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Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Meine Erfahrungen im Leistungssport haben gezeigt, dass gerade homosexuelle Sportlerinnen und Sportler aus Osteuropa noch immer massiv unter Intoleranz und Diskriminierung leiden und sich aus Angst um ihr Leben verstecken müssen. Ich glaube, dieses Projekt ist für Athletinnen und Athleten und die, die uns besuchen, ein Lichtblick und eine Inspiration, weiter für eine bessere Akzeptanz in ihren Heimatländern zu kämpfen. Das sage nicht ich, ich bin keine Leistungssportlerin, sondern das sagt die Olympiamedaillengewinnerin Imke Duplitzer. Welches Projekt meint sie damit? Die Fecht‑Sportlerin meint Outreach‑Osteuropa, ein Förderprogramm für schwul-lesbische Sportlerinnen und Sportler aus Osteuropa, ein Beitrag zur gesamteuropäischen Integrationsarbeit. Durchgeführt wird das im Rahmen des XMAS Turniers des Frankfurter Volleyball Vereins. Ein Multisportprogramm, ein ideales Forum für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Osteuropa für Austausch, Begegnung und persönliche Emanzipation, ein Stück Lebensqualität als Teil der Gay Community.

jessica purkhardt illuMir schwant Buntes, wenn ich daran denke, dass sich in diesem Jahr jene Begebenheiten von 1969 zum fünfzigsten Mal jähren, bei denen sich eine Ansammlung von Menschen, endlich der fortwährenden Demütigung, Ausbeutung, Gewalt und Ausgrenzung widersetzte - bei einer Razzia in der Spelunke „Stonewall Inn“ in der New Yorker Christopher Street.

Denn seitdem erinnern wir uns mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten in den Sommermonaten daran, entweder in Anspielung auf den Geburtsort der Bewegung als „Christopher-Street-Day“ oder auf den damals auf immer mehr Lippen laut gewordenen Schlachtruf „Gay Pride“ und erneuern alljährlich unsere Forderungen nach Akzeptanz und Gleichstellung und nach dem Ende von Diskriminierung und Ausgrenzung.

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jessica purkhardt illu„Ab dem zweiten Mal ist es Tradition“, lautet ein augenzwinkerndes Sprichwort. In ihm steckt insofern ein Funken Wahrheit, als dass „Tradition“ nichts über ihre tatsächliche kulturelle Verwurzelung aussagt. Das Fastnachtsbrauchtum, dem wir im kommenden Monat wieder Ehre antun, reicht in einigen lokalen Varianten beispielsweise bis in vorchristliche Zeit zurück. Das Silvesterfeuerwerk, dessen explosive Restbestände uns auch noch in diesem Monat unvermittelt zusammenfahren lassen und Mensch und Tier jedes Jahr in den Wahnsinn treibt, ist dagegen ein fernöstlicher Import aus jüngerer Zeit, der hierzulande außerdem reichlich missverstanden wird. Während man nämlich ursprünglich böse Geister vertreiben wollte, ruft man sie hierzulande durch die unheilige Kombination von Alkohol und Sprengstoff erst auf den Plan.
Vom bunten Leuchten im Nachthimmel und Glockengeläut ist im Pulverdampf und Getöse der Innenstädte längst kaum mehr etwas zu sehen und zu hören. Und auch im Frankfurter queeren Szeneviertel muss man um Mitternacht schon hartgesotten sein, um mit seinem Gläschen Sekt zum Anstoßen vor die Tür zu gehen.
Seit einiger Zeit gibt es nun auch bei uns das indische Holi-Fest der Farben. Dabei werfen viele Tausend Menschen gleichzeitig eine Handvoll Farbpulver in die Luft.
Das ist natürlich auch keine ganz saubere Angelegenheit.
Aber schön anzusehen und abwaschbar.

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jessica purkhardt illuDanke ARTE.
Dafür, dass du nach dem Abendprogramm mit drei Stunden Tanztheater und gelben Untertiteln dann immerhin im Spätprogramm noch Beiträge wie neulich das Freddie Mercury-Porträt zeigst.
Denn es war genau die biografische Hälfte, die dem Film „Bohemian Rhapsody“  gefehlt hat.

Als „keimfrei“ bezeichnete ein Bekannter das Hollywood-Epos um das Leben des Queen-Leadsängers.
Ein schmachtender Blick nach einem auf dem Herrenklo verschwindenden Trucker, etwas tuntiger Plausch in Sektlaune mit einem Radiomoderator. Später zwei, drei Küsse von Mann zu Mann und ein gutes Dutzend Statisten in Lederkleidung. Darin erschöpft sich weitgehend die Darstellung des schwulen Lebens des ikonenhaften Rockstars.

