Die Übergangsjacke - Meine Oktober-Kolumne im GAB Magazin

Zwischen den Zeilen

Die Übergangsjacke

Nicht wenige starren in diesen Tagen in hypnotischer Bereitschaft auf das Display ihres Telefons in der gebannten Erwartung eines eingehenden Anrufs mit schwedischer Vorwahl. Denn in diesem Monat unterrichtet das Nobelpreis-Komitee in Stockholm traditionell die diesjährigen Preisträger*innen über ihre Auszeichnung.
Und wer wollte schon in so einer unvorbereitet-peinlichen Lage davon erfahren, wie seinerzeit Günter Grass, der die Mitteilung seiner Würdigung in einem Zahnarztstuhl empfing.  

Unterdessen sind die Einzelhändler damit befasst, rechtzeitig die Schokoladen-Nikoläuse in ihren Ladenauslagen zu drapieren, um in ihrem Berufstand nicht als Gescheiterte zu gelten.

Wenn uns dann u(h)rplötzlich mitten in der Nacht auch noch die vor einem halben Jahr qualvoll entwundene Sommerzeit-Stunde zurück erstattet wird, müssen wir anerkennen:

Es ist Oktober geworden.

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Meine neue Kolumne im GAB Magazin

 Zwischen den Zeilen IllustrationAfter-CSD-Lethargie

Geschafft!

Mit dem CSD Mittelhessen ist im gab-Land das (wenn gewünscht gerne auch ‚der‘) letzte Pride-Event der Saison über die Bühne gegangen. Und was man so hören und lesen konnte, vergingen die CSDs in der Republik hier und da zwar mit den üblichen Finanzierungssorgen und gewissen inhaltlichen Divergenzen aber doch ohne große Zwischenfälle.

Das war wichtig. Denn ohnehin war Alarmismus in den zurückliegenden Wochen eine weitverbreitete Gefühlslage. Von Sommerloch konnte bedauerlicherweise gar keine Rede sein.

Wie glühend bereit war ich gewesen, mich zur Hauptsendezeit über eine volkswirtschaftliche Raffinesse wie der jährlich wiederkehrenden Forderung eines Bundestagshinterbänklers nach der Einführung der Pizza-Steuer informieren zu lassen. Und wie überaus hörenswert hätte ich es gefunden, wenn in einem mecklenburg-vorpommerischen Badesee ein Brillenkaiman gesehen worden wäre.

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Mehr Regel als Ausnahme: LGBT-feindliche Übergriffe in Frankfurt

Homo- und transphobe BeleidigungenAuf den Tag genau zwei Monate nach dem letzten bin ich gestern Nacht erneut zum Ziel eines homo- bzw. transfeindlichen Übergriffes geworden.
In diesem Jahr mittlerweile der dritte, wobei ich bei dem ersten in diesem Jahr nicht sagen kann, welchen Hintergrund er gehabt hat. In jedem Fall hat mich ein Mann nach Hause verfolgt und versucht mich im Hausflur zu überfallen, wobei ich glücklicherweise schnell genug geschaltet hatte und den Angriff abwehren konnte.  

Der zweite Übergriff trug sich dann wie eingangs erwähnt Anfang Juni mitten auf der Konstablerwache zu, als ich dem Wunsch eines Mannes nach sexuellen Handlungen mit ihm nicht nachkommen wollte, woraufhin er versuchte mit roher Gewalt zum Ziel zu kommen. Die Möglichkeit, um Hilfe zu rufen bestand natürlich in den wenigen Momenten, in denen gerade nicht versucht wurde eine fremde Zunge in meinen Mund zu pressen.
Wer allerdings die Situation an der Konstablerwache nachts um zwei Uhr kennt, weiß, dass sich dort zum Teil eine polizeibekannte Klientel tummelt, für die die sexuelle Selbstbestimmung nicht nur ein Fremdwort sondern auch inhaltlich ohne Wert ist. Entsprechend ist es ein Vabanquespiel, bei dem Unklar ist, ob die Männer die dann kämen, dies wirklich zur Hilfe täten.

