Vom Leben und Leiden der Burmesen in Thailand

In einem Fischerdorf in der thailändischen Provinz Chumphon haben burmesische Arbeiterin Interviews mit der burmesischen Exilzeitung „The Irawaddy“ schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben und von heftigen Repressionen berichtet.
In mehreren Interviews haben die burmesischen Fischer im thailändischen Dorf Pak Nam erklärt, die Polizei mache sich die Gesetze selbst und durchsuche die Unterkünfte der Fischer ohne Grund. Die Polizisten würden sich im Rahmen dieser Durchsuchungen auch gerne kleine Trophäen aneignen wie etwa Feuerzeuge.
„Normalerweise geben sie vor, nach illegalen Arbeitern zu suchen, aber sie nehmen sich einfach, was sie wollen“, sagt Aung Aung, ein burmesischer Gastarbeiter in einer der Lebensmittelfabriken im Dorf.

 

Ein Kurzfilm der International Transport Workers’ Federation (ITWF) über Leben und Leiden burmesischer Migranten in Thailand

Aung Aung stammt aus dem Staat Arakan im Westen Burmas und sagt, er habe keinerlei Ausweispapiere. Nur ein kleines Passfoto mit der Unterschrift des Fabrikbesitzers – und dafür muss er monatlich 300 Baht bezahlen.

Während der Interviews der Zeitung Irawaddy mit Aung Aung wird das Ausmaß der Repressionen durch die Polizei schnell deutlich. Denn als sich plötzlich eine Gruppe von Polizisten der Bar nähert, in der das Interview geführt wird, nimmt Aung Aung schnell sein Handy und steckt es der Kellnerin zu, damit die es für ihn aufbewahrt.
“Du musst es mir nicht geben,” sagt die jedoch. „Die Polizei verhaftet niemanden in diesem Restaurant. Wir bezahlen ja Geld an sie.“

In dem Dorf dürfen Burmesen -legale und illegal Arbeiter- keine Handys, Fahrräder oder Motorräder besitzen und dürfen keine guten Schuhe und Armbanduhren tragen. Werden sie mit solchen „Statussymbolen“ erwischt, drohen ihnen Strafen.
“Wenn man mit einem teuren Handy erwischt wird und es von der Polizei wiederhaben möchte, muss man 500 Baht zahlen, wenn es ein billiges Handy war, dann nur 200,“ sagt ein burmesischer Fischer, der sich Aye Maung nennt.
Seinen richtigen Namen möchte er nicht sagen, aus Angst vor der Polizei.
“Außerdem muss man 500 Baht bezahlen, wenn man erwischt wird, wie man All Star Chuck`s oder eine Citizen Armbanduhr trät. Wer eine Zeremonie abhalten will, sei es eine Beerdigung oder eine Hochzeit, muss sogar 5.000 Baht bezahlen.
“Die Polizei sagt es sei die Sicherheitsgebühr. Doch es ist eine fast schon offizielle Abgabe bei allen Arten von Zusammenkünften,“ sagt Aye Maung.

Die Fischer werfen der Polizei sogar vor Burmesen ohne Papiere als Arbeiter auf thailändische Schiffe für 10.000 Baht pro Person verkauft zu haben. Diese Sklaven müssen dann acht oder neuen Monate hart auf den Schiffen ohne Bezahlung arbeiten, bevor sie freigelassen werden und einige, die weniger Glück hatten, kommen gar nicht mehr zurück.
Nach Aussage der Fischer seien Ende 2009 fünf junge, illegale burmesische Gastarbeiter im Dorf von der Polizei verhaftet worden und auf ein thailändisches Fischerboot verkauft worden.
Einer der jungen Männer sei von dem Kapitän des Schiffes erschossen und über Bord geworfen worden, weil er schlecht gearbeitet hatte. Danach hatten die anderen vier soviel Angst, das gleiche Schicksal zu erleiden, dass sie eines Nachts alle ihre Hände aneinanderbanden und über Bord sprangen um zu fliehen. „Die Hände zusammengebunden, denn sie wollten zusammenbleiben – tot oder lebendig“, sagt Aye Maung.

In dem Dorf in der Provinz Chumphon, wo jetzt die schweren Vorwürfe erhoben werden, leben Tausende illegaler Gastarbeiter, doch es gibt keine Vertreter internationaler Hilfsorganisationen vor Ort. Lediglich World Vision, die sich jedoch ausschließlich um die Gesundheitsversorgung kümmert.
Doch obwohl es keine Organisation gibt, die sich für die burmesischen Gastarbeiter einsetzt, wehren sich manche dennoch.
Ein Fischer berichtet er habe die Seemanns-Gewerkschaft von Burma mit Sitz in Bangkok kontaktiert und sich über die monatlich 200 Baht beschwert, die jeder burmesische Haushalt inoffiziell an die thailändische Polizei abführen muss.
Die Gewerkschaft gab die Meldung an andere Medien der Exil-Burmesen weiter und prompt wurde die illegale Besteuerung durch die Polizei eingestellt.
Doch Südthailand zwingt die Polizei jetzt alle burmesischen Arbeiter immer und überall eine Uniform zu tragen. Dabei handelt es sich um eine orangene Weste, die die Arbeiter auch noch für 200 Baht von den Fabrikbesitzern kaufen müssen. Wer ohne Weste erwischt wird muss zahlen – 300 als Legaler, 3000 als Illegaler.
Man werde sogar bestraft, wenn die Weste dreckig geworden sie, oder ein Knopf an der falschen Stelle sitze, sagt ein Arbeiter.
Htoo Chit, der Geschäftsführer von Grassroots Human Rights Education and Development, einer burmesischen Hilforganisation, sagt in der zeitung Irawaddy, dass die neuen Vorschriften für die burmesischen Migranten erhebliche Menschenrechtsverletzungen darstellten.

„So was macht man normalerweise nur mit Tieren.“

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