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Carsten Linnemann ist neuer Gesundheitsminister. Warum jetzt weniger Krankenkassen, weniger Bürokratie und echte Strukturreformen wichtiger sind als höhere Beiträge.

Neuer Gesundheitsminister: Carsten Linnemann muss jetzt an die Strukturen ran

Steigende Krankenkassenbeiträge bedeuten für Millionen Menschen vor allem eines: weniger Netto vom Brutto. Wer Beschäftigte, Rentner und Unternehmen immer stärker belastet, ohne die Strukturen des Gesundheitssystems grundlegend zu reformieren, löst jedoch kein Problem. Carsten Linnemann muss als neuer Gesundheitsminister deshalb dort ansetzen, wo seit Jahren Milliarden in parallele Verwaltungen fließen.

Beitragserhöhungen sind die bequemste Antwort auf die Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Versicherten zahlen mehr, die Arbeitgeber zahlen mehr – und das System bleibt weitgehend unverändert.

Verantwortungsvolle Gesundheitspolitik sieht anders aus.

Bevor erneut in die Geldbeutel der Menschen gegriffen oder bei der medizinischen Versorgung gespart wird, müssen die Verwaltungsstrukturen auf den Prüfstand.

Diese Reformen sind jetzt nötig

Mein Vorschlag für eine grundlegende Neuordnung:

  • die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen auf höchstens fünf reduzieren,
  • parallele Verwaltungen, Vorstände und Geschäftsstellen zusammenlegen,
  • gemeinsame IT-Systeme und einheitliche digitale Verfahren schaffen,
  • Werbe-, Immobilien- und Beschaffungskosten senken,
  • unnötige Dokumentationspflichten und Mehrfacherfassungen abschaffen,
  • zuerst bei Bürokratie und Doppelstrukturen sparen – nicht bei Praxen, Kliniken, Pflege und Psychotherapie.

Warum brauchen wir 93 Krankenkassen?

Deutschland verfügt derzeit über 93 gesetzliche Krankenkassen. Jede von ihnen unterhält eigene Vorstände, Verwaltungsräte, Geschäftsstellen, Personalabteilungen, IT-Systeme, Marketingstrukturen und Einkaufsorganisationen.

Dabei ist der größte Teil der gesetzlichen Leistungen für alle Versicherten vorgeschrieben und weitgehend identisch.

Natürlich braucht eine Krankenversicherung Verwaltung. Aber es ist schwer zu erklären, warum viele Aufgaben 93-mal organisiert werden müssen.

Die Nettoverwaltungskosten der gesetzlichen Krankenkassen lagen 2024 bei rund 12,6 Milliarden Euro. Das entspricht zwar nur knapp vier Prozent der gesamten GKV-Ausgaben. Trotzdem ist es ein erheblicher Betrag, der nicht einfach als unveränderbar hingenommen werden darf.

Ein Vorschlag: höchstens fünf Krankenkassen

Deutschland braucht eine grundlegende Neuordnung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen sollte auf höchstens fünf reduziert werden. Denkbar wäre auch eine starke gemeinsame gesetzliche Krankenversicherung neben den privaten Krankenversicherungen.

Durch Zusammenlegungen könnten parallele Verwaltungen, IT-Kosten, Immobilien, Werbung und Beschaffung erheblich reduziert werden. Digitale Prozesse ließen sich leichter vereinheitlichen und Entscheidungen schneller umsetzen.

Eine solche Reform würde nicht sämtliche Finanzprobleme lösen. Die notwendigen Verwaltungsaufgaben verschwinden schließlich nicht durch Fusionen. Aber sie würde klären, welche Strukturen tatsächlich gebraucht werden – und welche nur deshalb weiterbestehen, weil sie historisch gewachsen sind.

Nicht zuerst bei der Versorgung sparen

Gespart werden muss zunächst im System und nicht bei den Menschen, die es finanzieren oder auf seine Leistungen angewiesen sind.

Kürzungen bei Arztpraxen, Krankenhäusern, Pflege und Psychotherapie verschärfen bereits bestehende Probleme. Schon heute fehlen Fachkräfte, Therapieplätze und medizinische Angebote. Weitere Einschnitte führen zu längeren Wartezeiten und schlechterer Versorgung.

Auch Digitalisierung allein reicht nicht. Ein kompliziertes Verfahren wird nicht besser, nur weil das Formular künftig am Computer ausgefüllt wird. Nötig sind gemeinsame technische Standards, weniger Mehrfacherfassungen und die Abschaffung unnötiger Dokumentationspflichten.

Linnemann muss seinen Worten Taten folgen lassen

Carsten Linnemann hat die hohe Zahl der Krankenkassen und den damit verbundenen Verwaltungsaufwand selbst kritisiert. Nun übernimmt er die politische Verantwortung für das Gesundheitssystem.

Er muss jetzt zeigen, ob er den Mut zu einer echten Strukturreform besitzt.

Deutschland braucht weniger Bürokratie, schlankere Verwaltungen, einheitliche digitale Systeme und eine effizientere Verwendung der Beiträge.

Wer immer höhere Beiträge verlangt, ohne die Strukturen anzutasten, saniert das Gesundheitssystem nicht. Er schickt den Versicherten lediglich die Rechnung.