Rassismus in Thailand

Die Hoffnung ist da: Im 21. Jahrhundert könnten die Menschen tatsächlich irgendwann einmal (haut)farbenblind werden und es gäbe keinen Rassismus mehr. Ich und viele Menschen meiner Generation - zumindest in der westlichen Welt – gehen heute schon so miteinander um.
Dass der unverhohlene Rassismus aber in vielen Ländern der Welt nach wie vor besteht und Vorurteile das Denken der Menschen bestimmen, sieht man in Thailand jeden Tag.
Eine meiner besten Freundinnen, Shawna, ist gebürtige Engländerin. Damit ist sie naturgemäß auch englische Muttersprachlerin und die sind in Asien begehrt: als Englischlehrer.

Sie ist sicher einer der freundlichsten und engagiertesten Menschen, die ich in Thailand kennengelernt habe und ich hätte mir gewünscht, solche Lehrerinnen mal gehabt zu haben. Entsprechend habe ich sie unterstützt und ihr meine Business-Kostüme für die Vorstellungsgespräche geliehen. Naiv, ich heute weiß.
Wegen ihrer guten Qualifikationen wurde Shawna oft zu Vorstellungsgesprächen eingeladen und zu den ersten ging sie noch voller Zuversicht. Doch jedes Mal, wenn sie durch die Tür trat und der thailändische Schuldirektor sie sah, sprang ihm der Ekel aus dem Gesicht.
Denn Shawnas Eltern sind irgendwann mal aus Jamaika eingewandert und deswegen ist Shawna schwarz.

rassistische StellenausschreibungMonate- wenn nicht jahrelang hat sie sich in Bangkok um eine Stelle als Englischlehrerin bemüht und zentnerweise Bewerbungen verschickt und ständig wurde sie wegen der Hautfarbe abgelehnt. Ich habe schon darüber geschrieben, wie wichtig für Thais die Hautfarbe ist.

Ich bin dagegen keine Englisch-Muttersprachlerin und habe mich nie um eine Stelle als Englischlehrerin bemüht. Aber die Bangkoker Agenten hatten Bilder von mir und wussten, dass ich Englisch spreche, weswegen ich von vielen Schulen Jobangebote bekommen habe und auch schon oft als Lehrerin gearbeitet habe. Nicht weil ich Talent hätte, engagiert wäre oder besonders gut mit Kindern umgehen könnte. Sondern, weil ich weiß bin.

Shawna ist wieder nach England zurückgekehrt und legt dort momentan eine astreine akademische Karriere hin.

Bild: Isaan Style