Aus dem Leben eines Dreiradfahrers

Tuk Tuk 2Was Großes zu transportieren oder irgendwohin schnell und günstig fahren? Dann sind die Tuk Tuks in Bangkok die Transportmittel.
Natürlich funktioniert das nur, wenn man nicht den Touristenfängern in die Hände gerät und von denen angezockt wird. Aber nicht alle sind von der aufdringlichen Sorte, die die Touristen ansprechen und sie zu den ganzen indischen Schneidern oder Juwelieren karren, nur um von den Ladenbesitzern dafür mit einem Tankgutschein belohnt zu werden.
Auch verlangen nicht alle astronomische Preise für ein Fahrt, für die Einheimische nur einen Bruchteil der geforderten Summe zahlen müssen.

Aber es sind eben nicht alle schlecht. Und Tuk Tuk-Fahrer haben einiges zu erzählen.
Der 54-jährige Keaw fährt ein Tuk Tuk und wartet stets am Nonthaburi Pier am Chao Praya Fluss auf Passagiere. Er erzählt: „Einmal sind zwei Betrunkene eingestiegen und ließen sich von mir nach Tao Pun fahren. Als wir dort ankamen war ihnen der vereinbarte Fahrpreis von 50 Baht (=1 Euro) zu viel und sie wollten mir nur 30 geben. Wir diskutierten eine Weile, dann verprügelten sie mich und rannten davon.“

Der 44-jährige Tuk Tuk-Fahrer Law arbeitet an der Ecke der Soi Rambutree ganz in der Nähe der Touristenmeile Khao San Road. „Einmal hat mir ein Backpacker 100 Baht angeboten, wenn ich einen Wheelie mit meinem Tuk Tuk machen würde und er und seine Freunde mit im Tuk Tuk sitzen dürften. Ich machte es und die Touristen freuten sich. Dann kam ein Polizist und verpasste mir einen Strafzettel über 400 Baht wegen gefährlichen Fahrens. Die Touristen rannten weg und ich musste die Strafe alleine bezahlen. Der Stunt kostete mich 300 also in Summe 300 Baht.“

Gewaltätiger ist die Story, die der 53-jährige Boothun, Tuk Tuk-Fahrer am Blumenmarkt von Pak Khlong, zu erzählen hat: “Eine Frau bat mich, sie zu einer Karaoke-Bar zu fahren und dort ihren Ehemann abzuholen, der dort heftig am Trinken war. Sie sagte mir ´Warten Sie hier, ich gehe rein und erwische ihn in Flagranti`.

Sie rannte hinein und schleifte kurz darauf ihren Ehemann zu meinem Tuk Tuk und beschimpfte ihn, weil er mit den Kellnerinnen in der Bar geflirtet hatte. Eine Weile lang schrien sich die beiden während der Heimfahrt nur an, aber dann flogen plötzlich auch noch die Fäuste. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, also hielt ich den Mund und fuhr ganz langsam. Bis zu ihrem Haus schrien und prügelten die beiden auf der Rückbank meines Dreirades aufeinander ein….Immerhin haben sie mich aber bezahlt.“

Wesentlich amüsanter ist die geschichte des 52-jährigen Kamon, der am großen kreisel Wong Wian Yai in West-Bangkok auf Fahrgäste wartet: „Ich habe mal völlig vergessen einen Fahrgast an sein Ziel zu bringen. Ich habe einfach nicht mehr dran gedacht, dass er da hinten saß und bin einfach zu mir nach Hause gefahren.
Als wir dort ankamen war ich natürlich sehr überrascht und fragte ihn, warum er denn die ganze Zeit nichts gesagt habe. Er antwortete: ‘Ich dachte Sie haben nur schnell was zu erledigen und würden mich danach an mein Ziel fahren‘.

Wie h Tuk-tukoch die Thais die Tuk Tuks schätzen und fast wie ihre eigenen Häuser behandeln zeigt die folgende Anektdote von Fahrer Boonyong, 42: “Einmal stiegen fünf Leute bei mir ein und wollten sich zu einem Restaurant fahren lassen. Alle waren gut angezogen und waren bestimmt Lehrer oder regierungsangestellte. Alle stiegen zügig ein, nur eine Frau brauchte besonders lange. Sie hatte ihre Schuhe ausgezogen und war barfuß eingestiegen. Alle fragten sie, was sie denn da mache und sie lachte nur: ‚Oh ich war gerade etwas durcheinander‘. In thailändischen Haushalten zieht man nämlich auch die Schuhe vor dem betreten aus.
„Das war das erste Mal, dass jemand die Schuhe ausgezogen hat, bevor er in mein Tuk Tuk stieg“, lacht Boonyong.

Auch recht amüsant ist die Geschichte von Fahrer Lert, 53, aus Saphan Kwai. Er war eines Tages gebeten worden eine ältere Chinesin aus dem Krankenhaus abzuholen und nach Yaowarat zu fahren. Die Dame konnte kein Thai und begann ihn plötzlich auf Chinesisch anzuschreien.
„Ich dachte sie sei einfach alt und senile und weil ich sie nicht verstehen konnte ignorierte ich sie. Als wir bei ihrem Haus ankamen, erzählte sie ihrer Familie, was ihr zugestoßen war.
Die Angehörigen fragten ihn, warum er denn nicht gestoppt habe. Die alte Dame habe einfach nur zur Toilette gemusst.
„Als ich dann wieder zu meinem Tuk Tuk kam und hineinsah, war da tatsächlich eine kleine Pfütze auf dem Rücksitz.

Bilder: "Tuk Tuk 2" von Nac Datta ist lizensiert unter CC BY-NC 2.0
           "Tuk-Tuk" von
Viñao ist lizensiert unter CC BY-NC-ND 2.0

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