Love Trumps Hate - Meine Dezember-Kolumne im GAB Magazin

Zwischen den Zeilen

Wer sich in diesen Tagen in krähenschreiharter Nebelfrühe durch den Nieselregen seinem Werktag entgegen zwingt, mag gewärmt sein von dem Gedanken, den Abend im Kreise einer leutseligen Stehtischgenossenschaft auf einem Weihnachtsmarkt bei einem Glühwein beschließen zu können.

Weil der Alkohol- und Zuckergehalt dieses Heißgetränkes aber in keinem Verhältnis zu den kompromisslos frühen Schließzeiten der Würzwein-Buden steht, nomadisieren die oft willkürlich zusammengerauften Rudel von unterjährig nur entfernt bekannten Kolleg*innen nicht selten weiter in willkürlich ausgedeutete Kneipen der Innenstädte.

Dies oft mit der Folge, dass in den schwul-lesbischen Szene-Bars urplötzlich am frühen Abend die Tür aufgeworfen wird und das im beschaulich-verwandten Kreise zusammensitzende Stammpublikum von heterosexuellen Ladies umspült wird, die eine Bezechtheit an den Tag legen, die man sonst nur manchen, von langer Seefahrt zurückgekehrten Matrosen zugeschrieben hätte.

Und während die trunkenen Neuankömmlinge den Geräuschpegel potenzieren, alsbald in einen nicht mehr ganz trittsicheren Disco-Fox übergehen und die bereits ansässigen Gäste als „sooo tolerant“ preisen, schauen diese mit leidlich befestigten Nerven und stark in Anspruch genommener Wohlerzogenheit in ihr Getränk und warten auf Weihnachten.

Love Trumps Hate

„Liebe übertrumpft den Hass“ war einer der Slogans mit dem die US-amerikanischen LGBT*-Communities in den zurückliegenden Monaten versucht hatten, den nicht selten offen abwertenden und ausgrenzenden Verbal-Übergriffen des Präsidentschaftskandidaten Trump entgegen zu treten.

Denn ebenso wie andere Minderheiten des Landes, die immer wieder Ziel seiner Entgleisungen waren, ahnten auch die Lesben, Schwulen und Transgender in den USA, was ihnen unter einem Präsidenten Trump blühen könnte und legten sich in der öffentlichen Debatte entsprechend ins Zeug.

Trotzdem müssen wir feststellen, dass mit dem Ergebnis der US-Präsidentschaftswahl und dem Brexit-Votum nun innerhalb kurzer Zeit der postfaktische Populismus ein zweites Mal mit einer von Angstmacherei und Hass geprägten Kampagne alle Vernunftargumente für ein zukunftsorientiertes Miteinander ausgehebelt hat.

Für die deutsche Bundestagswahl im kommenden Jahr verheißt das nichts Gutes. Und anders als in den USA gibt es hierzulande noch keine Ehe für alle.

Here Comes The Sun

Bevor wir uns nun aber bittere Tränen entpressen und missmutig im Weltschmerz und der dunklen Jahreszeit verlieren, sei darauf verwiesen, dass in diesem Monat die Tage auch schon wieder länger werden.

Der Gedanke liegt deshalb nahe, schon jetzt mit der sportlichen Gestaltung der eigenen Wunschfigur zu beginnen, um für den im Grunde unmittelbar bevorstehenden Sommeranfang in Form zu sein.

Aufrichtigerweise sei jedoch bemerkt, dass dies in der Vorweihnachtszeit eine Anstrengung ist, deren erprobte Nutzlosigkeit wenig dazu ermutigt, sie auf sich zu nehmen.

Wer eine frühlingshafte Aufbruchsstimmung mit Gesundheits- und Körperbewusstsein dennoch in Einklang bringen möchte, möge mit einem frischgebrühten Ingwertee und in Erahnung des Sommers neu erworbenen Flip-Flops zu Hause auf und ab wandeln um danach mit wundgescheuerten Zehenzwischenräumen in einer Szene-Bar einen nicht mehr ganz trittsicheren Disco-Fox hinzulegen.

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