Widerspruch von Wahrnehmung und Realität - Meine Mai-Kolumne im GAB-Magazin

Zwischen den ZeilenGerade einmal sechs homo- und transphobe Straftaten hat die Frankfurter Polizei im Jahr 2015 in ihrer Statistik verzeichnet. Die Zahlen für 2016 sind mir noch nicht bekannt, wesentlich anders liegen werden sie nicht.

Vor dem Hintergrund dieser verschwindend kleinen Zahl nun aber anzunehmen, LGBT*-feindliche Übergriffe fänden im Grunde gar nicht mehr statt und Homophobie wäre ein Phänomen der Vergangenheit, dessen Bekämpfung fortan nicht mehr notwendig wäre, ist gewaltiger Irrtum.

Statistisch gibt es nämlich scheinbar auch einen Zusammenhang zwischen der Zahl honigproduzierender Bienenstöcke in den USA und der Scheidungsrate in South Carolina und zwischen den jährlich bezahlten amerikanischen Theatereintrittsgeldern und der Niederschlagsmenge in Pennsylvania. Trotzdem steht in Wahrheit keiner dieser Umstände in Zusammenhang mit dem anderen.

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Erkenntnis höherer Wahrheit durch ein Paradoxon - Meine April-Kolumne im GAB-Magazin

jessica purkhardt illuIn Stuttgart die GOK Menarea, in Mannheim die XS Café Bar und in Frankfurt das HALO. Im gab-Land schließen in diesen Wochen gleich mehrere Szene-Läden, die vor Ort jeweils feste Institutionen mit meist jahrzehntelanger Tradition waren.

Aber kein Anlass nun reflexartig ins Wehklagen zu verfallen und den Niedergang der Szene zu beweinen. Denn die Gründe für die Geschäftsaufgaben sind sehr unterschiedlich. Am mangelnden Publikumszuspruch liegt es aber wohl nicht.

Müsste es uns außerdem nicht seltsam vorkommen, wenn für die queere Gastronomie und Ausgeh-Kultur völlig andere Mechanismen gelten würden als für den Rest der Branche? Denn es ist doch gerade die Veränderung, die die Innovationskraft einer Subkultur erhält.

Und tatsächlich vergeht kein Monat, in dem nicht von neuen Partys, Kulturveranstaltungen und Eventabenden für bestimmte Zielgruppen zu lesen und zu hören ist.

Closed

Und ganz grundsätzlich: Ist die Zahl von Bars und Clubs wirklich die einzige Messgröße, an der man die Lebendigkeit von Szene und Communities festmachen kann? Wohl eher nicht.

Vielmehr ist der Grad der LGBT*-Selbstorganisation so erstaunlich, dass ich oft bewundernd den Kopf schütteln muss, wenn ich sehe, was alles von neuen Gruppen aus dem Nichts aber mit viel Engagement und Kreativität auf die Beine gestellt wird. Darunter vieles, was es bislang so nicht gab und was vielleicht auch gar nicht möglich war. Vor diesem Hintergrund kann von Niedergang keine Rede sein. Sondern von Aufbruch.

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Geschminkte Unwahrheiten - Meine März-Kolumne im GAB-Magazin

Zwische den ZeilenNatürlich steht noch nichts fest. Aber auch dieses Jahr wird es sich keineswegs um einen „Muckser“ handeln. Zwar stammt von dem ebendies bedeutenden vulgärlateinischen Wort muttum unser heute gebräuchliches Wörtchen Motto ab, aber die Bedeutung ist doch wohl eine andere.
In der Gegenwart verstehen wir vielmehr einen Wahl- oder Leitspruch darunter. Einen Slogan, vielleicht sogar einen Schlachtruf. Also eine schlagwortartige, programmatische Aussage, die eine Veranstaltung charakterisieren und prägen soll.

Derart über Wurzel und Bedeutung des Wortes belehrt, können wir die Aufgabe des Monats angehen: Ein Motto für den diesjährigen Frankfurter CSD zu ersinnen. Förderlich für diesen kreativen Prozess ist es zu wissen, dass die Pride-Veranstaltung der Mainmetropole in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum begeht.

Bevor wir nun aber im Drogeriemarkt die Grußkartenständer auf der Suche nach einem spaßigen Geburtstagsspruch schwindlig drehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass die 25-Jahr-Feier auch in einem Jahr stattfindet, in dem das Brexit-Trauerspiel unweigerlich seinen Lauf nimmt und auf der anderen Seite des Atlantiks ein neo-absolutistischer Herrscher allen Befürchtungen gerecht wird.
Und auch bei uns steht ja mit dem Urnengang zur Bundestagswahl eine bedeutsame Entscheidung an.
Wer dieses Spannungsfeld nun glaubt in einem griffigen Motto gebannt zu haben, möge es bis zum 12. März auf der Website des Frankfurter CSD-Vereins einreichen.

