Queerer Generationenvertrag - Meine August-Kolumne im GAB-Magazin

Gibt es einen queeren Generationenvertrag? Besteht eine ideelle Verbindung zwischen der gegenwärtigen Generation von Lesben, Schwulen und Transgendern und den vorhergegangenen? Ist diese Brücke über die Altersgruppen sinnvoll oder überhaupt gewollt? Junge queere Menschen ziehen ohne Frage großen Nutzen aus den gesellschaftspolitischen Kämpfen, die andere Jahrzehnte zuvor erfolgreich geführt haben. Dabei wollen sich aber trotzdem nicht alle in die Selbstbezeichnungen fügen, die früher erst mühevoll und zum Teil schmerzhaft mit Wertschätzung, Lebensgefühl und Stolz gefüllt werden mussten. Nicht wenige frauenliebende Frauen tun sich beispielsweise heute schwer, das Wort „Lesbe“ für sich zu gebrauchen. Queer geht dagegen immer. Ein Sammelbegriff, der so ausgefranst ist, dass er alles oder nichts bedeuten kann. Schon früher galt: Nicht überall, wo „homosexuell“ draufsteht, ist auch „lesbisch“ drin. Für den Begriff „queer“ gilt mindestens das Gleiche. Es schadet nicht, neue Begriffe zu gebrauchen, die mehr Menschen einschließen und deren Definition weniger eng geprägt ist. Wichtig ist, dass der Wunsch, mit der eigenen Verwendung von Sprache möglichst offen für möglichst viele und vieles zu sein, nicht in einer Beliebigkeitsfloskel mündet. Gelegentlich muss man sich nämlich schon fragen, ob „queer“ nicht immer öfter „mainstream“ ist.

Die ganze Kolumne in der Juli-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

 

Prioritäten setzen - Meine Juli-Kolumne im GAB-Magazin

Saufen, Fressen, auf die Suche nach Fortpflanzungspartnern gehen. Wenn sich keine finden lassen, dann wenigstens dem Reviernachbarn eins zwischen die Hörner geben. Ansonsten ein schattiges Plätzchen suchen und dösen. – Das sind im Wesentlichen die Prioritäten im Tierreich. Bei uns Menschen ist es nur geringfügig anders: Trinken, Essen, gelegentlich sogar Saufen und davon ermutigt die intensivere Suche nach Sexualpartnern beginnen. Damit bei Letzterem eine Aussicht auf Erfolg besteht, sollten im Vorfeld möglichst regelmäßig Leibesübungen unternommen werden. Doch die Voraussetzungen, um ernsthaft Sport zu treiben, sind für viele von uns hoch: Es darf nicht regnen und weder zu warm noch zu kalt sein. Falls alles passt, verhindern meist gesellschaftliche Anlässe oder die Erwerbsarbeit den Gang ins Fitnessstudio. Ansonsten muss zu Hause mal dringend wieder Staub gewischt werden.
Irgendwas ist also immer, das uns von unseren als wichtig priorisierten Vorhaben abhält. Das geht der Politik nicht anders: Abstammungsrecht, Selbstbestimmungsgesetz, Antidiskriminierung, Bekämpfung von Queerfeindlichkeit – sie haben sich einiges vorgenommen in Berlin, und die Hoffnungen darauf sind in der Community groß. Doch Corona brandet Welle auf Welle heran und in Europa ist Krieg. Es gibt also viel Wichtiges zu tun. Das gibt es immer. Genau deshalb dürfen die queerpolitischen Vorhaben nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Die ganze Kolumne in der Juli-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Feiern in der Krise - Meine Juni-Kolumne im GAB-Magazin

