"Racial Profiling benennen, wo es wirklich stattfindet"

Stop Racial ProfilingEin guter Vorsatz für das neue Jahr 2017 wäre doch gewesen, die öffentliche politische Auseinandersetzung wieder zu versachlichen und auf Basis belegbarer Fakten zu führen.

Stattdessen wurde unmittelbar nach dem Jahreswechsel die Kölner Polizei, der es im vergangenen Jahr nicht gelungen war, friedlich feiernde Frauen auf der Kölner Domplatte vor widerwärtigen Übergriffen durch Gruppen von Männern zu schützen, mit dem Vorwurf des Racial Profiling versehen.
Ein schwerer Vorwurf, denn es gibt Racial Profiling in Deutschland.

 

Man kann eine Form davon nicht oft aber manchmal im ÖPNV beobachten, wenn die Fahrausweise zum Beispiel einer westafrikanischen Familie akribisch vom Kontrollpersonal geprüft werden und der eigene überhaupt nicht oder nur im Vorbeigehen. Hierin kann man ethnisches Profiling erkennen, denn in diesen Fällen gibt es außer dem äußerlichen Erscheinungsbild keinen Anlass unterschiedlich zu kontrollieren.

Das war in der Silvesternacht 2016 anders. Denn hier hatte die Polizei bereits durch Beamt*innen in den Köln anfahrenden Zügen aggressive und streitlustige Gruppen von teilweise alkoholisierten Männern ausgemacht.
Das war auch ohne die Übergriffe der Silvesternacht 2015 genug Anlass, um diese Männergruppen nicht zu den anderen Feiernden durchzulassen.
Ähnlich wird übrigens jedes Wochenende mit hohem personellen Aufwand mit Fußballanhängern bei „Problemspielen“ verfahren.

Der Vorwurf des Racial Profiling im Bezug auf das Verhalten der Kölner Polizei in der Silvesternacht wiegt also schwer. Nicht nur, weil er die Beamt*innen für das an den Pranger stellt, was sie vor einem Jahr hätten tun sollen und weil er in der Sache nicht gerechtfertigt ist. Sondern weil er den Begriffszusammenhang ‚Racial Profiling‘ für die Gesamtbevölkerung verharmlost, wenn er wie jetzt falsch verwendet wird und suggeriert, das nachvollziehbares polizeiliches Verhalten plötzlich rassistisch sein soll.

Denn auch wenn es von offiziellen Stellen naturgemäß bestritten wird, gibt es rassistisch motiviertes Racial Profiling nach wie vor bei deutschen Behörden. Solange das so ist, muss es dort, wo es vorkommt, auch so benannt werden. Wer aber Racial Profiling als Beliebigkeitsfloskel verwendet, tut nicht nur in diesem Fall den in der Silvesternacht eingesetzten Kölner Polizeibeamt*innen Unrecht, sondern auch den Menschen, die tatsächlich von rassistischen Diskriminierungen in ihrem Alltag betroffen sind.            

Bildnachweis: "Stop Racial Profiling" von Joe Brusky ist lizensiert unter CC BY-NC 2.0