Die Höhlen rund um Thakek

Die Höhle Tham Pa SeuamNur wegen der Stadt selbst müsste man Thakek am Mekong nicht besuchen . Und die wenigsten Laos-Reisenden tun das auch. Dabei ist die landschaftliche Vielfalt von Zentral-Laos ganz offensichtlich unterschätzt. Aus meiner Sicht ist die Umgebung von Thakek deshalb einer der letzten „Geheimtipps“, falls es sowas in Zeiten von Lonely Planet und dem Internet überhaupt noch gibt.

Schon kurz hinter der Stadt Richtung Osten beginnen die dramatischen Kegelberge, die eine perfekte Indochina-Kulisse bilden. Zudem liegt einer der größten Nationalparks des Landes direkt vor den Toren der Stadt. Bekannt ist Thakek vor allem auch für seine vielen tiefen Höhlen am Rande des Nationalparks. Es sind zu viele als dass ich sie alle hätte besuchen können und wollen und manche sind auch schlichtweg nicht zu finden. Die zwei prominentesten Höhlen habe ich aber besucht und dabei zwei ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Wegweisser zu den HöhlenDie Ausfallstraße Nummer 12 aus Thakek Richtung Osten ist auf der rechten Seite zur Trockenzeit gesäumt von zahlreichen Melonenständen. Ab dort heißt es wachsam sein, denn bald darauf steht auf der linken Seite der Wegweiser zu den Höhlen „Tam Pa Seuam“ und „Buddha Cave“.

Zunächst kann man sich kaum vorstellen, dass diese holprige, rote, Sandpiste zu einer der  bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Region führen soll. Aber das ist eben Laos und nicht Disneyland und bald geben mehrere Schilder an einer Weggabelung die Versicherung, dass man nicht doch nur in einen landwirtschaftlichen Ackerpfad eingebogen ist. Die Strecke wird dann noch etwas holperiger und man sollte hier etwas vom Gas gehen, um die ganz harten Schläge zu vermeiden. Nach einer alten Betonbrücke, die noch aus der französischen Kolonialzeit stammt, kann man wieder etwas zügiger fahren: Die Straße führt dann in einem Bogen nach links und ist wieder besser befahrbar und breiter. Auf dieser Piste bleibt man und bald erreicht man den Parkplatz und den touristischen Angelpunkt der Höhlenlandschaft in dieser Gegend. Das Parken kostet 3.000 KIP, dafür kann man aber auch seinen Helm ruhig am Motorrad hängen lassen. An der langestreckten Markthalle bieten einheimische Frauen aus dem Dorf jede Menge Souvenirs an. Dabei ist es nicht notwendig, jeden Stand einzeln zu begutachten. Es gibt an allen das gleiche.
Wer kein Wasser mitgebracht hat, sollte sich hier noch mal eindecken, denn der Weg zu den Höhlen kann in der Hitze der Trockenzeit recht anstrengend werden.
Darüber hinaus kann man den Parkscheinverkäufer oder die Marktfrauen fragen, wo es denn nun eigentlich zu den Höhlen geht. Hinweisschilder, die Größe und Geschichte der Höhlen beschreiben, gibt es dank eines neuseeländischen Entwicklungshilfeprojektes zwar, aber ein Wegweiser, wie man dort hin kommt, fehlt.

Die Wasserhöhle Tham Pa Seuam

Zuerst steuerte ich die die Höhle Tham Pa Seuam an.  Wenn man vor der Markthalle auf dem Parkplatz steht, geht man einfach in Richtung der Toilettenhäuschen und findet dahinter ein dezentes Schild, dass den Weg in einen Waldpfad weist. Es ist gleichzeitig auch das letzte. Zunächst ist einfach nur dem Pfad zu folgen, dann öffnet sich der Wald in eine Art hohes Busch- und Grasland und mehrere Wege zweigen ab. Hier hält man sich einfach ganz links und gelangt über eine Holzbrücke an den Rand eines Kegelberges. An dessen Fuß läuft ein kleiner Pfad durch Bambusdickicht weiter. Der Weg führt hier am Ufer eines idyllischen Sees entlang und ein Holzsteg führt zu einem Holzpavillion auf Holzpfählen im See.
Der Weg weiter zur Höhle wird dann sogar etwas felsig, ein kleiner Pfad wirkt ausgetreten und es sind auch Fußspuren zu erkennen, die in eine ganz kleine Höhle führen. Da kann man gerne mal reinkriechen, weiter geht es dort nicht. Ich hab’s probiert.

 

Der Weg läuft stattdessen noch ein Stück am Ufer entlang und dann muss man aber tatsächlich mal kurz etwas klettern um den Eingang der Höhle zu erreichen. Es ist sofort klar zu erkennen, dass man hier richtig ist. Als ich die Höhle besuchte stand sie obwohl Trockenzeit war noch ziemlich unter Wasser, so dass ich die Säulenhalle ohne Boot nicht erreichen konnte. Als ich schon einige Meter in die Dunkelheit der Höhle vorgedrungen war, tauchte plötzlich hinter einem Felsen im Inneren der Höhle ein Mann auf und erschreckte mich so sehr, dass mir unwillkürlich ein lauter Schrein entfuhr, der wiederrum den armen Höhlenfischer zu Tode erschreckte. Nachdem sich unserer beider Nackenhaare aber wieder gelegt hatten, amüsierten wir uns beide königlich darüber.