Neulich lief ich an einem Garten vorbei, und unter der Pergola hörte ich Stimmen. Viele. Und Gelächter. Es war eine private Gartenparty mit etwa drei Dutzend Gästen. „Unerhört“, dachte ich bei mir und suchte im Geiste nach der aktuellen 7-Tage-Inzidenz, den entsprechenden Höchstteilnehmer*innenzahlen und gültigen G-Regeln. Wie mittlerweile wahrscheinlich die meisten, bin ich hier aber längst nicht mehr auf dem Laufenden. Nachdem die große Politik Covid-19 trotz der mitunter vierstelligen Inzidenzen laufen ließ, lassen die Menschen im Land es nun auch laufen. Mit von unzähligen Schnelltests lederhäutig gewordenen Nasenscheidewänden sitzen sie nicht mehr ganz 1,5 Meter auseinander, geben sich aus Gewohnheit lieber weiterhin die Ghetto-Faust statt der Hand und fremdeln auch in der queeren Szene noch mit der potenziell schmierinfektiösen Küsschen-Küsschen-Begrüßung. Über Corona selbst redet man nun erst recht nicht mehr. Während eine europäische Nation in einem Tag für Tag gnadenloseren Krieg um ihren Fortbestand kämpft, mutet das unziemlich an. Über die eigene Versorgungslage tauscht man sich dagegen unbefangener aus, denn Sonnenblumenöl ist jetzt das neue Toilettenpapier. Weitgehend vergessen, weil sie nichts produzieren, was im deutschen Supermarktregal fehlt, sind aber die Menschen im äthiopischen Tigray, dem kurdischen Nordirak oder im Jemen. Wo war noch mal Afghanistan?

Die ganze Kolumne in der Juni-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Bequeme Illusionen - Meine Mai-Kolumne im GAB-Magazin

„Frankfurt hat keinen Platz für Queerfeindlichkeit“, hieß es neulich in einem Redebeitrag auf der Solidaritätsdemo gegen gewalttätige Übergriffe auf queere Menschen in der Mainmetropole. Ich würde sagen: Doch. Und Frankfurt hat auch einen Namen für diesen Platz: Die Konstablerwache – am Wochenende zwischen Mitternacht und Tagesanbruch.

Ort und Zeit sind bekannt und nicht neu. Seit mindestens drei Jahrzehnten ist das so. Zwischendurch hatten die Übergriffe mal deutlich abgenommen, doch die homo- und transfeindliche Gewalt steigt seit Jahren unübersehbar an. Dass man nicht noch öfter demonstrieren muss und die behördlich erfassten Hassdelikte gegen Queers in der Frankfurter Innenstadt, wie die Polizei mitteilt, „im mittleren einstelligen Bereich“ rangieren, liegt daran, dass sich die Szene – anders als die Mehrheitsgesellschaft – nicht der bequemen Illusion hingibt, dass es keine Orte gibt, die bestimmte Personengruppen schlichtweg meiden müssen, um Anfeindungen und Gewalt aus dem Weg zu gehen.

Es ist queeres Frankfurter Allgemeinwissen, dass man sich lieber was leiht, als nachts noch mal zum Geldautomaten an der Konstablerwache zu müssen, und sich in diesem Bereich allein am besten mit dem Taxi fortbewegt. Damit sich das ändert, ist ein erster Schritt, sich von lieb gewonnenen Floskeln zu verabschieden, die Realität in den Blick zu nehmen und Lösungen zu suchen.

Die ganze Kolumne in der Mai-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Neue Wahrheiten - Meine April-Kolumne im GAB-Magazin