Mit diesem möglichen Ausgang vor Augen, zog ich dem Hilferuf die Flucht vor, wozu ich mich zunächst aus der beinahe metallischen Umklammerung des Angreifers lösen musste. Ziel der Flucht sollte das an der Ostzeil gelegene 1. Polizeirevier werden. Allerdings schnitt mir mein Verfolger bereits an der Kurt-Schumacher-Straße den Weg ab, so dass ich mich erneut aus seinem Griff winden musste um dann das Polizeirevier zu erreichen, an dessen Tür ich in meinem kopflosen Sprint zunächst vorbeirannt war.

Als man mir die Tür öffnete und ich die Verfolgungssituation schilderte wurde in diesem Zuge auch eine Strafanzeige erstellt, was wichtig ist. Denn ich selbst werbe ja in unseren LGBT*-Communities dafür homo- und transphobe Übergriffe der Polizei unter Hinweis auf einen homo- bzw. transfeindlichen Hintergrund zu melden, damit sie als solche dokumentiert werden.

Als ich dem die Anzeige bearbeitenden Beamten jedoch auf einen transfeindlichen Hintergrund hinwies und bat, den entsprechenden Vermerk im System der Polizei vorzunehmen, wies er daraufhin, dass es sich ja wohl kaum um einen transphoben Übergriff handeln könnte, weil es sich doch um sicherlich erzwungene aber doch wohl Zuneigungshandlungen gehandelt habe, weswegen eine Ablehnung meiner Person im Sinne von LGBT-Feindlichkeit doch kaum vorliegen könne.
Eine Diskussion über diese Fehleinschätzung hätte mich in meiner Verfassung zu sehr beschämt, so dass ich darauf verzichtete, was mich im Nachhinein natürlich sehr ärgert, weil so wieder eine Straftat gegen LGBT* undokumentiert geblieben ist.

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Ein Farbtupfer für das Bermudadreieck

Der Kreisel im BermudadreieckEin zentraler öffentlicher Ort im Frankfurter Szene-Viertel bekommt für den Christopher-Street-Day buchstäblich einen neuen Anstrich. Der kleine Kreisel, der die Große Friedberger Straße, die Alte Gasse und die Schäfergasse - also die Straßen, in denen viele schwul-lesbische Lokale und Einrichtungen liegen - soll für das gesamte kommende Wochenenede in Regenbogenfarben leuchten.
Die Entscheidung dazu hatte Verkehrsdezernent Stefan Majer schon vor einigen Wochen bekannt gegeben. Der Regenbogenkreisel ergänzt damit die bereits im letzten Jahr für die Dauer des CSD installierten gleichgeschlechtlichen "Ampelpärchen" an der Fußgängerampel zur Konstablerwache, die nach dem Vorbild von Wien, München und Hamburg entstanden sind.

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Städtische Reinigungsfrequenz am Frankfurter Engel soll erhöht werden - mein Antragsvorschlag dazu

Frankfurter EngelAm Klaus-Mann-Platz, an der Kreuzung von Schäfergasse und Alte Gasse, in der Mitte des queeren subkulturellen Lebens in der Frankfurter Innenstadt steht der Frankfurter Engel, das Mahnmal der Homosexuellenverfolgung. Bei seiner Errichtung im Jahr 1994 war es das erste seiner Art in Deutschland. Im Jahr nach der Aufstellung des Engels wurde der neugestaltete Platz nach Klaus Mann, dem homosexuellen Schriftsteller und Sohn von Thomas Mann benannt.

