Schlammschlacht

Was heute zu bewältigen war, ist mir keineswegs von Anfang an klar gewesen. Ich hatte erwartet, dass mir die Knochen, mindestens aber die Muskeln, von meinem gestrigen Ausritt auf dem Pferd noch wehtun. Das war aber gar nicht so. Wir fuhren von San Agustin aus zum Wasserfall von Mortina und besahen uns die haarsträubendsten Möglichkeiten, die Schlucht, in die er stürzt, per Drahtseil zu überqueren. Dann erwartete uns der Anstieg in die mittlere Kordillere der Anden, die wir bereits an unserem zweiten Tourtag über die Alto de Letras von West nach Ost überwunden hatten. Nun kletterten wir auf einer nassen Schotterpiste an der Flanke der Bergkette hinauf. War die Straße zunächst noch passabel, durchsetzten sie später immer größere und vor allem tiefere Schlaglöcher. Längst waren wir aus dem Sattel gegangen, um die immer heftigeren Stöße abzufangen. Mit federweichen Ellenbogen lenkten wir nur noch durch Gewichtsverlagerung auf den Fußrasten um tiefe Rinnen und Flecken von Matsch herum. Der Schotter mischte sich mit Geröll, so dass wir nicht mehr nur den Löchern, sondern auch großen Steinen mitten in der Fahrlinie ausweichen mussten. Nach einer Linkskurve zeigte sich, dass nicht nur wir Gringos mit den groben, nassen Steinen unsere Probleme hatten. Ein entgegenkommender Einheimischer rappelte sich gerade auf und humpelte nach einem Sturz zurück zu seinem auf der Seite liegenden Motorrad. Aaron stoppte und stieg ab, um dem Gestürzten zu helfen und auch andere hielten an.

Mit dem Pferd zu Shakira

Die gestrige Etappe mit den steilen, abschüssigen Dschungelwegen war anstrengend. Wir haben nun die Hälfte der Strecke zurückgelegt und heute ist ein "Ruhetag" eingeplant. Am Morgen haben wir allerdings noch keine Ahnung, dass er einer der anstrengendsten der Reise werden wird.
Dabei werden nicht einmal Motorräder eine Rolle spielen. Nach dem Frühstück fahren wir mit zwei Taxis zum archäologischen Park von San Agustin. Dort haben Bauern über große Flächen verteilt bei ihren Feldarbeiten Grabanlagen gefunden, die von großen, furchteinflößenden Steinskulpturen bewacht werden. Sie stammen aus prä-kolumbianischer Zeit, wurden also errichtet noch bevor die Spanier Südamerika erreichten. Seit 6000 Jahren leben kleine Gruppen von Menschen bereits in der Region. Welchem Volk sie zuzuordnen sind und die genau Bedeutung der Skulpturen ist unbekannt. Es finden sich aber Gemeinsamkeiten zu anderen kultischen Figuren in indigenen Kulturen Mittel- und Südamerikas. Die Vogelfigur mit der Schlange im Schnabel entdecke ich beispielsweise als einen Grabwächter, sie findet sich aber auch in der Nationalflagge Mexikos wieder, die auf aztekische Mythen zurückgreift.
Einen steilen Aufstieg auf eine Bergkuppe mit weiteren Skulpturen unterbreche ich auf halbem Wege bei einem kleinen Lokal. Ich bin die Höhe nicht gewohnt und schnell außer Atem.

Unterricht im Kaffeekochen

Coffee to go

Es hätte heute schneien müssen, damit dieser Motorradtag noch abwechslungsreicher hätte sein können. Er begann mit einem gemeinsamen Frühstück in unserem Hotel in Salento. Die anderen haben gestern Experimente mit Schnaps und anderen Longdrinks durchgeführt, weswegen heute noch nicht alle so taufrisch wie sonst sind. Trotzdem sind wir um 8 Uhr auf den Motorrädern und fahren steil bergan zu einem Aussichtspunkt. Dann geht es schon gleich weiter einen Feldweg hinab und hinauf, der abwechselnd mit groben Feldsteinen gepflastert ist oder an manchen Stellen auch sehr matschig und deswegen rutschig ist. Wir erreichen die Finca einer Kaffeeplantage und trinken dort standesgemäß zunächst erstmal einen Kaffee. Dann gehen wir mit einem Mitarbeiter der Finca, der Andres heißt und neben gutem Englisch und seiner Muttersprache Spanisch auch sehr verständliches Deutsch spricht auf die Pflanzung. Er erklärt uns ausführlicher als es sich manche unserer Gruppe wünschen, wie das Leben einer Kaffeepflanze im allgemeinen abläuft und wie aus der Frucht ein hochwertiges Lifestyle-Produkt wird.

