Teegeld: Kann es ein Thailand ohne Korruption geben?

81 - Tea moneyWenn die Bürger Thailands am 3. Juli an die Wahlurnen treten, ist es wichtig, dass vor dem Hintergrund der von den Parlamentskandidaten versprochenen Mega-Projekte bewusst sind wie anfällig diese Projekte für Korruption sind.

Wie überall auf der Welt sind auch die Kandidaten in Thailand bereit, vieles zu tun, um an die Stimmen der Wähler zu kommen. Gerne bedient man sich hier dann auch aus der Staatsschatulle, um populistische, aber sinnlose Entwicklungskonzepte noch schnell vor der Wahl umzusetzen und so auf Wählerfang zu gehen.

Und auch jetzt wo die Wahlen vor der Tür stehen, dreht sich die politische Debatte vor allem um prestigeträchtige Megaprojekte und kein bisschen darum, wie wichtig es ist, einen Sinn für die Korruptionsbekämpfung im nationalen Bewusstsein zu verankern.

Thailand ist an siebter Stelle unter den korruptesten Ländern Asiens. Hongkong und Singapur sind auf dem Korruptionsindex dagegen an letzter und vorletzter Stelle. Die Korruption im öffentlichen Sektor ist umfassend, chronisch und tief verwurzelt – die Geißel der thailändischen Politik.

In Thailand gab es noch nie eine politische Partei, die sich ernsthaft mit der wuchernden Korruption im Königreich auseinandergesetzt, geschweige denn das Thema überhaupt als dringend erachtet hätte.

Stattdessen kreist der Wahlkampf um immer dieselben heuchlerischen Maßnahmen: Kreditkarten für die Bauern, subventionierter Reis, Gratis-Gesundheitsversorgung für alle und Lohnerhöhungen für Lehrer und andere Staatsbedienstete. Dabei kann niemand wirklich abschätzen, ob diese Vorhaben auch nur halbwegs realistisch und finanzierbar sind.

Sicher ist aber, dass die Korruption in Thailand das wirtschaftliche Fortkommen seit langem unübersehbar hemmt. Bangkoks Riesenairport Suvarnabhumi ist dabei eines der prominentesten Beispiele dafür, wie ein ständiger Fluss an Schmiergeldern ein Projekt über Jahrzehnte ausbremsen kann.

Noch ist es ziemlich unklar, welche Abgeordneten nach dem 3. Juli im thailändischen Parlament die Mehrheit haben werden. Sicher ist aber schon jetzt: Die meisten von ihnen sind Geschäftsleute, Manager, ehemalige Industriebosse und Technokraten.
Wenn man der letzten Studie der Universität der thailändischen Handelskammer glauben schenken kann, dann sind darunter nicht wenige, die das Vertrauen nicht verdient haben.
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass 80 Prozent der Unternehmen aus dem privaten Sektor, die Geschäfte mit der Regierung abschlossen, Bestechungsgelder gezahlt hatten. 71 Prozent dieser Unternehmen wussten dabei von vornherein genau, wem sie welche Summe zahlen mussten, nur 29 der Firmen zahlten bei Aufforderung.
In Summe werden die gezahlten Schmiergelder auf 200 bis 300 Millionen Baht geschätzt, also etwa 30 Prozent der jährlichen Staatsausgaben (rund 600 Millionen Baht). Dazu kommen noch einmal 20 Millionen Baht in „Sonderzuwendungen“, um Abläufe im Im- und Export, beim Zoll und in der Lizenzierung zu vereinfachen.
Dies sind genau die fehlenden Millionen Baht, die für die kaputten Straßen, die von vornherein baufälligen Flughäfen, den maroden öffentlichen Personenverkehr, schlecht bezahlten Lehrer oder das gelähmte Schulsystem dringend gebraucht würden.
Doch das „Teegeld“ wie die Schmiergelder verharmlosend genannt werden, ist im thailändischen Alltag omnipräsent. An den Universitäten weisen die Professoren mitunter explizit darauf hin, wie die Studenten mit „etwas extra“ ein einfacheres Fortkommen haben können.
Und während in den Fakultätsräume der Putz von der Decke und die Farbe von den Wänden blättert und Geld fehlt, um Reparaturen durchzuführen, lassen sich die Dekane einen Präsidentenflügel errichten – zwanzigmal so groß wie nötig, mit den neuesten Computer (die ungenutzt bleiben und sogar einem Hubschrauberlandeplatz auf dem Dach. Letzterer wird natürlich nie genutzt, aber alle anderen Gebäude haben ja auch einen.

Die Gründung eines Anti-Korruptionsnetzwerkes in Thailand ist hier jetzt endlich ein Schritt in die richtige Richtung.
Zum Netzwerk zählen 23 private Organisationen, unter ihnen die thailändische Börse, die Handelskammer und der Industrieverband des Königreiches. Eine der vorrangigen Zielgruppen des Anti-Korruptionsbündnisses sind die Kinder und Jugendlichen, die man mit einem unmissverständlichen Slogan von einer Zukunft ohne Schmiergelder überzeugen will: „Der Ehrliche soll geehrt werden, der Korrupte muss verdammt werden.“

Sogar der Premierminister Abhisit Vejjajiva erklärte vor Kurzem öffentlich, dass die Korruption ausradiert werden müsse und die thailändische Kultur einem Wandel unterzogen werden müsse, um die Menschen zur Wachsamkeit zu erziehen. Viele der politischen Krisenherde seien durch Korruption auf nationaler Ebene und in den Provinzen entstanden.
Doch können solche Kampagnen greifen, wenn die Kinder täglich sehen, wie Vater und Mutter wie selbstverständlich bei Behördengängen und beim Polizist an der Straßenecke Teegeld bezahlen? Oder ist der Ehrlich am Ende in einem solchen System nur der Dumme?

Bild: "81 - Tea & money" von Helen K ist lizensiert unter CC BY-NC-ND 2.0