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Hexerei - Meine Februar-Kolumne im GAB Magazin

Zwischen den Zeilen - Die Februar Kolumne von Jessica PurkhardtAuch wer nach dem Jahreswechsel mit noch ungebrochener Entschlusskraft die meist gleichen aber jährlich neu gefassten guten Vorsätze verfolgt und die Glatteis-Tage der ersten Wochen mit ebenfalls ungebrochenem Steiß durchstanden hat, muss sich der beinahe unausweichlichen Tatsache bewusst sein, auch im Jahr 2017 zwischen zwei- und fünfmal erkältet zu sein. Zu 80 Prozent auch mit Schnupfen.
Um das vorherzusagen muss man keine Glaskugel bemühen sondern lediglich die mitleidslose Statistik.

Hier ist es wichtig zu wissen, dass das Übertragen sowohl von Urlaubstagen als auch Pflichterkältungen ins neue Jahr eigentlich nicht vorgesehen ist, Ausnahmeregelungen aber möglich sind.
Wer also wie die Verfasserin dieser Zeilen schon vor dem Jahreswechsel vorgearbeitet und die erste Malaise in vorauseilender Duldsamkeit schon in der Adventszeit abgeleistet hat, konnte zwar den Vorzug genießen, neben bewährten Hausmitteln wie Hühnerbrühe und einschlägigen Erkältungsmittelchen auch auf hochdosierten weihnachtlichen Blätterkrokant zur Selbsttherapie zurückgreifen zu können, bekommt es aber vielleicht gar nicht angerechnet.

Vor der unumstößlichen Aussicht, dass auch im neuen Jahr wieder an jeder Türklinke und bei jedem Begrüßungsküsschen eine oder gleich mehrere der rund 200 bekannten Erkältungsviren lauern könnten, ist es deshalb ein gutes Gefühl, einiges doch auch noch selbst in der Hand zu haben.

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Frohes Neues - Meine Januar-Kolumne im GAB Magazin

Ziwschen den ZeilenWendet man sich neuerdings an der Frankfurter Konstablerwache stehend dem schwulen Bermudadreieck zu, wird man mit freudiger Erleichterung feststellen können, dass die beharrliche Baustelle in der Großen Friedberger Straße verschwunden ist und sich zu einer Wegebeziehung gewandelt hat, die ich in der ersten Euphorie schon beinahe als Boulevard bezeichnen wollte.

Nicht nur, dass die mehrjährigen Tiefbauarbeiten die Einrichtung der Infostraße des Christopher-Street-Days an dieser Stelle in den letzten Jahren verunmöglicht und eines der Haupteinfallstore in die Szene zu einem Nadelöhr gemacht haben.

Die gelegentlich im Wochentakt wechselnden Absperrungen und Wegeführungen erschwerten es Geschöpfen wie mir, die ihre Orientierung im Wesentlichen aus dem Magnetfeld der Erde und dem Stand der Gestirne beziehen, beim ersten Versuch den Eingang zur Szene-Bar Lucky's zu erreichen. Einmal misslang dies sogar völlig.

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Große Lebenszufriedenheit von transsexuellen und transidenten Menschen trotz Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen

Pressemitteilung von Broken Rainbow e.V.

Eine vom Verein Broken Rainbow beauftragte Studie zur Lebenssituation von transsexuellen/transidenten Menschen zeigt, dass ungeachtet tagtäglicher Erfahrungen von Diskriminierungen und Gewalt transsexuelle Menschen eine sehr große Lebenszufriedenheit haben; das trifft besonders für diejenigen zu, die in ihrem eigentlichen Geschlecht „angekommen“ sind. Die Lebenszufriedenheit ist sogar höher als bei denjenigen Menschen, die das gleiche Alter und Bildungsniveau aufweisen, aber eben nicht transgeschlechtlich sind.

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Love Trumps Hate - Meine Dezember-Kolumne im GAB Magazin

Zwischen den Zeilen

Wer sich in diesen Tagen in krähenschreiharter Nebelfrühe durch den Nieselregen seinem Werktag entgegen zwingt, mag gewärmt sein von dem Gedanken, den Abend im Kreise einer leutseligen Stehtischgenossenschaft auf einem Weihnachtsmarkt bei einem Glühwein beschließen zu können.

Weil der Alkohol- und Zuckergehalt dieses Heißgetränkes aber in keinem Verhältnis zu den kompromisslos frühen Schließzeiten der Würzwein-Buden steht, nomadisieren die oft willkürlich zusammengerauften Rudel von unterjährig nur entfernt bekannten Kolleg*innen nicht selten weiter in willkürlich ausgedeutete Kneipen der Innenstädte.

Dies oft mit der Folge, dass in den schwul-lesbischen Szene-Bars urplötzlich am frühen Abend die Tür aufgeworfen wird und das im beschaulich-verwandten Kreise zusammensitzende Stammpublikum von heterosexuellen Ladies umspült wird, die eine Bezechtheit an den Tag legen, die man sonst nur manchen, von langer Seefahrt zurückgekehrten Matrosen zugeschrieben hätte.

