Porträt über mich in der Frankfurter Rundschau am 6. August 2013

Jessica Purkhardt ist keine gewöhnliche Politikerin. Ihr sind Demonstrationen wichtig, „weil Demokratie ja kein Zuschauersport ist“. Die gelernte Maurerin will sich als Grüne im Landtag für Bürgerrechte stark machen.

Jessica Purkhardt kommt mit dem Fahrrad zum Interview, mit hochhackigen Sandalen und Sonnenbrille. Sie erzählt von ihren Erlebnissen als Rettungssanitäterin in Thailand und von ihrer Lehre als Maurerin. Sie sagt, dass ihr Demonstrationen wichtig sind – „weil Demokratie ja kein Zuschauersport ist“ – und findet die Taktiererei in Parteien manchmal „ganz schön eklig“. Mit einem Satz: Jessica Purkhardt ist keine Politikerin wie die anderen.

Ärger über „rückgratlosen Leute“

Dass die 32-Jährige seit 2011 im Römer sitzt und nun für den Landtag kandidiert, hat neben ihrer ausgeprägten politischen Leidenschaft aber sowieso viel mit Zufällen zu tun – und damit, dass sie Gelegenheiten beim Schopf ergreift. Purkhardt, in Südhessen aufgewachsen, gelernte Maurerin, hat im zweiten Bildungsweg Journalismus studiert und dann die Chance genutzt, drei Jahre lang in Südostasien zu leben – als Korrespondentin des Wirtschaftsmagazins „Aktuell Asia“. Die Zeit hat sie stark geprägt, vor allem ihre freiwillige Arbeit als Rettungssanitäterin in Bangkok, wo sie mitten in die Straßenschlachten nach dem Militärputsch von 2006 geriet. „Da altert man innerlich um 200 Jahre“, sagt sie.
Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zog Purkhardt ins Gallusviertel, arbeitete als PR-Assistentin und beschloss, sich politisch einzumischen. Sie habe sich für „ihre Themen“ stark machen wollen, sagt sie, für Demonstrationsfreiheit, Bürgerrechte und eine vielfältige Gesellschaft: „Da ist es einfach wichtig, dass man sich engagiert.“ Und geärgert habe sie sich über die vielen „rückgratlosen Leute“ in der Politik. Sie las die Parteiprogramme von SPD und Linken – und auch das der Grünen. „Und da habe ich sofort gedacht: Das ist es, das hätte ich genau so schreiben können.“

Überall da, wo was los ist

Und dann kam wieder eine Gelegenheit: Schon nach ihrem ersten Einsatz für die Grünen – als „Kuchenverteilerin auf dem Sommerfest“, wie Purkhardt lachend erzählt – wurde sie gefragt, ob sie nicht bei der Kommunalwahl kandidieren wolle. Purkhardt wollte und war mit einem Mal Stadtverordnete. Mittlerweile ist sie sicherheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion und vertritt sie im Rechts- und Kulturausschuss.
Seitdem redet Purkhardt überall da mit, wo etwas los ist: Sie macht sich für das Occupy-Camp und das Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI) stark, setzt sich für die Rechte von Schwulen und Lesben ein, kritisiert die Haltung der Stadt zu den Blockupy-Protesten. Sie fühle sich gut aufgehoben bei den Grünen, sagt sie, auch wenn sie mit ihrem linken Profil öfter anecke. Wobei sie sich von der Basis getragen fühle: „Die hat ihr Herz noch am linken Fleck.“ 
Sollte sie trotz ihrer starken Gegner im Wahlkreis direkt in den Landtag einziehen – über ihren Listenplatz 35 hat sie keine realistische Chance – will Purkhardt sich vor allem der Innenpolitik widmen. Es brauche einen unabhängigen Polizeibeauftragten und eine Kennzeichnungspflicht für Polizisten, außerdem könne mal die Todesstrafe aus der hessischen Verfassung gestrichen werden, sagt Purkhardt, auch wenn das eher ein symbolischer Schritt sei. Außerdem will sich die Kulturpolitikerin für einen regionalen Kulturentwicklungsplan einsetzen – und für die vollständige Gleichstellung von Homosexuellen. „Da gibt es immer noch sehr viele Baustellen“, sagt sie. So müsse etwa viel mehr für den Schutz vor Homo- und Transphobie getan werden.
Vor allem, sagt Purkhardt, wolle sie sich trotz der Zwänge des politischen Alltages ihren unabhängigen Blick auf die Welt bewahren. „Ganz ohne Idealismus mach ich’s nicht.“

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