Wenn es eine Gewissheit gibt, dann die, dass nichts absolut sicher ist. Der geglaubte Grundsatz, dass in Europa nie wieder ein Land ein anderes überfallen und mit Krieg überziehen würde, ist über Nacht wertlos geworden. Gleichzeitig können über die Erklärung, dass der Scheitelpunkt nun erreicht sei und die Pandemie ihr Ende finden werde, die Millionen, die in diesem Moment in Quarantäne zu Hause sitzen, nur traurig lächeln, und auch die Autorin dieser Zeilen schreibt sie dieses Mal vom Covid-19-Krankenlager. Die Ereignisse der vergangenen beiden Jahre haben uns drastisch vor Augen geführt, wo Entwicklungen verschlafen und althergebrachte Dogmen von den Erfordernissen der Realität überholt wurden. Das gilt offenkundig sowohl für die Sicherheits- als auch für die Energiepolitik – und die Faxgeräte in den Gesundheitsämtern legen den Verdacht nahe, dass viele weitere Lebensbereiche der Gesellschaft noch nicht in der Gegenwart angekommen sind. Wenn jeder Krise auch eine Chance innewohnt, dann ist jetzt eine gute Gelegenheit, um auch gleich einige andere Glaubenssätze auf den Prüfstand zu stellen. Beispielsweise die oft herbeigeredete wechselseitige Solidarität der queeren Communitys. Es ist höchste Zeit, sich auch hier ehrlich zu machen und anzuerkennen, was sie seit Jahrzehnten unüberbrückbar trennt und wo es wirklich gemeinsame Interessen gibt.

Die ganze Kolumne in der April-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Sattelfeste Szene - Meine März-Kolumne im GAB-Magazin

Selbstverständlich lassen sich Plexiglasscheiben nicht in das Gestaltungskonzept schwuler Bars einfügen, ohne dass die Ästhetik den virologischen Notwendigkeiten auf halbem Wege entgegenkommen muss. Aber es geht. Steht das Führen von schriftlichen Anwesenheitslisten im Widerspruch zu der besonders in queeren Lokalen wichtigen Diskretion? Aber Hallo! Wie viel Freude macht es Szene-Gastronom*innen, die ihren Gäst*innen einfach nur eine schöne Zeit geben wollen, sie an der Eingangstür abzufangen, um zuerst Impfzertifikate und Personalausweise kontrollieren zu müssen? Gar keine.
Zwei harte Lockdowns haben viele queere Gastro-Betriebe an den finanziellen Abgrund getrieben und manche auch einen Schritt weiter. Das bisweilen monatelange Warten auf die versprochenen staatlichen Unterstützungszahlungen vertrieben sich die Wirt*innen mit dem Entsorgen ihrer abgelaufenen Getränke und Lebensmittel.

Die ganze Kolumne in der März-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Heimat Szene - Meine Oktober-Kolumne im GAB-Magazin

Kann die Szene Heimat sein? Eine Frage, die mich einmal mehr umtreibt, seit ich unlängst im Büro eines Kollegen eines Plakates der Deutschen Aidshilfe aus dem Jahr 2004 gewahr wurde, das ebendiese Frage stellt. Über Jahrzehnte rief der Begriff „Heimat“ hierzulande Assoziationen mit Schwarzwälder Bollenhut und Trachtenjankerl hervor, die als Stilmittel in sonntagnachmittäglich ausgestrahlten Heimatfilmen häufige Garderobe waren. In ihrer Zeit waren diese Formate erfolgreich, weil sie idyllische Gegenbilder zur Nachkriegsrealität zerstörter Familien und den Erfahrungen von Flucht und Vertreibung boten. Denn die inszenierten Filmwelten waren geprägt von Sehnsuchtsstoffen wie Liebe, Familie und Freundschaft. Themen, die in übertragener Weise auch die queere Szene ausmachen. Selbstverständlich ergänzt um ein ordentliches Maß Ausschweifung und Sex, die in den Kulissenlandschaften der 1950er-Jahre noch unausgesprochen bleiben mussten. Zum Leben gehören sie in Wahrheit aber im vorgeblich heilen Bergpanorama genauso wie in der schummrigen Szenekneipe. Mit allen individuellen Niederlagen, Verwerfungen und Verletzungen, die sie mit sich bringen können. Das Plakat, das mir ins Auge fiel, empfiehlt deshalb „Aufmerksamkeit statt Nicht(be)achtung“. Denn auch die Szene ist nie eine heile Welt.

