Verkaufsargument.

Auch darüber, dass die Schildkröten illegal erworben wurden, gaben die Verkäufer ganz freimütig Auskunft und sparten nicht an Ratschlägen, wie die Ware außer Landes geschmuggelt werden könnte. Man solle die Beine und den Kopf der Tiere mit Klebeband fixieren, so fielen sie beim Transport im Koffer während der Röntgenkontrolle am Flughafen nicht auf. Auf diese Weise gelänge es seinen Kunden aus Malaysia, Singapur und Japan jeden Monat zahlreiche Tiere aus Bangkok heraus zu schmuggeln, erklärte ein Händler den Tierschützern.

Dass der Geschäftsmann die Hindernisse bei der Ausfuhr nicht bloß herunterspielte um seine Ware an den Mann zu bringen, sondern dass es tatsächlich recht einfach zu sein scheint, lebende Tiere per Flugzeug durch die zwei obligatorischen Zollkontrollen zu transportieren, bestätigt die Aussage einer Verkäuferin aus Petaling Jaya im malaysischen Bundesstaat Sengalor. Bei der Befragung durch Mitarbeiter von TRAFFIC gab sie an, alle drei Wochen etwa 50 Land- und Wasserschildkröten aus Bangkok zu holen. Einige trage sie in ihren Taschen, die meisten packe sie aber in Koffer. Auch die Klebebandmethode erwähnte sie wieder.

Vor drei Jahren gelang der thailändischen Polizei einer der letzten überlieferten großen Erfolge gegen die Schmuggler. An einem Tag wurden die Beamten am Bangkoker Suvarnabhumi Flughafen gleich zweimal fündig. Gleich am Morgen entdeckten sie in einer nicht abgeholten Reisetasche 300 indische Sternschildkröten und 10 Sumpfschildkröten.

Später am Tag konnte dann ein Thailänder festgenommen werden, der gerade im Begriff war eine Reisetasche vom Gepäckband zu nehmen, in die 75 Schildkröten gepackt worden waren. Darunter 54 madagassische Schnabelbrustschildkröten, eine der seltensten Arten, deren Bestand weltweit auf gerade noch 400 Tiere geschätzt wird. Bereits im Jahr zuvor fand die thailändische Polizei auf einen Tipp hin 900 in Kopfkissenbezüge gestopfte Jungtiere der Sternschildkröte im Koffer eines Inders, der aus Kalkutta nach Bangkok eingeflogen kam.

Dass auf einen Schlag gleich eine so große Menge der geschmuggelten Reptilien gefunden wurde, legt vor dem Hintergrund der nach den Aussagen der Händler in Thailand und Malaysia beträchtlichen Umschlagzahlen nahe, dass mehr Kontrollen zu noch mehr Funden führen könnten.

Allerdings lässt der Umstand, dass der festgenommene Schmuggler Zugang zu den Gepäckbändern im Ankunftsbereich hatte ohne selbst Flugpassagier gewesen zu sein, vermuten, dass sich das Schmuggel-Netzwerk auch auf die Sicherheitsmitarbeiter am Flughafen erstrecken könnte.

In Südostasien wäre das keine Überraschung.

Bild: Bangkok Chatuchalk Market by Wilson Loo Kok Wee ist lizensiert unter CC BY-NC_ND 2.0

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