Erkenntnis höherer Wahrheit durch ein Paradoxon - Meine April-Kolumne im GAB-Magazin

jessica purkhardt illuIn Stuttgart die GOK Menarea, in Mannheim die XS Café Bar und in Frankfurt das HALO. Im gab-Land schließen in diesen Wochen gleich mehrere Szene-Läden, die vor Ort jeweils feste Institutionen mit meist jahrzehntelanger Tradition waren.

Aber kein Anlass nun reflexartig ins Wehklagen zu verfallen und den Niedergang der Szene zu beweinen. Denn die Gründe für die Geschäftsaufgaben sind sehr unterschiedlich. Am mangelnden Publikumszuspruch liegt es aber wohl nicht.

Müsste es uns außerdem nicht seltsam vorkommen, wenn für die queere Gastronomie und Ausgeh-Kultur völlig andere Mechanismen gelten würden als für den Rest der Branche? Denn es ist doch gerade die Veränderung, die die Innovationskraft einer Subkultur erhält.

Und tatsächlich vergeht kein Monat, in dem nicht von neuen Partys, Kulturveranstaltungen und Eventabenden für bestimmte Zielgruppen zu lesen und zu hören ist.

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Und ganz grundsätzlich: Ist die Zahl von Bars und Clubs wirklich die einzige Messgröße, an der man die Lebendigkeit von Szene und Communities festmachen kann? Wohl eher nicht.

Vielmehr ist der Grad der LGBT*-Selbstorganisation so erstaunlich, dass ich oft bewundernd den Kopf schütteln muss, wenn ich sehe, was alles von neuen Gruppen aus dem Nichts aber mit viel Engagement und Kreativität auf die Beine gestellt wird. Darunter vieles, was es bislang so nicht gab und was vielleicht auch gar nicht möglich war. Vor diesem Hintergrund kann von Niedergang keine Rede sein. Sondern von Aufbruch.

Geschminkte Unwahrheiten - Meine März-Kolumne im GAB-Magazin

Zwische den ZeilenNatürlich steht noch nichts fest. Aber auch dieses Jahr wird es sich keineswegs um einen „Muckser“ handeln. Zwar stammt von dem ebendies bedeutenden vulgärlateinischen Wort muttum unser heute gebräuchliches Wörtchen Motto ab, aber die Bedeutung ist doch wohl eine andere.
In der Gegenwart verstehen wir vielmehr einen Wahl- oder Leitspruch darunter. Einen Slogan, vielleicht sogar einen Schlachtruf. Also eine schlagwortartige, programmatische Aussage, die eine Veranstaltung charakterisieren und prägen soll.

Derart über Wurzel und Bedeutung des Wortes belehrt, können wir die Aufgabe des Monats angehen: Ein Motto für den diesjährigen Frankfurter CSD zu ersinnen. Förderlich für diesen kreativen Prozess ist es zu wissen, dass die Pride-Veranstaltung der Mainmetropole in diesem Jahr ihr 25. Jubiläum begeht.

Bevor wir nun aber im Drogeriemarkt die Grußkartenständer auf der Suche nach einem spaßigen Geburtstagsspruch schwindlig drehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass die 25-Jahr-Feier auch in einem Jahr stattfindet, in dem das Brexit-Trauerspiel unweigerlich seinen Lauf nimmt und auf der anderen Seite des Atlantiks ein neo-absolutistischer Herrscher allen Befürchtungen gerecht wird.
Und auch bei uns steht ja mit dem Urnengang zur Bundestagswahl eine bedeutsame Entscheidung an.
Wer dieses Spannungsfeld nun glaubt in einem griffigen Motto gebannt zu haben, möge es bis zum 12. März auf der Website des Frankfurter CSD-Vereins einreichen.

Hexerei - Meine Februar-Kolumne im GAB Magazin

Zwischen den Zeilen - Die Februar Kolumne von Jessica PurkhardtAuch wer nach dem Jahreswechsel mit noch ungebrochener Entschlusskraft die meist gleichen aber jährlich neu gefassten guten Vorsätze verfolgt und die Glatteis-Tage der ersten Wochen mit ebenfalls ungebrochenem Steiß durchstanden hat, muss sich der beinahe unausweichlichen Tatsache bewusst sein, auch im Jahr 2017 zwischen zwei- und fünfmal erkältet zu sein. Zu 80 Prozent auch mit Schnupfen.
Um das vorherzusagen muss man keine Glaskugel bemühen sondern lediglich die mitleidslose Statistik.

Hier ist es wichtig zu wissen, dass das Übertragen sowohl von Urlaubstagen als auch Pflichterkältungen ins neue Jahr eigentlich nicht vorgesehen ist, Ausnahmeregelungen aber möglich sind.
Wer also wie die Verfasserin dieser Zeilen schon vor dem Jahreswechsel vorgearbeitet und die erste Malaise in vorauseilender Duldsamkeit schon in der Adventszeit abgeleistet hat, konnte zwar den Vorzug genießen, neben bewährten Hausmitteln wie Hühnerbrühe und einschlägigen Erkältungsmittelchen auch auf hochdosierten weihnachtlichen Blätterkrokant zur Selbsttherapie zurückgreifen zu können, bekommt es aber vielleicht gar nicht angerechnet.

Vor der unumstößlichen Aussicht, dass auch im neuen Jahr wieder an jeder Türklinke und bei jedem Begrüßungsküsschen eine oder gleich mehrere der rund 200 bekannten Erkältungsviren lauern könnten, ist es deshalb ein gutes Gefühl, einiges doch auch noch selbst in der Hand zu haben.

Frohes Neues - Meine Januar-Kolumne im GAB Magazin

Ziwschen den ZeilenWendet man sich neuerdings an der Frankfurter Konstablerwache stehend dem schwulen Bermudadreieck zu, wird man mit freudiger Erleichterung feststellen können, dass die beharrliche Baustelle in der Großen Friedberger Straße verschwunden ist und sich zu einer Wegebeziehung gewandelt hat, die ich in der ersten Euphorie schon beinahe als Boulevard bezeichnen wollte.

Nicht nur, dass die mehrjährigen Tiefbauarbeiten die Einrichtung der Infostraße des Christopher-Street-Days an dieser Stelle in den letzten Jahren verunmöglicht und eines der Haupteinfallstore in die Szene zu einem Nadelöhr gemacht haben.

Die gelegentlich im Wochentakt wechselnden Absperrungen und Wegeführungen erschwerten es Geschöpfen wie mir, die ihre Orientierung im Wesentlichen aus dem Magnetfeld der Erde und dem Stand der Gestirne beziehen, beim ersten Versuch den Eingang zur Szene-Bar Lucky's zu erreichen. Einmal misslang dies sogar völlig.

Große Lebenszufriedenheit von transsexuellen und transidenten Menschen trotz Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen

Pressemitteilung von Broken Rainbow e.V.

Eine vom Verein Broken Rainbow beauftragte Studie zur Lebenssituation von transsexuellen/transidenten Menschen zeigt, dass ungeachtet tagtäglicher Erfahrungen von Diskriminierungen und Gewalt transsexuelle Menschen eine sehr große Lebenszufriedenheit haben; das trifft besonders für diejenigen zu, die in ihrem eigentlichen Geschlecht „angekommen“ sind. Die Lebenszufriedenheit ist sogar höher als bei denjenigen Menschen, die das gleiche Alter und Bildungsniveau aufweisen, aber eben nicht transgeschlechtlich sind.

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