„Razzia in der Frankfurter schwulen Szene ist alarmierend“

-ERGÄNZUNG 18 UHR UNTEN-

Am Dienstag, den 8. März fuhren gegen 22 Uhr etwa ein Dutzend Mannschaftswagen der Polizei mit Blaulicht in der Alten Gasse in der Frankfurter Innenstadt auf. Die dort gelegenen Bars werden bekanntermaßen von Homosexuellen und Transgendern besucht und bilden mit den Bars in der Elefantengasse den Kern der sogenannten Frankfurter schwul-lesbischen Szene.

Die Beamtinnen und Beamten in Einsatzoveralls führten daraufhin in allen Lokalen umfangreiche Kontrollmaßnahmen durch. Die Personalien der Angestellten aber auch aller anwesenden Gäste wurden kontrolliert. Gäste, die die Lokale betreten wollten, wurden von der Polizei abgewiesen.

In der Folge wurden insgesamt mehrere Bars in der Alten Gasse und Elefantengasse aus unterschiedlichen Gründen geschlossen.
Besucher, die sich nicht ausweisen konnten, wurden Augenzeugenberichten zufolge festgenommen.
Zusätzlich wurden die Gaststätten auch von Mitarbeitern des Ordnungsamtes der Stadt Frankfurt überprüft.

 

Zu dieser Aktion der Polizei und des städtischen Ordnungsamtes erklärt die Stadtverordnete Jessica Purkhardt: „Dass offensichtlich bewusst Bars und Gaststätten mit homosexuellem Publikum zum Ziel einer groß angelegten Polizeirazzia wurden ist alarmierend. Eine solche Aktion nur wenige Tage nach dem mutmaßlichen Drogenfund bei dem schwulen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, der sich seit Jahrzehnten streitbar für die Gleichberechtigung und Akzeptanz von Lesben, Schwulen und Transgendern engagiert, lässt die gebotene Umsicht und Sensibilität vermissen. Sie leistet der Sorge der Community Vorschub, dass sie künftig häufiger ohne Anlass zum Objekt polizeilicher Maßnahmen werden könnte.“

Darüber hinaus weckten Polizeirazzien und Personenkontrollen in der schwulen Szene bei älteren Homosexuellen schlimme Erinnerungen an die Zeit des §175, der männliche Homosexualität unter Strafe stellte.

„Ich erwarte von unserer Polizei und unserem Ordnungsamt, dass sie darauf achtet, dass nicht der Eindruck entsteht, dass Minderheiten anderer sexueller Orientierung und Identität neuerdings im Fokus polizeilicher Beobachtung oder unter besonderem Verdacht stehen. Durch die Razzia am Dienstagabend war das aber der Fall“, so Jessica Purkhardt abschließend.

ERGÄNZUNG 18 UHR: Nach einer erst heute veröffentlichten Pressemitteilung standen die Kontrollen in der Alten Gasse und der Elefantengasse im Zusammenhang mit der Überprüfung von insgesamt 20 Gaststätten im Innenstadtbereich. Es ist aber die Frage, ob in den schwul-lesbischen Lokalen die Überprüfung aller Gäste im Vegleich mit Bars im Kriminalitätsschwerpunkt Allerheiligenviertel wirklich nötig gewesen wäre, zumal die Preisgabe der eigenen Personalien in einer schwulen Bar für die Kontrollierten eventuell brisanter ist als in einem beliebigen Schnellimbiss und verheerende Konsequenzen für die Betroffenen haben kann. Hier wäre mehr Umsicht angezeigt gewesen um die missverständliche Auffassung der Betroffenen zu vermeiden, es handele sich um eine gezielte Aktion in schwulen Bars. Auch eine zeitnahe Information der Öffentlichkeit über die Hintergründe und Zusammenhänge hätte dieser Fehlinterpretation vorbeugen können.