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  • Queer als Marke - Meine Februar-Kolumne im Gab-Magazin

    Ist queer sein in? Um diese Frage zu beantworten wäre zunächst zu klären, was queer bedeutet. Um das zu leisten, müsste diese Kolumnenspalte jedoch mehrere Meter nach unten verlängert werden. Die Lebensrealität zeigt jedenfalls, dass queer und LGBTIQ* nicht zwangsläufig deckungsgleich sein müssen. Beispielsweise haben viele Schwule, Lesben und transidente Menschen für sich einen Lebensentwurf gewählt, der von Queerness im Sinne der Wortbedeutung (leben und lieben jenseits der Mehrheitsgesellschaft) deutlich entfernt liegt. Anderseits leben und lieben viele Menschen sehr anders als die Mehrheitsgesellschaft, durchkreuzen Normen, stehen aber dennoch fest auf dem Boden von Heterosexualität und Cisgeschlechtlichkeit. Zu LGBTIQ* zählen sie genau genommen also nicht. Queer sind sie aber ohne Frage.

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  • Queere Relativitätstheorie - Meine Juni-Kolumne im GAB-Magazin

    „Unsere Nation ist gegründet auf dem Glauben, dass alle von uns gleich sind und es verdienen ihre eigene Vorstellung von Glück anzustreben, das meiste aus unseren Talenten zu machen, zu sagen, was wir denken, unangepasst zu sein.  Vor allem aber, sich selbst treu zu bleiben.  Diese Freiheit bereichert uns alle. […] Und jeden Tag wird es besser“, sagte der damalige US-Präsident Barack Obama in seiner Videobotschaft für das „It Gets Better Project“. Eine Aktion des Kolumnisten Dan Savage für queere Jugendlichen, die Ziel von Ausgrenzung und Mobbing waren.

    Und tatsächlich erreichte die Zustimmung in der Bevölkerung zur gleichgeschlechtlichen Ehe in jenen Jahren den bis dahin höchsten Stand. Im Jahr 2015 ebnete dann eine wegweisende  Entscheidung des Obersten Gerichts der USA den Weg zur rechtlichen Gleichstellung.

    Dass die gesetzlichen Regelungen endlich besser würden, erhofften sich hierzulande auch viele transidente Menschen, als das Bundesverfassungsgericht 2011 entschied, die Sterilisation als Voraussetzung für die formale Änderung des Geschlechtseintrages auszusetzen. Die Zuversicht war groß, dass bald eine Reform des unzeitgemäßen Transsexuellengesetzes folgen würde. Reformvorschläge lagen längst auf dem Tisch und die Absichtserklärungen der Politik waren zahlreich.

    Umso größer ist nun die Enttäuschung über den jüngst vorgelegten Gesetzesentwurf, der weiterhin ein gerichtliches Verfahren vorsieht und neue Hürden einzieht.

    Sicher, es wird besser. Nur zu langsam.

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  • Queerer Generationenvertrag - Meine August-Kolumne im GAB-Magazin

    Gibt es einen queeren Generationenvertrag? Besteht eine ideelle Verbindung zwischen der gegenwärtigen Generation von Lesben, Schwulen und Transgendern und den vorhergegangenen? Ist diese Brücke über die Altersgruppen sinnvoll oder überhaupt gewollt? Junge queere Menschen ziehen ohne Frage großen Nutzen aus den gesellschaftspolitischen Kämpfen, die andere Jahrzehnte zuvor erfolgreich geführt haben. Dabei wollen sich aber trotzdem nicht alle in die Selbstbezeichnungen fügen, die früher erst mühevoll und zum Teil schmerzhaft mit Wertschätzung, Lebensgefühl und Stolz gefüllt werden mussten. Nicht wenige frauenliebende Frauen tun sich beispielsweise heute schwer, das Wort „Lesbe“ für sich zu gebrauchen. Queer geht dagegen immer. Ein Sammelbegriff, der so ausgefranst ist, dass er alles oder nichts bedeuten kann. Schon früher galt: Nicht überall, wo „homosexuell“ draufsteht, ist auch „lesbisch“ drin. Für den Begriff „queer“ gilt mindestens das Gleiche. Es schadet nicht, neue Begriffe zu gebrauchen, die mehr Menschen einschließen und deren Definition weniger eng geprägt ist. Wichtig ist, dass der Wunsch, mit der eigenen Verwendung von Sprache möglichst offen für möglichst viele und vieles zu sein, nicht in einer Beliebigkeitsfloskel mündet. Gelegentlich muss man sich nämlich schon fragen, ob „queer“ nicht immer öfter „mainstream“ ist.