Seit dieser Zeit bemühen sich die Mitglieder der Initiative Mahnmal Homosexuellenverfolgung ,die sich bereits seit 1990 für die Errichtung eines Gedenkortes eingesetzt hatte, zusammen mit Anwohner*innen und Unterstützer*innen um diesen Ort.  
Wie viele schön gestaltete, öffentliche Plätze der Stadt wird auch der am Frankfurter Engel immer mehr genutzt, besonders in den Sommermonaten, wenn die Menschen draußen zusammen sitzen möchten. Schon lange treffen sich am Klaus-Mann-Platz nicht mehr nur von Lesben und Schwulen.

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Forschungsvorhaben zur Lebenssituation von Trans* und Queers in Hessen

Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration

Wiesbaden. „Ich freue mich, dass wir die Lebenslage und Lebenserfahrungen von Trans* Personen und Menschen, die aus dem binären Geschlechtermodell herausfallen (Queers) durch das Forschungsvorhaben näher beleuchten und fördern können“, erklärte der Bevollmächtigte für Integration und Antidiskriminierung, Staatssekretär Jo Dreiseitel, anlässlich der Gewährung der Fördermittel in Höhe von 20.000 Euro aus dem Landesaktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt. Der Verein „broken rainbow e.V.“ aus Frankfurt erhält die Mittel für ein Forschungsvorhaben zur Lebenssituation der Trans* und Queers in Hessen. Broken Rainbow e.V. befasst sich seit nunmehr 14 Jahren mit den Themen Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen wegen der sexuellen Orientierung bzw. der Geschlechtsidentität und ist mit dem vorhandenen fachlichen Know-How ein verlässlicher Partner.

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Presse-Clipping FR: "Streit um Razzia in Schwulen-Bars"

["Ein Einsatz der Polizei am Dienstagabend sorgt für Irritationen – zumindest bei den Frankfurter Grünen in Gestalt der Stadtverordneten Jessica Purkhardt."]
Der ganze Artikel in der Frankfurter Rundschau

Presse-Clipping Hessenschau.de: "Aufregung um vermeintliche Schwulen-Razzia"

[Die Polizeikontrollen rückte die Grünen-Stadtverordnete Jessica Purkhardt in die Nähe einer gezielten Diskriminierung Schwuler und Lesben. "Razzia in der schwulen Szene #FFM in der Alten Gasse mit Kontrolle aller anwesenden Personen in den Lokalen?! Was soll das?", twitterte sie.]
Der ganze Artikel auf hessenschau.de

Presse-Clipping Queer.de: Aufregung um "Razzia" im Homo-Viertel

["In der Alten Gasse kontrollierten Beamte Lokale und Gäste. Eine Grünen-Politikerin findet das "alarmierend", während die Polizei von Routine spricht."]
Zum Artikel auf Queer.de

 

„Razzia in der Frankfurter schwulen Szene ist alarmierend“

-ERGÄNZUNG 18 UHR UNTEN-

Am Dienstag, den 8. März fuhren gegen 22 Uhr etwa ein Dutzend Mannschaftswagen der Polizei mit Blaulicht in der Alten Gasse in der Frankfurter Innenstadt auf. Die dort gelegenen Bars werden bekanntermaßen von Homosexuellen und Transgendern besucht und bilden mit den Bars in der Elefantengasse den Kern der sogenannten Frankfurter schwul-lesbischen Szene.

Die Beamtinnen und Beamten in Einsatzoveralls führten daraufhin in allen Lokalen umfangreiche Kontrollmaßnahmen durch. Die Personalien der Angestellten aber auch aller anwesenden Gäste wurden kontrolliert. Gäste, die die Lokale betreten wollten, wurden von der Polizei abgewiesen.

In der Folge wurden insgesamt mehrere Bars in der Alten Gasse und Elefantengasse aus unterschiedlichen Gründen geschlossen.
Besucher, die sich nicht ausweisen konnten, wurden Augenzeugenberichten zufolge festgenommen.
Zusätzlich wurden die Gaststätten auch von Mitarbeitern des Ordnungsamtes der Stadt Frankfurt überprüft.

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