EIne Begegnung im Dschungel

Im Dschungel

Der vierte Tag meiner Motorradreise durch Kolumbien war der bislang herausfordernste. Zunächst mussten wir uns wohl oder übel durch die Stadt Neiva drängeln. Der Stadtverkehr ist für eine Motorradgruppe immer besonders schwierig, weil man sich schnell verliert. Mein kanadischer Mitfahrer Aaron ist auf Asphalt ohnehin immer etwas langsam, tut sich beim Überholen und in dichtem, srädtischen Gewühl schwer. Wir haben ihn schon am zweiten Tag einmal verloren und als wir am Ortsausgang von Neiva rechts Richtung Popayan abbiegen, ist er auf einmal weg. Wenn das passiert schicken wir uns über WhatsApp immer unsere Position, so dass wir uns möglichst zügig wiederfinden. Aaron ist leider weiter in die völlig falsche Richtung unterwegs. Ich bin an der Abzweigung schon ein Stück voraus gefahren und warte deshalb eine Dreiviertelstunde alleine im Wald. Richtig toll fühlt sich das nicht an. Wir beschließen schließlich uns mit Aaron an einem bereinbarten Punkt zum Mittagessen zu treffen. Das klappt und gemeinsam geht es einen anspruchsvollen Offroad-Pfad steil hinauf in die Berge der mittleren Andenkette. Hier beweist Aaron dagegen Talent und lässt sich von mir nicht abschütteln.

Das Team ist komplett

Heute morgen gießt es in Cali wie aus Eimern. Das ist gut, denn so fühlt man sich nicht verpflichtet noch weiter die Stadt zu erkunden, sondern kann es sich im Zimmer gemütlich machen und die letzten Reisevorbereitungen treffen. Beim Frühstück am Morgen haben Sean und ich unseren Mireisenden Aaron getroffen. Er stammt eigentlich aus Kanada, hat aber lange Zeit in Mexiko gearbeitet und ist nun schon seit einem Monat in Kolumbien unterwegs.

In die Woste geschickt

In die Wüste geschickt

Nach dem gemeinsamen Frühstück in Honda sprangen wir nicht gleich auf die Mororräder, um die Reise fortzusetzen, sondern nahmen uns ein Stunde Zeit, um diese sehenswerte alte Hafenstadt aus der spanischen Kolonialzeit zu erkunden. Direkt neben dem Hotel, in dem wir die Nacht verbrachten, steht das ehemals beste Haus am Platz. Auf einem Schild an der Wand ist zu lesen, dass die "große botanische Expedition" dort Halt gemacht und ihr Nachtlager bezogen hätte. Ich habe die Vermutung, dass es Alexander von Humboldts zweite Expdition gewesen sein könnte, hatte aber noch nicht die Gelegenheit zu prüfen, ob er tatsächlich in Honda gewesen ist. Wir sind offenbar die einzigen ausländischen Besucher in der Stadt. Sie liegt so abseits, das wohl nur sehr selten ausländische Touristen hierher kommen. Das ist schade, denn wäre sie leichter erreichbar, wäre sie ohne Frage eines der touristischen Highlight des Landes. In Honda ist es morgens schon heiß und schwül. Schon beim Anlegen der Motorradkleidung läuft mit der Schweiß.

Der Reisebuddy

Heute morgen gab es zum Frühstück Reis und Bohnen mit einem Spiegelei oben drauf. Ich habe es gerne gegessen, denn es lohnt sich,  sich frühzeitig daran zu gewöhnen, denn je mehr ich auf dieser Motorradreise in das Landesinnere vorstoße, umso öfter werde ich keine andere Wahl haben, als mich mit Reis und Bohnen und eventuell einem Spiegelei obendrauf zufrieden zu geben. Gestern habe ich schon am Flughafen Sean aus London getroffeb. Er wird ebenfalls mit auf dieser Tour durch Kolumbien sein und heute morgen hatten wir beim Frühstück das erste Mal die Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen. Wie sich herausgestellte, ist er ein sehr angenehmer, humorvoller und kultivierter Zeitgenosse und wir haben sofort gemeinsam eine Wanderung in die Innenstadt von Cali unternommen.

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