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  • Renovierung der Bedürfnispyramide - Meine Januar-Kolumne im GAB-Magazin

    Genau genommen fängt man ja nur wieder von vorne an, die Monate zu zählen, während die gemeinsame Karussellfahrt um die Sonne Runde um Runde dreht. 2020, das Jahr, dem nicht viele Gegenargumente einfallen, wenn man es komplett verkorkst nennt, liegt hinter uns. Kaum ein Mensch lebt noch, der sich erinnern kann, wann ein Jahr uns zuletzt vor so viele neue Situationen und Herausforderungen gestellt, so viel Umdenken erzwungen, so viele neue Erfahrungen hervorgebracht hat und vieles klarer erscheinen ließ. Beispielsweise, dass eine gemütliche Jogginghose bezüglich Dauertragbarkeit den allermeisten Kleidungsstücken den Rang abläuft. In den Lockdown-Monaten hat sich aber auch das Dickicht des Alltags gelichtet. Die Ranken von sozialem Umgang, Konsum, Genuss und unerschöpflichen Freizeitangeboten wurden grob beiseitegezerrt, der Blick aufs Wesentliche frei und Raum geöffnet für die Beschäftigung mit sich selbst. Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie kristallisierten sich nicht nur in Politik, Wirtschaft, Gesundheitssystem und Gesellschaft die jeweiligen Stärken und Schwächen heraus. Auch an uns selbst und den Menschen, die uns nahestehen, haben wir sie deutlicher wahrnehmen können. Das war nicht immer angenehm. Aber hilfreich, um die Krise tatsächlich in eine Chance für 2021 zu wenden und dafür zu nutzen, die eigenen Stärken zu stärken und an erkannten Schwächen zu arbeiten.

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  • Reparaturanleitung für alles, was nicht kaputt - Meine August-Kolumne im GAB-Magazin

    Kann man etwas reparieren, das gar nicht kaputt ist? Das Mofa meiner Jugend würde sagen: nein.
    Es lief wie eine Nähmaschine, fuhr aber zu meinem damaligen Bedauern auch nur unwesentlich schneller. Deshalb fummelte ich so lange daran herum, bis es noch langsamer fuhr, dann nicht mehr ansprang und schlussendlich doch kaputt war.

    Das war mir eine Lehre, die ich seitdem auf viele andere Alltagsbereiche anwende. Entsprechend habe ich nie verstanden, weshalb Menschen, die nicht krank sind, behandelt werden müssen und die Solidargemeinschaft der Krankenkassen auch noch dafür aufkommt.

    In diesem Jahr ist es 25 Jahre her, dass in Deutschland der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches abgeschafft wurde. Schon vier Jahre zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation Homosexualität von der Liste der psychischen Krankheiten gestrichen.
    Trotzdem war es hierzulande weitere 29 Jahre lang erlaubt, gesunde aber gleichgeschlechtlich begehrende Menschen mit sogenannten Konversionstherapien in die Hetero- oder Asexualität pressen zu wollen. 

    Es ist höchste Zeit, dass jetzt ernsthaft ein Verbot dieser Quälerei angestrebt wird, in einem Land, in dem die Sicherheitsbestimmungen ansonsten gerne mal in die Bevormundung hineinreichen.
    Warum das so lange gedauert hat? Nach meiner Diagnose waren früher wohl bei einigen Verantwortlichen entweder der Vergaser verstopft oder die Kolbenringe verschlissen.