Die ganze Kolumne in der Oktober-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Entspannt euch! - Meine Januar-Kolumne im GAB-Magazin

Nach Vollendung des 18. Lebensjahres ist man bei uns volljährig. Mit einem Mal darf man berauschend viel mehr tun und lassen als noch wenige Tage vor diesem Stichtag. Über Nacht hat man auch die Pflicht zur eigenen Fürsorge ererbt, die bislang bei den Eltern lag. Sich um einen Menschen zu kümmern, ist jedoch eine große Herausforderung und keineswegs allen in die Wiege gelegt. Auch nicht die Sorge für sich selbst. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Aufsicht über eine vernünftige Ernährung, pünktliches morgendliches Aufstehen, den Kontostand und das regelmäßige Anlegen frischer Unterwäsche. Wer hier versagt, bekommt es recht schnell von seiner Umgebung mitgeteilt.

Wichtiger ist die Verantwortung für eigene Ressourcen, die sich kaum messen lassen, sodass ihr erhöhter Verbrauch oft erst bemerkt wird, wenn schon die Reserven verbraucht sind. Nicht nur die monatlichen Geldmittel wollen sorgsam eingeteilt werden; auch die Zeit für uns selbst, das Maß an Aufmerksamkeit für unsere Umwelt, die Distanz und Nähe zu anderen Menschen und die Kraft unseres Engagements sind endlich und sollten deshalb regelmäßig auf ihren Füllstand geprüft werden. Denn wenn unser inneres Räderwerk trocken läuft, nimmt der Verschleiß erheblich zu, und bevor man merkt, dass es im Seelengetriebe knirscht, kommt schlagartig der Stillstand. Die Selbstreparatur dauert dann lange, ist wiederum ressourcenintensiv und manchmal nicht ohne fremde Hilfe zu schaffen. Nicht nur anderen, sondern auch sich selbst etwas Gutes zu gönnen, ist also nicht nur eine pflichtgemäße Wartungsarbeit, sondern eine lohnende Investition in uns selbst.

Die ganze Kolumne in der November-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Journal Frankfurt: "Weiter gegen Stigmatisierung ankämpfen"

"[...] Mit dabei sein werden unter anderem die beiden AHF-Vorstandsmitglieder Christian Setzepfandt und Jessica Purkhardt, Stadtrat Bastian Bergerhoff (Bündnis 90/Die Grünen), Virologe Martin Stürmer sowie die feministische Sexarbeiterin und Aktivistin Stephanie Klee.[...]"

Der ganze Artikel im Journal Frankfurt vom 30. November 2021

Was darf man eigentlich noch sagen? - Meine Dezember-Kolumne im GAB-Magazin

Wer darf eigentlich was noch sagen? Diese Frage geistert derzeit einmal mehr durch das winterliche Land und schon so manche*r gewerbsmäßige Meinungsbildner*in hat sich daran sehenden Auges die Finger verbrannt. Oft genug wird verwechselt, was man sagen kann, was man sagen darf und ob jeder etwas sagen soll – oder lieber nicht.
Der erste Teil ist einfach: Sagen kann man als Meinungsäußerung alles. Wer aber die Rechte anderer dadurch verletzt, darf das nicht. Ein Blick in die sogenannten sozialen Medien genügt, um zu erkennen, dass die meisten Menschen, die glauben, sie sollten zu einem Thema etwas beisteuern, ihre diesbezügliche Eignung überschätzen. Fakt ist: Die Mehrheit der Menschen kennt sich mit der Mehrheit der Themen sehr wenig aus.
Und noch ein Fakt: Die Mehrheit der Menschen kennt sich mit den Themen der Minderheiten unter den Menschen sehr wenig aus. Gute öffentliche Debatten, die die pluralistische Meinungs- und folgende Entscheidungsfindungen voranbringen, entstehen aber vor allem dann, wenn sie von Personen geführt werden, die außer einer Meinung noch substanzielle Sachverhalte, neue Informationen, spezielle Erfahrungen oder seltene Perspektiven beisteuern können. Solche Leute sollten viel öfter bei sich den Mut und bei den anderen das Gehör finden, um sich zu äußern. Alle anderen dürfen sich natürlich auch mitteilen – aber vielleicht nicht immer zuerst.