Gleichzeitig legen die Macher Mercurys inneres Outing und das Bekenntnis zu sich und seiner Sexualität über den Zeitabschnitt seines Karrieretiefpunkts und die seelischen und physischen Niederlagen. Schließlich gebietet es dann das Hollywood-Pathos, dass mit der reumütigen Rückkehr in den Schoß der Hetero-Queen-Familie das für den HIV-Infizierten Freddie bestmögliche Happy End erreicht ist.  Feuchte Augen kriegte man im Kinosessel zwar, danach bleibt trotzdem der Eindruck, man habe ein retuschiertes Bild gesehen.

Danke also ARTE, für die Anekdote, dass Freddie Mercury während der Arbeit an seinem Solo-Album besonders darunter litt, dass Michael Jackson immer ein Lama mit ins Aufnahmestudio brachte.

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Heute Abend wurden meine Kolleg*innen und ich erneut in den Vorstand der AIDS-Hilfe Frankfurt gewählt. Aus der Mitgliederversammlung kamen die Aufträge künftig in unseren Veröffentlichungen und Äußerungen die geschlechtliche Vielfalt sichtbar zu machen und uns um die Dokumentation der Vereinsgeschichte zu bemühen.

AHF Vorstand 2018

jessica purkhardt illuSicher, das ganz große Rad wird immer in Berlin gedreht.
Wenn es denn mal gedreht wird. In Bezug auf Queerpolitik sprechen wir hier nämlich von lediglich einer Umdrehung pro Jahrzehnt.
Transsexuellengesetz 1980, Abschaffung des Paragraphen 175 im Jahr 1994, eingetragene Lebenspartnerschaft 2001, Ehe für Alle 2017.
Die Modernisierung der Regelungen zur geschlechtlichen Vielfalt überlässt man traditionell seit fast 40 Jahren gleich ganz dem Bundesverfassungsgericht.

Dieses hatte im vergangenen Jahr den Gesetzgeber beauftragt, bis Ende dieses Jahres die Möglichkeit eines dritten positiven Geschlechtseintrags zu schaffen.
Zuständig ist das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Und genau so liest sich der vorgelegte Gesetzesentwurf leider auch.

Viele kleine Räder für die Belange von LGBT*IQ drehen sich aber landauf, landab abseits der Hauptstadt-Bühne. Deshalb war im Vorfeld die Sorge groß, dass nach der Landtagswahl in Hessen Regierungskonstellationen die Geschäfte übernehmen könnten, die kein ausgewiesenes Interesse am queerpolitischen Drehmoment mehr haben. Auch dass mühsam aufgebaute und professionalisierte Unterstützungs- und Beratungsstrukturen kurzerhand wieder eingerissen werden könnten, wurde befürchtet.
Nun sieht es danach nicht aus, so dass wir vielmehr das bestehende Gerüst nutzen können, um Angebote dort zu gestalten, wo es noch nichts gibt, um die Szene und Community in Schwung zu halten.

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jessica purkhardt illuJeder Eins-Komma-Achte bis Eins-Komma-Neunte sieht geil aus.
So exakt muss ich schon sein, wenn ich von der schwulen Szene in der Frankfurter Partnerstadt Tel Aviv erzählen will. Dieser Mittelwert ist das Ergebnis nicht nur meiner eigenen Beobachtungen der letzten Nächte, sondern berücksichtigt auch die Bewertungen anderer szenekundiger Tel Aviv-Reisender.
Die pulsierende Mittelmeer-Metropole ist längst eine der Top-Destinationen auf der internationalen Gay-Travel-Landkarte. Bars, Clubs und Restaurants reihen sich in kleinen Gassen, Hinterhöfen und Boulevards aneinander und nicht immer ist klar, wo der eine Laden anfängt und der andere aufhört. Für Ortsunkundige ist es deshalb nicht immer ohne weiteres auf den ersten Blick zu erkennen, welches Etablissement sich explizit dem LGBT*IQ-Publikum verschrieben hat.
Regenbogenfähnchen an der Eingangstür und die Navigation mit Smartphone-Apps helfen zwar ein bisschen, aber es fühlt sich anfangs doch mehr an wie eine queere Schnitzeljagd als leichtfüßiges Bar-Hopping.
Und damit hat das Gay-Nachtleben von Tel Aviv ein Merkmal mit der schwul-lesbischen Szene in Frankfurt gemein: Für Ortsfremde ist es zunächst unübersichtlich.
Deswegen hat man unlängst in der Szene einige Ideen gesammelt, um unseren Gästen von außerhalb noch unübersehbarer zu zeigen, wo LGBT*IQ in Frankfurt besonders willkommen sind.

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