Erste Plenarsitzung nach dem Lockdown

Heute bin ich in der ersten vollbesetzten, mundnasebedeckten Plenarsitzung der Stadtverordnetenversammlung, seit die Misere losging. In den gläsernen Mainarcaden der Stadtwerke, über denen gerade ein ergiebiger Landregen niedergeht.

Sinnliche Ebbe statt Reizüberflutung - Meine Juni-Kolumne im GAB-Magazin

jessica purkhardt illu

Glücklich wie ein Kind, das ein Vogelnest entdeckt hat, bin ich darüber, dass endlich die Szene-Lokale teilweise und unter Einschränkungen wieder öffnen dürfen, und ich bekenne mehr mit dem Herzen als mit dem Verstand: In der pandemischen Notwendigkeit, die Orte von Subkultur und queerem Zusammensein zu schließen, habe ich eine empfindliche Störung meiner sozialen Gewohnheiten erlebt.

Selbstverständlich haben wir alle die Zeit sinnvoll genutzt und sind vor lauter Sport nun topfit, können eine Fremdsprache mehr, haben sogar die Schränke hinten und von unten Staub gewischt, heimgewerkt und regalweise Bücher gelesen. Doch nun, muss ich gestehen, ist mein Geist von so viel Lebensmuße gesättigt wie ein rüstiger Mann vom Ruhen im warmen Sand. Man möchte aufspringen und nach so viel selbstbestimmter Annehmlichkeit auch wieder Anregung und Aufregung erfahren.

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Präsident im Bunker

Pandemische Häuslichkeit

Auch am Ende der zweiten Woche empfinde ich die pandemische Häuslichkeit kein bisschen langweilig oder spannungsarm. Vielmehr ist mir endlich klar geworden, dass die von den Hethitern verwendete Keilschriftvariante der altbabylonischen Kursive viel näher steht, wie sie etwa in den Schreiberschulen Obermesopotamiens und Nordsyriens gebraucht wurde.

Corona-Virus vs. Krone der Schöpfung - Meine April-Kolumne im Gab-Magazin

jessica purkhardt illu

„Küsschen, Küsschen!“ – „Lieber nicht.“ Es muss schon viel passieren, damit auf das Begrüßungsritual der schwulen Szene landauf, landab verzichtet wird. Ein Fledermausvirus, das sich auf einem Lebensmittelmarkt in der chinesischen Provinz den Menschen als neuen Wirt aussuchte, hat es dennoch geschafft. Nicht, dass wir nicht auch vorher schon in die Ellenbeuge gehustet und geniest hätten. Nur halt oft nicht in die eigene. Aber während weite Teile der Bevölkerung Klopapier horten und aus Angst vor dem Hungertod in Quarantäne notgedrungen sogar die bislang verschmähten Vollkornnudeln aufkaufen, zeigt sich die Szene vollkommen unpanisch. Das mag damit zusammen hängen, dass die Selbstbezeichnung „gay“ (lebenslustig, unbekümmert) nicht von ungefähr kommt.

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Klopapier

Nach mehreren Jahren in Südostasien schüttele ich angesichts der hiesigen Klopapier-Panikkäufe nur den Kopf, winke mit der noch nicht wieder ganz trockenen linken Hand und sage leise:
"Gute Besserung."

Eröffnungsglocke

Formular ausgefüllt, in welchen Ländern ich in den letzten 2 Wochen war und Fieber gemessen bekommen. Jetzt bin ich bei der Opening Bell zum Weltfrauentag in der Deutsche Wertpapierbörse Frankfurt am Main.

Peer Gynt im Schauspiel

Heute Abend habe ich es in die letzte Vorstellung von "Peer Gynt" im Schauspiel Frankfurt geschafft und sehe in den nächsten 4 1/2 Stunden!, wie er auf seiner Reise dem Trollkönig und seinem Hofstaat begegnet, als Sklavenhändler reich wird, sich in der afrikanischen Wüste als Prophet ausgibt und von den Insassen einer ägyptischen Irrenanstalt zum Kaiser ausgerufen wird.

Neues Brauchtum aus dem Silicon Valley - Meine März-Kolumne im Gab-Magazin

jessica purkhardt illu

Der Name des einen lässt sich zumindest für die hiesigen Zungen gut aussprechen, der des anderen ist dagegen vergleichsweise sperrig. Beiden gemein ist – neben ihrer Homosexualität – die mutmaßlich vergebliche Anwartschaft auf einen politischen Spitzenposten ihres Landes.
Sowohl der deutsche Jens Spahn als auch der US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg mussten sich dabei mit mal mehr, mal weniger subtilen homophoben Ressentiments herumschlagen.
Hierzulande sorgte sich die Boulevardpresse, ob denn Spahns christdemokratische Partei „modern genug für einen schwulen Kanzler“ sei. Auf der anderen Seite des Atlantiks fürchteten Kommentatoren derweil um die seelische Zerrüttung von Kindern und Jugendlichen durch einen Präsidenten Buttigieg, der gelegentlich mal seinen Ehemann küsst.

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Meine Rede zur Gebührenordnung der Bundespolizei

Symbolbild von flickr Nutzer Marco Broscheit / Lizenz CC BY 2.0

Symbolbild von flickr Nutzer Marco Broscheit / Lizenz CC BY 2.0Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Wie Herr Kliehm es schon ausgeführt hat, kostet die polizeiliche Ingewahrsamnahme, beispielsweise zur Ausnüchterung, nach der Gebührenordnung des Bundesinnenministeriums 74,15 Euro, wobei jede angefangene Viertelstunde mit 6,51 Euro berechnet wird. In etwa sind das die Beträge pro Zeiteinheit, die man zuvor aufwenden musste, um sich in diesen Zustand hineinzuversetzen, der eine polizeilich begleitete Ausnüchterung erst nötig macht.

Jessica-Purkhardt.de