Die ganze Kolumne in der Dezember-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesenweiterlesen

MeinBezirk.at: "Babybekleidung nachhaltig, fair produzierte und fair gehandelt"

„Die eine, weil sie verstanden hat, dass sie nur mit biologischem Landbau ihre fruchtbaren Ackerböden an ihre Kinder weitergeben kann. Die andere, weil sie verstanden hat, dass es nicht egal ist, ob man Billig-Klamotten kauft, sondern dass auch sie mit ihrer Kaufentscheidung Verantwortung übernehmen kann und mittelbar Einfluss auf die Lebensrealität der Menschen in dem kleinen Bauerndorf in Myanmar nehmen kann“, kann man im Blogbericht von Mitarbeiterin Jessica Purkhardt zum Besuch in Myanmar lesen.

Der ganze Artikel in MeinBezirk.at vom 8. November 2021

Mehr Selbstbestimmung wagen - Meine November-Kolumne im GAB-Magazin

Zwei transgeschlechtliche Menschen gehören dem Bundestag nun an. Sie sind dort dem Vernehmen nach möglicherweise nicht die Ersten ihrer Art, aber die ersten geouteten. Das Bohei, das um ihren Einzug in das Hohe Haus gemacht wird, zeigt vor allem, wie unerfahren unsere Gesellschaft und ihre Institutionen im Umgang mit geschlechtlicher Vielfalt sind. Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen sich in Deutschland als Trans* identifizieren. Jedoch legen die Zahlen der jedes Jahr nach dem sogenannten Transsexuellengesetz vollzogenen Vornamens- und Personenstandsänderungen nahe, dass allein hier mit einigen Hunderttausend Personen zu rechnen ist, wobei nicht einmal alle diesen formaljuristischen, teuren und demütigenden Weg bestreiten wollen. Die Existenz dieser vielen Menschen war bisher im höchsten deutschen Parlament jedoch nicht sichtbar. Das Prinzip der repräsentativen Demokratie zeichnet sich eigentlich besonders durch die proportionale Vertretung aus, die gewährleisten soll, dass Minderheiten im politischen Prozess mehr Gehör und Berücksichtigung finden. Allerdings eben nur, wenn sie auch tatsächlich in den Parlamenten vertreten sind. In diesem Sinne ist dieser Bundestag ein großes Stück gerechter geworden, denn so trans* war er noch nie.

Die ganze Kolumne in der November-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Die September-Kolumne von Jessica Purkhardt im GAB-Magazin

Höher, schneller, inklusiver - Meine September-Kolumne im GAB-Magazin

Nun beginnt die heiße Phase, in der es um alles geht. In der Entscheidungen fallen werden, die nicht nur die nächsten vier Jahre Bestand, sondern die für nicht wenige Menschen in diesem Land grundsätzlich einen hohen Stellenwert haben. Die Einzelkämpfer*innen der Riege müssen jetzt vor großem Publikum auf sich allein gestellt ihre mentale Stärke beweisen, während andere als Team zusammenstehen, maximalen persönlichen Einsatz zeigen und trotzdem die eigenen Ansprüche hintanstellen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen.

Die ganze Kolumne in der September-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Lange lebe die Revolution - Meine Mai-Kolumne im GAB-Magazin