  • Sattelfeste Szene - Meine März-Kolumne im GAB-Magazin

    Selbstverständlich lassen sich Plexiglasscheiben nicht in das Gestaltungskonzept schwuler Bars einfügen, ohne dass die Ästhetik den virologischen Notwendigkeiten auf halbem Wege entgegenkommen muss. Aber es geht. Steht das Führen von schriftlichen Anwesenheitslisten im Widerspruch zu der besonders in queeren Lokalen wichtigen Diskretion? Aber Hallo! Wie viel Freude macht es Szene-Gastronom*innen, die ihren Gäst*innen einfach nur eine schöne Zeit geben wollen, sie an der Eingangstür abzufangen, um zuerst Impfzertifikate und Personalausweise kontrollieren zu müssen? Gar keine.
    Zwei harte Lockdowns haben viele queere Gastro-Betriebe an den finanziellen Abgrund getrieben und manche auch einen Schritt weiter. Das bisweilen monatelange Warten auf die versprochenen staatlichen Unterstützungszahlungen vertrieben sich die Wirt*innen mit dem Entsorgen ihrer abgelaufenen Getränke und Lebensmittel.

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  • The times they are a-changin‘ - Meine November-Kolumne im GAB-Magazin

    „Es ist wie es ist“, lautet eine landläufige Floskel. Dabei stimmt das gar nicht. Die Dinge ändern sich und wir uns auch. Selbstvervollkommnung sei der Naturberuf des Menschen, verkündeten einmal die Humanisten. Soweit muss man nicht gehen. Unzweifelhaft lohnend ist aber sicherlich ein gesundes Maß an Selbstreflektion und Selbstverwirklichung. Voraussetzung dafür ist jedoch, sich selbst und den eigenen Lebensentwurf gelegentlich zu hinterfragen.

    Für die allermeisten LGBT*IQ ist diese Selbst-Evaluation im Rahmen des inneren und äußeren Coming-Out-Prozesses unausweichlich. Das ist nicht leicht. War es nicht und wird es wohl auch nie sein. Gleichzeitig ist es aber gewissermaßen eine Pflicht-Chance. Denn die Mehrheit der hetero-  und cis-Personen kommt gar nicht in die Verlegenheit, sich selbst fragen zu müssen, ob man wirklich so leben möchte wie man lebt. Wenn die dann feststellen, dass Lesben, Schwule und Trans* aber so leben, dann kann das ein Gefühl der Unzufriedenheit erzeugen.

    Der Nollendorfblog-Autor Johannes Kram vermutete neulich im Gespräch mit mir, dass es auch Homophobie geben würde, wenn es gar keine Schwulen und Lesben gäbe. Der größte Teil der Homophobie sei in Wahrheit Heterofrustration.
    Ich fürchte die These hat einen wahren Kern.

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  • Türsteher der Community - Meine Septmeber-Kolumne im GAB-Magazin

    Man stelle sich eine Veranstaltung vor, die daran erinnert, wie sich Lesben, Schwule und Transgender vor einem halben Jahrhundert in einem New Yorker Stadtteil die ständigen Demütigungen, Misshandlungen und Missbrauch durch homo- und transhassende Polizisten nicht mehr gefallen ließen und Widerstand leisteten. Heute, nach jahrzehntelangen Kämpfen, hat sich die deutsche Gesellschaft und auch die Polizei so weit gewandelt, dass sich polizeiliche Ansprechpartner für die Belange von LGBTIQ* auf diesen Veranstaltungen zur Verfügung stellen und ein Mitarbeiternetzwerk lesbischer und schwuler Polizeibediensteter über seine Arbeit informiert. Man könnte denken: Ende gut, alles gut. Aber jetzt kommt’s: Die Gesellschaft hat sich in jüngster Zeit noch weiter gewandelt. So weit, dass nun auf diesen Events vielerorts kleine Gruppen gegen die Anwesenheit von Menschen, die bei der Polizei arbeiten, protestieren. „No Cops at Pride“ verlangen sie, was viele um sie herum verdutzt. Hatte man nicht eben erst in der Rhein-Main-Community mehr Schutz durch die Polizei vor homo- und trans*feindlichen Übergriffen gefordert? Wie passt das bitte zusammen? Gar nicht. Es ist vielmehr ein Zeichen, dass nicht nur LGBTIQ* in der Gesellschaft angekommen sind, sondern nun auch die Gesellschaft bei den LGBTIQ* ankommt. Mit all ihren Zerwürfnissen, zu denen sie nun auch die Positionierungen einfordert, um die sie sich lange herumgedrückt haben.

