Ein Farbtupfer für das Bermudadreieck

Der Kreisel im BermudadreieckEin zentraler öffentlicher Ort im Frankfurter Szene-Viertel bekommt für den Christopher-Street-Day buchstäblich einen neuen Anstrich. Der kleine Kreisel, der die Große Friedberger Straße, die Alte Gasse und die Schäfergasse - also die Straßen, in denen viele schwul-lesbische Lokale und Einrichtungen liegen - soll für das gesamte kommende Wochenenede in Regenbogenfarben leuchten.
Die Entscheidung dazu hatte Verkehrsdezernent Stefan Majer schon vor einigen Wochen bekannt gegeben. Der Regenbogenkreisel ergänzt damit die bereits im letzten Jahr für die Dauer des CSD installierten gleichgeschlechtlichen "Ampelpärchen" an der Fußgängerampel zur Konstablerwache, die nach dem Vorbild von Wien, München und Hamburg entstanden sind.

AmpelpärchenAm Freitag, 15. Juli wird die Autorin dieses Artikels um 15 Uhr damit beginnen, den Kreisel in unseren Regenbogenfarben zu streichen. Die Farben dafür stellt das Verkehrsdezernat bereit. Weil der Kreisel allerdings gar nicht mal so klein ist und weil viele Dinge erst gemeinsam richtig Spaß machen, sind alle herzlich eingeladen, sich an der Aktion zu beteiligen, um gemeinsam ein Zeichen ein sichtbares Zeichen für Akzeptanz, Vielfalt und Verbundenheit im öffentlichen Raum zu setzen.

Auch auf dem Römerberg wird zum CSD die Regenbogenfahne wehen. Neben dem Empfang der Stadt Frankfurt für die Organisator*innen des Frankfurter Christopher-Street-Days ist dies ein weiteres Zeichen, dass die Stadt als Zeichen ihrer Akzeptanz an die LGBT*-Community senden möchte.

Die Regenbogenfahne gilt seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts als das Symbol der Lesben-und Schwulenbewegung. In den Jahrzehnten hat die Regenbogenflagge immer wieder geringfüge Änderungen erfahren. Heute ist sie meist mit sechs Farben üblich. Die Bedeutungen der einzelnen Farben sind:

  • Rot = „Leben“
  • Orange = „Gesundheit“
  • Gelb = „Sonnenlicht“
  • Grün = „Natur“
  • Königsblau = „Harmonie“
  • Violett = „Geist“

Regenbogenfahnen auf dem RömerbergGleichzeitig steht das Violett übrigens auch für die Feministinnenberwegung.

Nach dem CSD müssen die Regenbogenfarben auf dem Kreisel leider wieder entfernt werden, weil eine solche Markierung für eine Verkehrsfläche in der Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen ist. Auch die Ampelpärchen an der Konstablerwache werden nach dem Wochenende wieder durch die üblichen Einzelpersonen ersetzt, denn die Stadt Wien hat das Patent auf die gleichgeschlechtlichen Ampelpaare und will vermeiden, dass diese Idee missbräulich gebraucht wird.

Schön wäre es natürlich, wenn wie beispielsweise in San Francisco ein Zebrastreifen im Bermudadreieck in Regenbogenfarben strahlen könnte. Aber auch das gibt die Straßenverkehrsordnung hierzulande offenbar nicht her. Und bezüglich der Ampelpärchen ist auch immer die Frage, ob die Wirkung einer solchen Aktion nicht vielleicht verloren geht, wenn sie das ganze Jahr über vermeintlich selbstverständlich zu sehen sind. Denn das vermittelt eine Selbstverständlichkeit und Gleichberechtigung, die es leider immer noch nicht gibt. Ganzjährige Ampelpärchen können nicht die immer doch in vielen Lebensbereichen nach wie vor fehlende Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen und Trans* ersetzen. 

Ein Dauergebrauch dieser Symbole birgt nämlich auch immer die Gefahr, dass in der Gesamtbevölkerung der Eindruck entsteht, dass für die LGBT*-Gemeinde schon alles erreicht und in Ordnung wäre.
Aber das ist es nicht.
Und genau darum geht es auch in diesem Jahr wieder beim CSD.