Revolution ist ein großes Wort für ein paar sehr kleine Zeichen. Denn meist ist die Revolution durch einen nachhaltigen, grundlegenden strukturellen Wandel in relativ kurzer Zeit gekennzeichnet. Ob die Einführung von Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt in die öffentliche Schreibweise dem gerecht werden wird oder bloße Symbolhandlung bleibt, wird sich zeigen. Die Lager in der öffentlichen Debatte um mehr Geschlechtervielfalt und -gerechtigkeit in der Sprache ähneln aber denen einer veritablen Revolte. Hier die gemäßigten Revolutionär*innen, die Veränderung fordern, weil es an der Zeit ist. Dort jene, die das bestehende Prinzip für gottgegeben und unumstößlich halten, vor allem aber davon profitieren. Darüber hinaus gibt es die Radikal-Revoluzzer*innen, die jeden als Feind*in betrachten, der oder die nicht die rigorosesten Ideen teilt. Ihnen gegenüber stehen die Konterrevolutionär*innen, die alle hassen, die etwas ändern wollen. Anders als bei ordentlichen historischen Umstürzen finden die Auseinandersetzungen leider nicht mittels mutig an Türen genagelter Streitschriften oder rhetorisch fulminanter Reden statt. Vielmehr beharken sich die Debattenteilnehmer*innen vor allem auf Twitter und Facebook, wobei offenkundig wird, dass viele von ihnen schon mit den bestehenden Buchstaben und Zeichen der deutschen Sprache heillos überfordert sind.

Die ganze Kolumne in der Mai-Ausgabe des GAB-Magazins weiterlesen

Anleitung zum Spazierengehen: Meine April Kolumne im GAB-Magazin

Im Jahr 1776 machte der Philosoph Jean-Jacques Rousseau einen Spaziergang durch die abgeernteten, menschenleeren Weinberge und Felder vor Paris. Beeindruckt durch das Bild der Verlassenheit um sich herum schrieb er: „Der Anblick bot eine Mischung aus schönen und traurigen Eindrücken, die meinem Alter und meinem Schicksal so sehr entsprach, dass ich ihn geradezu auf mich beziehen musste.“ Diese Zeilen kamen mir in den Sinn, als ich unlängst maskiert und zu allem und jedem den gebotenen Abstand wahrend mit einem Freund durch die Straßen und Gassen der queeren Szene in der Frankfurter Innenstadt flanierte. Die Stationen unseres sonst leutseligen Bar-Hoppings fanden wir erwartungsgemäß mit herabgelassenen und dem Straßenstaub von Monaten bedeckten Rollläden vor. Doch entlang unserer üblichen Pfade durch das schwule Bermuda-Dreieck begegneten uns immer wieder die Menschen, die unsere Szene so liebenswert machen. Schnell waren die wenigen Neuigkeiten ausgetauscht und man lachte und schäkerte gemeinsam. Auch Rousseau erging sich angesichts des von seiner Umgebung dargebotenen Bildes der Einsamkeit nicht in Missmut. Vielmehr erzeugte sie eine neue Bezogenheit zu sich selbst, Selbstgenuss und einen Verstärker seiner Emotionen, sodass er notierte: „Die Quelle des wahren Glücks, so lernte ich durch eigene Erfahrung, liegt in uns selber; und keine Macht der Welt vermag es, jemanden elend zu machen, der glücklich sein will und weiß, wie er es wird …“

Die ganze Kolumne weiterlesen im GAB-Magazin

Journal Frankfurt: "AHF fordert Maßnahmen von der Politik"

"[...] Die beiden Übergriffe mit transphobem Hintergrund erregten nicht nur in der Bevölkerung Aufsehen; jetzt äußerte sich auch die AHF zu den Vorfällen: „Wenige Monate, nachdem eine ganze Gruppe eine queere Person mitten auf der Zeil verprügelte, steht Frankfurt nun wieder mit einem trans*feindlichen Gewaltübergriff in den bundesweiten Nachrichten. Damit wächst die Sorge in der Community, dass Gewalt gegen sie wieder zunimmt und damit gleichsam das Sicherheits- und Freiheitsempfinden schwindet“, sagte Jessica Purkhardt vom AHF-Vorstand zu den Vorfällen. Die Beteuerungen von Politik und Behörden, dass die Straftaten im Innenstadtbereich rückläufig seien, hätten dieser Frau nicht geholfen. „Weniger Taschendiebstähle, sogar weniger Gewaltdelikte in der Statistik bedeuten nichts, wenn die Gewalt gegen eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, wie Lesben, Schwule oder Trans*, gleich bleibt oder sogar zunimmt“, so Purkhardt.[...]"

