Unter Segeln durch die Kykladen

Unter Segeln durch die Kykladen

Blaues Wasser, kräftiger Wind und Ankerplätze zwischen felsigen Inseln: Mein Segeltörn rund um Paros führte mich mit der SIMEON nach Sifnos, Antiparos und Naoussa. Als Skipperin erlebte ich eine Reise mit herrlichen Segeltagen und einer Nacht, in der es auf jede helfende Hand ankam.

Aufbruch in Parikia

In Parikia, dem Hafenort auf Paros, begann mein Törn durch die Kykladen. Die Crew reiste individuell an – mit dem Flugzeug oder mit der Fähre vom Athener Fährhafen Piräus. An Bord der SIMEON kamen wir zusammen. Mit den meisten war ich bereits im vergangenen Jahr gesegelt. Wir kannten uns und fanden schnell wieder in den gemeinsamen Bordalltag.

Die erste Etappe führte uns um die Nordspitze von Antiparos und anschließend auf Südwestkurs nach Sifnos. Auf Raumschotkurs, mit dem Wind schräg von hinten, blieb Gelegenheit, die SIMEON kennenzulernen. Wie reagierte sie am Ruder? Wie liefen die Handgriffe beim Segelsetzen und Trimmen? Während Paros hinter uns zurückblieb, machten wir uns mit dem Boot vertraut.

Als Skipperin der Segelyacht SIMEON im Hafen von Parikia

Die Manöver gingen wir gemeinsam an. Als Skipperin gab ich vor allem deren Ablauf vor; die Aufgaben am Ruder, an den Schoten und am Anker verteilten wir innerhalb der Crew.

Kurs auf die Bucht von Vathi

Am frühen Nachmittag rundeten wir den Süden von Sifnos. Unser Ziel war Vathi, eine beinahe kreisrunde Bucht mit einer schmalen Einfahrt und hohen Felshängen ringsum.

Für die Nacht waren starke Böen angekündigt. Deshalb hatte ich mich für diesen als geschützt geltenden Ankerplatz entschieden. Die Bucht schirmte uns gegen den Seegang ab. Wie heftig der Wind von den Hängen herunterfallen würde, zeigte sich erst in der Nacht.

Die Kykladen verlangten vorausschauende Entscheidungen. Der Meltemi, der in der warmen Jahreszeit vorherrschende Wind aus nördlichen Richtungen, bestimmte unsere Planung mit. Ein einladender Ankerplatz musste auch zum erwarteten Wetter passen. In Vathi erlebte ich sehr unmittelbar, dass ruhiges Wasser und ein ruhiger Liegeplatz zwei unterschiedliche Dinge sein konnten.

Als der Anker nicht mehr hielt

In der Nacht rissen heftige Fallböen an der SIMEON. Der Anker rutschte. Wir mussten das Boot sichern und erneut ankern.

Beim Aufholen sprang die Kette von der Ankerwinde. Rund 80 Meter Kette rauschten aus. Die Situation verschärfte sich, während sich das Boot im Bereich der Buchteinfahrt befand.

Wir setzten einen Pan-Pan-Ruf ab und sicherten uns mit Rettungswesten und Lifebelts. Mit Maschinenkraft hielten wir die SIMEON von den Felsen fern, während wir daran arbeiteten, die Ankerwinde wieder funktionsfähig zu bekommen.

Diese Nacht verlangte Kraft, Konzentration und Durchhaltewillen. Die Crew packte an, suchte nach Lösungen und hielt durch. Als Skipperin trug ich die Verantwortung, aber bewältigen konnten wir die Situation nur gemeinsam.

Schließlich gelang es, die Winde wieder in Gang zu bringen und das Boot zu sichern. Niemand wurde verletzt, die SIMEON blieb unbeschädigt. Die Erleichterung war groß.

Eine notwendige Pause in Kamares

Nach dieser Nacht liefen wir Kamares an, den Hafenort an der Westküste von Sifnos. Das Anlegemanöver gelang wie aus dem Lehrbuch. Nach den anstrengenden Stunden war es wohltuend, das Boot ordentlich festzumachen und erst einmal durchzuatmen.

Der Zwischenfall hatte auch ein behördliches Nachspiel. Mit dem Eigentümer und der Hafenbehörde waren Formalitäten zu klären; das Boot wurde vorübergehend beschlagnahmt. Wir kooperierten mit den zuständigen Stellen.

Einen Tag wurden wir grundlos im Hafen von Kamares festgehalten
Einen Tag lang wurden wir im Hafen von Kamares auf Sifnos festgehalten

Zudem sollte der Wind weiter auffrischen. Eine Pause im Hafen war deshalb ohnehin sinnvoll. Wir füllten den Wassertank und unsere Vorräte auf, schlossen Landstrom an und luden die Batterien der SIMEON.

