Reisetagebuch-alt

Video: Bergwandern in den japanischen Alpen

Egal auf welcher Höhe - schwül war es immer. Und bekanntermaßen lieben Fliegen und Stechmücken verschwitzte Haut. Die hatte ich bei meiner Wanderung durch den Bergwald der japanischen Alpen schon nach wenigen Höhenmetern zu bieten.

Die Tour begann im Nordosten der Stadt Matsumoto, wo ich ein nettes Hostel im japanischen Stil bewohnte. Unweit davon liegen zwei Shinto-Schreine mit leuchtend roten Torii-Portalen im Wald verborgen. Weiter bergauf führt der Weg durch einen dichten Bambus-Hain, wo zu den Mückenstichen auch noch einige Schnitte von den Bambusblättern hinzu kamen. In Kombination mit verschwitzter Haut brennt das besonders schön. 
Üblicherweise nehme ich auf Reisen immer mein bewährtes Allzweckhemd mit. Für Japan schien es mir überflüssig, dabei hätte ich es gerade in dem Dickicht der heisigen Bergpfade gut gebrauchen können.

In fremden Ländern finde ich es immer interessant, mich in Baumärkten und Haushaltswarenläden umzusehen, denn das Angebot dort sagt viel über den Alltag und die besonderen Bedürfnisse einer Region und ihrer Menschen aus. Im größten Haushaltswaren-, Werkzeug- und Baumarkt Tokios hatte ich bereits eine Sichel zum Bambus und Gras schneiden erworben. Als Andenken, ohne zu ahnen, dass sie sich ein paar Tage später als praktisch erweisen würde. Natürlich nicht um mir im Wald den Weg frei zu hacken. Vielmehr um stachelige Zweige beiseite zu halten und um die zahlreichen Spinnennetze auf meinem Weg zu durchbrechen, ohne sie an mir kleben zu haben.

{flickr photo=48257844177 align=right}Je weiter ich nach oben stieg, um so mehr veränderte sich der Wald. Fortan prägten Kiefern und teilweise sehr alte Zedern meine Umgebung.
Außer den Zikaden, die im Bambushain und am Schrein beinahe ohrenbetäubenden Lärm gemacht hatten, den Mücken und wenigen Vögeln begegnete ich keinen Tieren. Auch keinen Menschen, obwohl immer mal wieder Stimmen zu mir heraufdrangen, so dass ich meinte, hinter der nächsten Wegbiegung auf andere Wanderer zu treffen.

Gerade als der für den Nachmittag angekündigte Regen einsetzte, hatte ich den Abstieg vom Bergrücken beendet und traf wieder auf einen Vorort von Matsumoto. Bevor es richtig zu schütten begann, hatte ich eine Schale frittierter Hühnerstreifen auf Reis verzehrt, eine Miso-Suppe und grünen Tee geschlürft. Während die ersten dicken Tropfen auf meinen Wanderhut niedergingen erreichte ich mein Hostel.
Dort im Keller genoß ich den Luxus eines Onsen-Thermalbades um die Muskeln zu entspannen und saß danach gerne am halboffenen Papier-Schiebefenster meines Zimmers, hörte den Regen prasseln und schnitt das Video meiner Wanderung zusammen.

Matsumoto: In den japanischen Alpen

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Jessica Welt

Seit etwa drei Jahren lasse ich auf meinen Reisen einen GPS-Tracker mitlaufen und füge alle zurückgelegten Routen in diese Karte ein. Strecken, die ich auf dem Landweg zurückgelegt habe, kennzeichne ich orange, welche, die ich zu Fuß gelaufen bin in grün und die, die ich auf dem Wasser per Boot oder Schiff bewältigt blau.

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