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  • Vitalität der Szene - Meine Oktober-Kolumne im GAB-Magazin

    Es war mehr als Schall und Rauch, als im Jahr 1815 der Tambora im heutigen Indonesien ausbrach, 150 Kubikkilometer schwefelige Asche hoch in die Atmosphäre schleuderte, die sich in der Folge als schmutziger Aerosol-Schleier rund um den ganzen Erdball legte und das darauf folgende Jahr 1816 in der Geschichtsschreibung zum „Jahr ohne Sommer“ mit kaltem Wetter und Missernten werden ließ. Dem Sommer im Corona-Jahr 2020 kann man meteorologisch hingegen kaum Vorwürfe machen. Dürre herrschte jedoch in gesellschaftlichen Lebensbereichen, deren Verfügbarkeit wir bis dahin als selbstverständlich angesehen hatten.

    Der monatelange Shutdown von Kunst, Konzert und Bühnenspiel bescherte uns weitgehend einen „Sommer ohne Kultur“, wie niemand von uns ihn bisher gekannt hatte. Dort, wo es möglich ist, unternehmen Künstler*innen nun wieder erste zaghafte Gehversuche, um ihrem Publikum ihr Schaffen und Können zu zeigen. Allein die Organisation von Kulturveranstaltungen setzt dabei schon viel Kreativität voraus. Ohne Frage werden die kulturellen Events der kommenden Monate ungewohnt und umständlich erscheinen und wir sollten uns klar sein, dass sie nicht um der mageren staatlichen Alimentation willen stattfinden, sondern für den Applaus und Zuspruch des Publikums. So treu wie unsere Künstler*innen uns sind, sollten wir deshalb auch ihnen bleiben.

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  • Was darf man eigentlich noch sagen? - Meine Dezember-Kolumne im GAB-Magazin

    Wer darf eigentlich was noch sagen? Diese Frage geistert derzeit einmal mehr durch das winterliche Land und schon so manche*r gewerbsmäßige Meinungsbildner*in hat sich daran sehenden Auges die Finger verbrannt. Oft genug wird verwechselt, was man sagen kann, was man sagen darf und ob jeder etwas sagen soll – oder lieber nicht.
    Der erste Teil ist einfach: Sagen kann man als Meinungsäußerung alles. Wer aber die Rechte anderer dadurch verletzt, darf das nicht. Ein Blick in die sogenannten sozialen Medien genügt, um zu erkennen, dass die meisten Menschen, die glauben, sie sollten zu einem Thema etwas beisteuern, ihre diesbezügliche Eignung überschätzen. Fakt ist: Die Mehrheit der Menschen kennt sich mit der Mehrheit der Themen sehr wenig aus.
    Und noch ein Fakt: Die Mehrheit der Menschen kennt sich mit den Themen der Minderheiten unter den Menschen sehr wenig aus. Gute öffentliche Debatten, die die pluralistische Meinungs- und folgende Entscheidungsfindungen voranbringen, entstehen aber vor allem dann, wenn sie von Personen geführt werden, die außer einer Meinung noch substanzielle Sachverhalte, neue Informationen, spezielle Erfahrungen oder seltene Perspektiven beisteuern können. Solche Leute sollten viel öfter bei sich den Mut und bei den anderen das Gehör finden, um sich zu äußern. Alle anderen dürfen sich natürlich auch mitteilen – aber vielleicht nicht immer zuerst.

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