Beim siebten Picknickkonzert der Main-Philharmonie verbanden sich klassische Musik, Geselligkeit und die Atmosphäre des Seligenstädter Klosters zu einem Abend, an dem die Kunst mitten im Leben ihren Platz fand.
Musik als Teil des Lebens
Das Konzept spricht Menschen nicht allein über die vermeintlich vergeistigte Seite klassischer Musik an, sondern ebenso über das, was sie täglich berührt: Essen, Trinken und Gemeinschaft. Auf der Klosterhofwiese hatten sich die Gäste mit Picknickdecken, Stühlen und vielfältigen Speisen eingerichtet. Trotz freier Platzwahl verlief alles geordnet; sogar Gänge blieben frei.
Das erinnert an eine Zeit, in der die Oper auch gesellschaftlicher Treffpunkt war. Selbst der Ort erzählt davon, dass Geistiges und Alltägliches zusammengehören: Die im 9. Jahrhundert von Einhard gegründete Benediktinerabtei versorgte sich fast tausend Jahre lang mit Gärten, Brunnen, Mühle und Backstube weitgehend selbst.
Ein kleiner Wermutstropfen
Nur die Begrüßung setzte nicht ganz den Rahmen, den dieser professionell vorbereitete Abend verdient hätte. Der Sprecher stellte sich nicht vor und begrüßte den Seligenstädter Bürgermeister zunächst als Bürgermeisterin. Das sorgte für Stirnrunzeln und fiel umso mehr auf, weil Tontechnik und Orchester auf hohem Niveau arbeiteten und kein Patzer auszumachen war. Dirigent Daniel Stratievsky führte trotz hörbar anderer Muttersprache souverän und ohne Versprecher durch das Programm.
Virtuosität und sprachliche Grenzen
Zu Beginn erklang die Ouvertüre aus Carl Maria von Webers „Oberon“, gefolgt von Romanze und Arie „Einst träumte …“ aus dem „Freischütz“. Bei Sopranistin Megan Henry blieb der deutsche Text leider schwer verständlich. Ungewohnt gesetzte oder überbetonte Konsonanten verzerrten die Worte zusätzlich. Wie viel besser ihr das Englische lag, zeigte die Zugabe: In „Summertime“ artikulierte sie freier und klarer.
Ein Glanzpunkt des ersten Programmteils war Shelly Ezra in Webers Klarinettenkonzert Nr. 2 in Es-Dur. Virtuos spielte sie das Instrument in seiner ganzen Bandbreite aus. In Allegro, Andante con moto und Alla polacca entfaltete sie Klangfarben und Beweglichkeit mit einer Freiheit, als entstünden die facettenreichen melodischen Linien erst im Augenblick. Eine solche Leichtigkeit verlangt großes Können.
Der Sommernachtstraum wird Wirklichkeit
Nach der Pause gehörte der Abend Felix Mendelssohn Bartholdy. Aus seiner Schauspielmusik „Ein Sommernachtstraum“ erklangen Ouvertüre, Scherzo, Lied, Intermezzo, Notturno und Marsch. Leichtfüßig, humorvoll und von tiefer Sachkenntnis geprägt erklärte Stratievsky, worauf zu achten war. Einmal verglich er den Komponisten mit einer Katze, die eine schöne Vase mit der Pfote immer näher an den Rand eines Möbelstücks schiebt und so die Spannung erhöht.
Zum Höhepunkt wurde das Notturno. Inzwischen hatten sich Dunst und Wolken vor die anfangs noch erbarmungslos heiße Augustsonne geschoben. Unter einer alten Eiche und Kastanie, im Hof des barocken Klosterensembles, hatte diese Musik ihren richtigen Ort gefunden. Beim Blick durch das Publikum sah man Menschen, die still in den Bann des Orchesters geraten waren. Stratievskys Erläuterungen hatten die Entwicklung der Schauspielmusik nachvollziehbar gemacht, während das Orchester höchste Präzision zeigte.
Mit dem abschließenden Marsch wussten schließlich alle, wo sie musikalisch zu Hause waren: Es war der unvermeidliche Hochzeitsmarsch. Viele dürften ihn hier zum ersten Mal vollständig gehört haben – und nicht nur seine berühmten Anfangstakte.
Ein Abend in Frieden
Beim Blick über die Picknickdecken wurde mir bewusst, wie sinnbildlich dieser Moment für ein Leben in Wohlstand war: mit Essen und Trinken, in Sicherheit und Frieden, an einem jahrhundertealten Kulturort zu sitzen und die Musik eines großen Orchesters sorgenfrei genießen zu können. Das ist nicht selbstverständlich.
So wurde das Picknickkonzert am 16. August 2026 auf der Seligenstädter Klosterhofwiese zu einem Abend, an dem alles Wesentliche zusammenkam: Musik, Ort, Gemeinschaft und die Milde einer Augustnacht. Es war Musik, wo sie hingehört.
Mehr erfahren: Weitere Informationen zur Main-Philharmonie und alle kommenden Konzerttermine gibt es auf www.mainphil.de.