Und während die trunkenen Neuankömmlinge den Geräuschpegel potenzieren, alsbald in einen nicht mehr ganz trittsicheren Disco-Fox übergehen und die bereits ansässigen Gäste als „sooo tolerant“ preisen, schauen diese mit leidlich befestigten Nerven und stark in Anspruch genommener Wohlerzogenheit in ihr Getränk und warten auf Weihnachten.

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Meet Jessica @ „Schwule und Spiritualität“

Schwule und SpiritualitätSpiritualität als intuitive Haltung hat sich schon sehr früh in der Menschheitsgeschichte entwickelt. Menschen in allen Kulturen und aus allen Gesellschaftsschichten empfinden und leben sie. Natürlich auch schwule Männer. Sind sie genauso spirituell und vielleicht sogar anders?

Darüber möchte ich sprechen mit Dr. theol. Gregor Schorberger und Rolf Jost.

Am
23. November um 20 Uhr
im Switchboard, Alte Gasse 36
in der Frankfurter Innenstadt

Dr. theol. Gregor Schorberger war lange als Krankenhausseelsorger tätig und hat ein Buch über seine langjährige Arbeit in einer christlichen Gottesdienstgemeinde „Schwule und katholisch“ geschrieben. Im ersten Teil wird er über den Wert der Spiritualität für unser Leben referieren und uns diesen Lebensstil näher bringen.
Für den zweiten Teil konnten wir Rolf Jost gewinnen. Er wird von seinen Reisen, Ritualen, von der Spiritualität verschiedener Kulturen erzählen. Seine persönlichen Erfahrungen stehen hier im Vordergrund. Danach ist Raum für Fragen und Diskussion. Die Veranstaltung findet im geschützten Rahmen im Gartensaal statt.

Bild: Switchboard/Aidshilfe Frankfurt

 

Für Akzeptanz und Vielfalt! Grüne Frankfurt rufen zur Demonstration am Sonntag in Wiesbaden auf

Grüne Frankfurt rufen zur Demonstration am Sonntag in Wiesbaden auf Der Kreisverband von Bündnis 90 / Die GRÜNEN hat sich dem „Bündnis für Akzeptanz und Vielfalt – gegen Diskriminierung und Ausgrenzung“ angeschlossen und ruft auf zur Demonstration und Kundgebung am Sonntag, den 30.10.2016 ab 12:00 Uhr auf dem „Dernschen Gelände / Marktplatz“ Wiesbaden.

„Für uns Frankfurter Grüne ist die Teilnahme an dem Bündnis angesichts unserer täglichen Arbeit gegen Diskriminierung und für die Akzeptanz von Vielfalt selbstverständlich. Das Land Hessen hat im September einen Lehrplan beschlossen, der die Verschiedenheit und Vielfalt von sexuellen Orientierungen und Identitäten anerkennt und diesen Unterschieden mit Wertschätzung zu begegnen versucht. Diese emanzipatorische und freiheitliche Aufklärung befürworten wir, denn sie befähigt junge Menschen bei ihrer sexuellen Selbstfindung soziale Brüche und verletzendes Verhalten zu vermeiden, Selbstbewusstsein zu entwickeln und unerwünschten Übergriffen ein deutliches ‚Nein‘ entgegenzusetzen“, so Jessica Purkhardt, Mitglied im Kreisvorstand, Stadtverordnete und Direktkandidatin zur Bundestagswahl im Frankfurter Westen.

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Rambo IV - Meine November Kolumne im GAB Magazin

Rambo IV

Zwischen den ZeilenAls sich Sylvester Stallone und mir einmal die Gelegenheit bot, gemeinsam in einem Film mitzuspielen, da war es nur an ihm gescheitert.
Denn der australische Zoll hatte bei seiner Einreise nach Australien ein beachtliche und illegale Menge muskelaufbauender Substanzen in seinem Gepäck gefunden, die er nach seinen Angaben für einen mehrmonatigen Dreh in Thailand brauchen würde.
Als der Actionfilm unter dem Arbeitstitel „Rambo IV“ dann mit entsprechender Verzögerung dort ins Werk gesetzt werden sollte, stand ich aber schon nicht mehr zur Verfügung.

In den Jahren, die ich in dem südostasiatischen Land gelebt und gearbeitet hatte, war ich nämlich regelmäßig als Darstellerin in  Werbefilmen für Shampoo, Bodylotion und Laptops aber auch in Bollywood-Schnulzen in Rand-Erscheinung getreten, die aber alle nicht der Erwähnung wert sind.
Entsprechend glühend bereit war ich also damals, in Stallones Produktion all mein schauspielerisches Vermögen in die Waagschale zu werfen, um als Komparsin in der unscharfen Tiefe des Drehortes auf und ab zu wandeln, während Rambo vorne einsilbige Dialoge murmelte.

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