Die Höhle ist insgesamt 400 Meter lang. Für 100.000 KIP kann man sich ein Kayak und eine Schwimmweste leihen, worauf ich aber verzichtet habe.

Umgebungskarte von Thakek - Road map

Die Buddha Cave „Tham Nong Pa Fa“

Ebenfalls von der Markthalle aus geht es über einen Schotterdamm zu der Buddha Höhle. An dessen Ende ist ein kleines Häuschen, bei dem eine Frau allen Frauen zwangsweise ein Sarongtuch gegen eine geringe Gebühr umlegt. Dabei war ich mit langer Hose, Wanderschuhen und Jacke keineswegs unzüchtig gekleidet und der zusätzliche Rock wärmte mich völlig unnötig.

Über Holzstege geht es von dort weiter an die Felswand eines Berges. Dort steht ein Haus, wo zwei gutgelaunte Männer das Eintrittsgeld kassieren (20.000 KIP). Von dort geht es eine steile Betontreppe hinauf und man gelangt an den sehr kleinen Eingang der Höhle, in den man sich nach Ablegen der Schuhe hineinzwängen muss. Im Inneren der Höhle ist das Fotografieren nicht gestattet. Die Höhle besteht aus einem großen hohen Raum, der mit Matten ausgelegt ist, auf denen einheimische Ladies aus dem Dorf sitzen und Blumenschmuck stecken. An der Stirnseite stehen die vielen alten Buddha-Figuren, die der Höhle ihren Namen gegeben haben. Die Erzählung geht so:

Im April 2004 kletterte der Dorfbewohner Boun Nong zu einer in etwa 15 Meter Höhe gelegenen Öffnung in der Felswand, weil er dort Fledermäuse hinein- und hinausfliegen gesehen hatte. Wie so vieles stehen auch Fledermäuse auf dem Speisezettel der Laoten. Als er aber durch die kleine Öffnung stieg und in die Felshalle unter sich blickte, fiel sein Auge zuallererst auf ein große Buddha-Statue. Als er hinabstieg, fand der insgesamt 229 Buddha-Figuren zwischen 15 cm und 1 Meter Größe.   

Eine Woche lang behielt Boun seine Entdeckung für sich, weil er glaubte sich das alles nur eingebildet zu haben. Erst dann kehrte er mit einer Gruppe von neun anderen Dorfbewohnern zurück und informierte danach die Behörden. Seitdem bewachen die Menschen aus dem Dorf die Höhle rund um die Uhr.

Die Buddha-Statuen stammen aus der Sikhottabong- und der Lanexang-Ära, bei einigen geht man aber auch davon aus, dass sie von den Vietnamesen oder den Khmer geschaffen worden sein können.

Die Höhle ist ein guter Ort um sich etwas von der Hitze draußen zu erholen und dabei den geheinisvollen Ort auf sich wirken zu lassen. Man sollte wie bei allen heiligen Stätten in Laos darauf achten, eine respektvolle Sitzhaltung einzunehmen, das heißt vor allem nicht mit den Füßen in Richtung der Figuren sitzen.

Wegen der Eintrittsgelder und sonstigen kleinen Gebühren sollte man übrigens nicht zerknirscht sein. Es handelt sich hier nämlich nicht um Abzocke, sondern um eine möglichst nachhaltige Variante des Tourismus, die besonders der Mikrowirtschaft in den Dörfern zugute kommen soll. 40 Prozent der eingenommenen Gelder gehen in die Materialbeschaffung und Instandhaltung, 10 Prozent in die Gemeinschaftskasse des Dorfes, die Hälfte bekommen die einheimischen Führer.

Andere Beispiele haben gezeigt, dass die Bewohner einer Gegend oft kaum Vorteile von den Naturschätzen ihrer Heimat haben und von der touristischen Erschließung kaum profitieren, wenn sie nicht von vornherein an den Konzepten beteiligt werden.

Die Badestelle Tha Falang

Die Badestselle Tha FalangEine bewährte Kombination ist der Besuch der Höhlen und danach ein erfrischendes Bad in einem ruhigen Flüsschen. Die Stelle, die am besten zum Baden und Schwimmen geeignet ist, heißt bezeichnenderweise „Tha Falang“, was übersetzt so viel heißt wie "Anlegestelle der Ausländer".

Die Abzweigung von der Straße 12 liegt etwa 5 km östlich der Abzweigung zu den vorher besuchten Höhlen auf der rechten Seite und ist etwas versteckt ausgeschildert. Wieder geht es einen holprigen Sandweg entlang, verfahren kann man sich hier eigentlich nicht, denn die Sandstraße bleibt immer auf der gleichen Seite des Flusses.

Zur Badestelle muss man ein paar Meter hinunterklettern. Praktisch ist es einen Sarong dabei zu haben, unter dem man sich umziehen kann, denn die Büsche in der Nähe bieten keinen Sichtschutz.Die Badestselle Tha Falang Ebenfalls sinnvoll sind Badeschuhe oder Flip-Flops, denn auf dem Weg zum Wasser liegen leider Glasscherben und scharfkantige Muschelschalen, die sicherlich Überbleibsel eines Barbecues sind.

Wo die Badestelle liegt hört man schon, bevor man sie sieht, denn es sind immer mal Einheimische da, die dort mit selbstgebastelten Harpunen auf Fischjagd gehen.