Der Großteil der Crew nutzte die Unterbrechung, um Sifnos mit dem Mietauto zu erkunden. Hoch über Kamares stand die Kapelle Agios Symeon. Dass sie denselben Namen trug wie unser Boot, war eine schöne Verbindung zwischen dem Hafen und dem Berg darüber.

Mit gerefften Segeln zurück nach Antiparos

Nach der Pause ging es weiter. So sauber, wie das Anlegen gelungen war, klappte auch das Ablegen. Wir nahmen Kurs um den Süden von Sifnos. Anschließend lag ein langer Schlag über die offene Ägäis vor uns, zurück Richtung Antiparos.

Der Wind kam von achtern, die Segel waren gerefft. Die SIMEON machte zeitweise acht Knoten Fahrt. Das Boot lief zügig, die Crew arbeitete zusammen, und vor dem Bug lag blaues Wasser bis zur nächsten Insel. Ich genoss diesen langen Schlag.

Nach der belastenden Nacht in Vathi tat dieser Segeltag besonders gut. Die gemeinsamen Abläufe waren inzwischen vertraut, und die SIMEON zeigte, wie viel Freude sie unter Segeln machen konnte.

Ein Abend in der Piratenbucht

Unser nächstes Ziel war Ormos Despotiko, die „Bucht von Despotiko“, zwischen dem Südwesten von Antiparos und der vorgelagerten Insel Despotiko. An Bord nannten wir sie die „Piratenbucht“.

Wir bereiteten das Ankermanöver vor und führten es ruhig und kontrolliert durch. Wir fanden einen guten Platz und prüften sorgfältig, ob der Anker hielt. Nach Vathi hatte diese Routine für mich noch einmal an Bedeutung gewonnen.

Mit dem Beiboot ging es an Land zu den Fischtavernen im Süden von Antiparos. Nach dem langen Schlag saßen wir gemeinsam beim Abendessen. Für die Nacht kehrten wir auf die SIMEON zurück.

Präzisionsarbeit zwischen zwei Inseln

Nach dem Frühstück holten wir den Anker auf und setzten bald die Segel. Zunächst kreuzten wir vor Antiparos. Dann stand eine Passage an, die unsere volle Aufmerksamkeit verlangte: die Fahrt nach Norden durch die Untiefen zwischen Antiparos und Paros.

Unter Motor folgten wir der engen Fahrrinne. Für Abweichungen blieb wenig Spielraum. Während ein Crewmitglied steuerte, hielten andere Ausschau, kontrollierten unsere Position auf der Seekarte und überwachten den Kurs. Alle waren beteiligt.

Hinzu kamen zahlreiche Kitesurfer. Sie zogen mit hohem Tempo über das Wasser und kreuzten immer wieder unseren Weg. Zwischen der Navigation durch die flachen Stellen und dem Blick auf die anderen Wassersportler gab es für alle genug zu tun.

Die Passage gelang ohne Probleme. Als wir wieder tieferes Fahrwasser erreichten, ging es an Parikia vorbei und weiter um die Nordspitze von Paros.

Naoussa durfte nicht fehlen

Bevor ich Paros wieder verließ, wollte ich unbedingt Naoussa besuchen. Deshalb führte unsere Route in die große Bucht im Norden der Insel.

Außerhalb der Marina fanden wir einen Ankerplatz. Die lange Ankerkette der SIMEON kam uns dabei zugute. Inzwischen waren die Handgriffe gut eingespielt, und die Erfahrungen der vergangenen Tage flossen in das Manöver ein.

Mit dem Dinghi setzten wir in zwei Gruppen über. Ich flanierte mit der Crew durch den Ort, aß griechische Grillgerichte und genoss den letzten gemeinsamen Landgang des Törns. Wir ergänzten unsere Vorräte und kehrten für eine ruhige Nacht vor Anker an Bord zurück.

Zum Abschied blieb der Wind aus

Die letzte Etappe führte zurück nach Parikia. Ich wollte sie gern unter Segeln zurücklegen. Wir setzten die Segel, probierten verschiedene Einstellungen und fuhren weiter aufs offene Meer hinaus, in der Hoffnung, dort mehr Wind zu finden.

Doch diesmal fehlte ausgerechnet das, was uns zuvor so reichlich beschäftigt hatte. Der Wind reichte nicht.

Schließlich bargen wir die Segel und legten den restlichen Weg unter Motor zurück. In Parikia gaben wir die SIMEON wohlbehalten zurück. Auch die Ausgaben blieben im vorgesehenen Budgetrahmen.

Auch ein alkoholfreies Anlegerbier macht gute Laune

Von diesem Törn nahm ich viele schöne Bilder mit: die felsige Einfahrt von Vathi, den Blick auf Sifnos, die schnelle Fahrt nach Antiparos und den Abend in Naoussa. Besonders blieb mir aber die Erfahrung dieser einen Nacht. Als Skipperin hatte ich erlebt, wie viel wir gemeinsam bewältigen konnten. Ich wusste am Ende noch genauer, dass ich mich auf die Menschen an meiner Seite verlassen konnte.