Der ganze Artikel im Journal Frankfurt vom 26. März 2021

FR: "Ein letztes Donnerwetter im Frankfurter Stadtparlament"

[...] Das Gewitter im Saal dauert wesentlich länger als der Wolkenbruch vor dem Casino. Aber immerhin: Der Dank an die ausscheidenden Stadtverordneten kommt rüber. Mehrere Dutzend sind es. Etwa Ursula auf der Heide, Jessica Purkhardt und Birgit Ross (Grüne). [...]"

Der ganze Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 4.3.2021

Renovierung der Bedürfnispyramide - Meine Januar-Kolumne im GAB-Magazin

Genau genommen fängt man ja nur wieder von vorne an, die Monate zu zählen, während die gemeinsame Karussellfahrt um die Sonne Runde um Runde dreht. 2020, das Jahr, dem nicht viele Gegenargumente einfallen, wenn man es komplett verkorkst nennt, liegt hinter uns. Kaum ein Mensch lebt noch, der sich erinnern kann, wann ein Jahr uns zuletzt vor so viele neue Situationen und Herausforderungen gestellt, so viel Umdenken erzwungen, so viele neue Erfahrungen hervorgebracht hat und vieles klarer erscheinen ließ. Beispielsweise, dass eine gemütliche Jogginghose bezüglich Dauertragbarkeit den allermeisten Kleidungsstücken den Rang abläuft. In den Lockdown-Monaten hat sich aber auch das Dickicht des Alltags gelichtet. Die Ranken von sozialem Umgang, Konsum, Genuss und unerschöpflichen Freizeitangeboten wurden grob beiseitegezerrt, der Blick aufs Wesentliche frei und Raum geöffnet für die Beschäftigung mit sich selbst. Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie kristallisierten sich nicht nur in Politik, Wirtschaft, Gesundheitssystem und Gesellschaft die jeweiligen Stärken und Schwächen heraus. Auch an uns selbst und den Menschen, die uns nahestehen, haben wir sie deutlicher wahrnehmen können. Das war nicht immer angenehm. Aber hilfreich, um die Krise tatsächlich in eine Chance für 2021 zu wenden und dafür zu nutzen, die eigenen Stärken zu stärken und an erkannten Schwächen zu arbeiten.

Die ganze Kolumne weiterlesen im GAB-Magazin

F.N.P.: "Wie gefährlich ist es auf der Zeil?"

" [...] Laut Polizei war die Kriminalität auf der Zeil zwischen März und November ein Viertel geringer als 2019. Das lässt Grünen-Fraktionschefin Jessica Purkhardt nicht gelten: "Nicht die Polizeistatistik entscheidet darüber, ob die Zeil eine No-Go-Area ist, sondern die Menschen." Viele mieden gerade abends Zeil und Konstablerwache aus Sorge um ihre Sicherheit."

Der ganze Artikel in der Frankfurter Neuen Presse vom 12. Dezember 2020

FR: "Frankfurter Ordnungsdezernent: 'Die Zeil ist sicher'“

Ein solche Angriff sei gänzlich inakzeptabel, sagte Frank. Er widersprach aber der Fraktionschefin der Grünen, Jessica Purkhardt, die nach dem Vorfall im Gespräch mit der FR gesagt hatte, für bestimmte Menschengruppen sei die Zeil eine „No-go-Area“.

