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Heute Abend wurden meine Kolleg*innen und ich erneut in den Vorstand der AIDS-Hilfe Frankfurt gewählt. Aus der Mitgliederversammlung kamen die Aufträge künftig in unseren Veröffentlichungen und Äußerungen die geschlechtliche Vielfalt sichtbar zu machen und uns um die Dokumentation der Vereinsgeschichte zu bemühen.

AHF Vorstand 2018

jessica purkhardt illuSicher, das ganz große Rad wird immer in Berlin gedreht.
Wenn es denn mal gedreht wird. In Bezug auf Queerpolitik sprechen wir hier nämlich von lediglich einer Umdrehung pro Jahrzehnt.
Transsexuellengesetz 1980, Abschaffung des Paragraphen 175 im Jahr 1994, eingetragene Lebenspartnerschaft 2001, Ehe für Alle 2017.
Die Modernisierung der Regelungen zur geschlechtlichen Vielfalt überlässt man traditionell seit fast 40 Jahren gleich ganz dem Bundesverfassungsgericht.

Dieses hatte im vergangenen Jahr den Gesetzgeber beauftragt, bis Ende dieses Jahres die Möglichkeit eines dritten positiven Geschlechtseintrags zu schaffen.
Zuständig ist das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Und genau so liest sich der vorgelegte Gesetzesentwurf leider auch.

Viele kleine Räder für die Belange von LGBT*IQ drehen sich aber landauf, landab abseits der Hauptstadt-Bühne. Deshalb war im Vorfeld die Sorge groß, dass nach der Landtagswahl in Hessen Regierungskonstellationen die Geschäfte übernehmen könnten, die kein ausgewiesenes Interesse am queerpolitischen Drehmoment mehr haben. Auch dass mühsam aufgebaute und professionalisierte Unterstützungs- und Beratungsstrukturen kurzerhand wieder eingerissen werden könnten, wurde befürchtet.
Nun sieht es danach nicht aus, so dass wir vielmehr das bestehende Gerüst nutzen können, um Angebote dort zu gestalten, wo es noch nichts gibt, um die Szene und Community in Schwung zu halten.

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jessica purkhardt illuJeder Eins-Komma-Achte bis Eins-Komma-Neunte sieht geil aus.
So exakt muss ich schon sein, wenn ich von der schwulen Szene in der Frankfurter Partnerstadt Tel Aviv erzählen will. Dieser Mittelwert ist das Ergebnis nicht nur meiner eigenen Beobachtungen der letzten Nächte, sondern berücksichtigt auch die Bewertungen anderer szenekundiger Tel Aviv-Reisender.
Die pulsierende Mittelmeer-Metropole ist längst eine der Top-Destinationen auf der internationalen Gay-Travel-Landkarte. Bars, Clubs und Restaurants reihen sich in kleinen Gassen, Hinterhöfen und Boulevards aneinander und nicht immer ist klar, wo der eine Laden anfängt und der andere aufhört. Für Ortsunkundige ist es deshalb nicht immer ohne weiteres auf den ersten Blick zu erkennen, welches Etablissement sich explizit dem LGBT*IQ-Publikum verschrieben hat.
Regenbogenfähnchen an der Eingangstür und die Navigation mit Smartphone-Apps helfen zwar ein bisschen, aber es fühlt sich anfangs doch mehr an wie eine queere Schnitzeljagd als leichtfüßiges Bar-Hopping.
Und damit hat das Gay-Nachtleben von Tel Aviv ein Merkmal mit der schwul-lesbischen Szene in Frankfurt gemein: Für Ortsfremde ist es zunächst unübersichtlich.
Deswegen hat man unlängst in der Szene einige Ideen gesammelt, um unseren Gästen von außerhalb noch unübersehbarer zu zeigen, wo LGBT*IQ in Frankfurt besonders willkommen sind.

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jessica purkhardt illuIch gebe zu überrascht gewesen zu sein, als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal Polizisten mit eigenem Stand auf einem CSD bemerkte.
Denn Infostände von Indianern, Matrosen, Bauarbeitern und Cowboys waren nirgends zu sehen.
Es konnte sich deshalb also keinesfalls um eine Wiederaufnahme der Village People handeln – sondern um echte Polizei!
Schon längst gehört nun der Pavillon des Verbandes lesbischer und schwuler Polizeibediensteter (VelsPol) auf vielen Großstadt-CSDs zum gewohnten Bild.
Und in elf Bundesländern gibt es bei der Polizei bereits Ansprechpartner*innen für gleichgeschlechtliche Lebensweisen (AgL). Sie können die Strafanzeigen von Opfern LGBT*IQ-feindlicher Straftaten aufnehmen, Erstberatung geben und vermitteln nötigenfalls weiterführende Hilfe.

Die Einrichtung solcher Institutionen bei den Strafverfolgungsbehörden und die Stärkung LGBT*IQ-sensibler Polizeibediensteter sind insofern bedeutend, als dass Polizei und Justiz über den größten Teil des Bestehens der Bundesrepublik männliche Homosexualität verfolgten und queeres Leben damit insgesamt unterdrückten.

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Mit wirklich sehr, sehr guten Menschen auf dem Frankfurter Opernplatz beim LAUF FÜR MEHR ZEIT der AIDS-Hilfe Frankfurt

jessica purkhardt illuGesellschaft sei für gewöhnlich zu billig zu haben, schrieb Henry David Thoreau schon 1854.
Man treffe sich nach zu kurzen Zwischenräumen, als dass wir Zeit genug hätten, neuen Wert füreinander zu erlangen „und lassen den anderen immer wieder von dem schimmeligen alten Käse kosten, der wir sind.“
Aus diesem unappetitlichen Vergleich leitet der amerikanische Schriftsteller und Philosoph ab, dass um diese häufigen Zusammenkünfte erträglich zu machen, gewisse Regeln zu beherzigen seien – nämlich Höflichkeit und Etikette.
Man wohne ohnehin schon zusammengepfercht, sei einander im Weg, stolpere übereinander und verliere „einigermaßen den Respekt voreinander.“

Nun ist der Mikrokosmos unserer queeren Szene ein gutes Beispiel dafür. Man kennt sich und begegnet sich beim Durchstreifen der engräumig angeordneten Szenelokale, ob man will oder nicht.
Es ist sicherlich dieses vielmalige Aufeinandertreffen, das bei einigen Zeitgenoss*innen dazu führt, in dem an sich wertvollen Gut von Zusammensein und Geselligkeit irrigerweise eine überflüssige Begegnung zu sehen. Das wird oft sogleich, künstlich oder ernst gemeint, aber dann immer lautstark und theatralisch, beklagt um vielleicht einen Lacher der Umzustehenden zu erheischen.

Noch besser als wortgewandte Sticheleien auf Kosten des Gegenübers kommen aber immer der Ausdruck von Höflichkeit, Wertschätzung und Respekt bei allen anderen an.
Probiert’s mal.

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Auf dem Rückweg aus Erfurt, wo ich auf der Eröffnungsveranstaltung der Aktionswochen zum CSD Erfurt gesprochen habe und wo ich in einem Musik-Antiquariat eine sogenannte "Audiokassette" mit unbestreitbarem Titel fand.