Der ganze Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 10. Dezember 2020

Hoffnungsschimmer und Zerrbilder - Meine Dezember-Kolumne im GAB-Magazin

Der Überlieferung nach soll der wahnsinnige Kaiser Nero Rom angezündet und danach mit seiner Lyra vom Palast-Balkon auf seine brennende Stadt herab gesungen haben. In Teilen scheint dieses Bild auf üble Nachrede einiger Geschichtsschreiber zurückzugehen. Dagegen ist gesichert, dass der scheidende US-Präsident Trump nachts vor den laufenden ABC-Nachrichten saß und per Twitter Öl ins Feuer goss, während draußen die Vereinigten Staaten seelisch und oft genug auch tatsächlich brannten. Nachdem mit der US-Präsidentschaftswahl der Spuk nun vorüber ist, atmen wir nicht nur in Europa auf. Besonders die LGBTIQ*-Community in den USA hatte sich vor einer erneuten Amtszeit Donald Trumps gefürchtet. Schon in der ersten war damit begonnen worden Transgender zu gängeln und unsichtbar zu machen. In der zweiten wäre wohl versucht worden, das Recht auf gleichgeschlechtliche Ehe rückgängig zu machen. Nun ist der Ausgang der US-Wahl also ein Hoffnungsschimmer am Ende eines Jahres, das ganz im Zeichen einer weltweiten Pandemie stand, die unseren bislang schrankenlosen Horizont sehr klein werden ließ. Eine gute Nachricht nach Monaten des Lockdowns, in denen uns zuletzt mörderische Terroranschläge in Deutschland und seinen Nachbarländern bewusst machten, dass weder eine globalisierte Welt noch eine offene Gesellschaft selbstverständlich sind und immer auch einen Preis haben.

Die ganze Kolumne weiterlesen im GAB-Magazin

FR: "Frankfurt: Gedenken an Opfer von transphober Gewalt"

"[...] Dies sind nur die statistisch erfassten Fälle. Die Dunkelziffer wird deutlich höher geschätzt“, sagt Jessica Purkhardt, Vorsitzende der Aids-Hilfe. [...]

Der ganze Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 20. November 2020

F.A.Z.: "Gedenken an Opfer transphober Gewalt"

"[...] Jessi­ca Purk­hardt von der Aids­hil­fe sagte, es gebe auch in Frank­furt Orte, die Trans­per­so­nen, aber auch homo­se­xu­el­le und queere Menschen mieden, weil sie mit verba­len oder körper­li­chen Über­grif­fen rech­nen müss­ten. Zwar sei es rich­tig, sich bei Bedro­hun­gen oder Gewalt­ta­ten an die Poli­zei zu wenden, aber auch mit der Poli­zei hätten manche Trans­per­so­nen schon schlech­te Erfah­run­gen gemacht. [...]"

Der ganze Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 21. November 2020

FR: "Frankfurt: Der Schock sitzt tief"

"[...] Auch Jessica Purkhardt, Vorsitzende der Aids-Hilfe ist erschüttert. Gleichwohl ist sie nicht überrascht, dass der Übergriff auf der Zeil stattfand. „Menschen, die als lesbisch, schwul oder trans* gelesen werden können, haben dort weniger Freiheiten und müssen mehr auf sich achten als andere“, sagt sie.
Für Purkhardt ist die Zeil eine No-go-Area. Also ein Ort, der für bestimmte Menschengruppen zu gefährlich ist. Sie übt Kritik und fordert von allen Frankfurter:innen Solidarität: „Eine Stadtgesellschaft darf es nicht hinnehmen und muss sich dagegen wehren, dass ein Teil von ihr Orte im Herzen der Stadt nach Einbruch der Dämmerung sicherheitshalber meiden muss.“ [...]
Auch die Frankfurter Polizei teilt die Ansicht von Purkhardt nicht, dass die Zeil ein gefährlicher Ort für queere Menschen sei. Im Jahr 2019 kam es nach Polizeiangaben zu zehn Fällen mit homo- und transphobem Hintergrund. Diese verteilten sich auf das gesamte Stadtgebiet. „Uns liegen auch keine Erkenntnisse vor, dass es in dieser Hinsicht eine Zunahme von Übergriffen oder dergleichen im Bereich der Zeil gab“, sagt Marc Draschl, Pressesprecher der Polizei.
Purkhardt widerspricht dem vehement: „Die Dunkelziffer ist hoch. Die Statistiken sind keine verlässliche Quelle, denn sie geben nur einen Bruchteil an Gewalt gegen queere Menschen wieder.“
[...]

Der ganze Artikel in der Frankfurter Rundschau vom 20. November 2020