Seit Wochen kämpfe ich gegen die Trauermücken in meinen Zimmerpflanzen – jetzt habe ich mit Nematoden endlich eine biologische Lösung gefunden.
Seit Wochen kämpfe ich gegen die Trauermücken in meinen Zimmerpflanzen – jetzt habe ich mit Nematoden endlich eine biologische Lösung gefunden.

Trauermücken besiegen – mit lebenden Helfern

Seit Wochen breiten sich Trauermücken in meinen Zimmerpflanzen aus. Klebefallen helfen kaum – doch jetzt habe ich eine überraschende Lösung gefunden.

Trauermücken in Zimmerpflanzen: Warum Gelbtafeln nicht ausreichen

Sie sind winzig, schwarz und ausgesprochen lästig: Trauermücken steigen aus der Blumenerde auf und fliegen einem bevorzugt vor der Nase herum. Bei mir begann die Plage vermutlich mit einer schönen Forellenbegonie aus dem Gartencenter. Inzwischen haben die kleinen blinden Passagiere fast alle meine Zimmerpflanzen erobert.

Ein blinder Passagier aus dem Gartencenter

An meiner Forellenbegonie hatte ich lange viel Freude. Doch irgendwann stiegen immer mehr winzige schwarze Fliegen aus ihrem Blumentopf auf. Zunächst hielt ich sie für Fruchtfliegen. Dann fand ich heraus, dass es sich um Trauermücken handelte.

Die Begonie ging schließlich ein. Ob die Trauermücken allein dafür verantwortlich waren, kann ich nicht sagen. Verschwunden waren sie mit der Pflanze jedenfalls nicht. Sie waren längst weitergereist – von einem Blumentopf zum nächsten.

Besonders betroffen ist inzwischen eine schöne Rankenpflanze, die bereits mehrere Meter weit durch mein Wohnzimmer gewachsen ist. Diese Pflanze möchte ich auf keinen Fall verlieren. Doch mittlerweile haben sich die Trauermücken auch auf meine übrigen Zimmerpflanzen ausgebreitet. Einige Töpfe musste ich bereits ins Freie stellen, weil mir ständig kleine schwarze Fliegen vor der Nase herumflogen.

Warum werden Trauermücken immer mehr?

Trauermücken sind kein neues Phänomen. In Wohnungen finden sie jedoch nahezu ideale Bedingungen: gleichmäßige Wärme, feuchte Blumenerde und organisches Material, von dem sich ihre Larven ernähren.

Die erwachsenen Trauermücken leben oberhalb der Erde. Ihre Eier legen sie jedoch in das feuchte Substrat. Dort entwickeln sich die Larven, die sich vor allem von Pilzen und abgestorbenem organischem Material ernähren, aber auch feine Pflanzenwurzeln anfressen können.

Unter günstigen Bedingungen entsteht innerhalb weniger Wochen eine neue Generation. Stehen viele Pflanzen dicht beieinander, wird aus einem einzelnen befallenen Topf schnell eine ganze Inselkette, über die sich die Trauermücken im Wohnzimmer ausbreiten.

 

Gelbkarten zeigen das Problem – lösen es aber nicht

Im Gartenmarkt kaufte ich zunächst sogenannte Gelbkarten. Das sind gelbe, mit Leim beschichtete Tafeln, die in die Blumenerde gesteckt werden. Die Farbe lockt die erwachsenen Trauermücken an, die daran kleben bleiben.

Dadurch konnte ich vor allem feststellen, wie erheblich die Plage inzwischen geworden war. In manchen Töpfen stecken mehrere Gelbkarten, die mittlerweile dicht mit toten Trauermücken bedeckt sind.

Gelbkarten können die Zahl der erwachsenen Tiere verringern und verhindern, dass ein Teil von ihnen weitere Eier legt. Sie erreichen aber weder die Eier noch die Larven in der Erde. Solange dort immer neue Trauermücken heranwachsen, füllen sich die Karten deshalb weiter.

Warum Insektenspray bei mir nicht geholfen hat

Ich versuchte zunächst auch, die Trauermücken mit Insektengift zu bekämpfen, und sprühte damit immer wieder die Oberfläche der Blumenerde ein. Nach meiner Erfahrung hat das wenig gebracht. Die sichtbaren Fliegen wurden vielleicht teilweise getroffen, die eigentliche Brut saß jedoch weiterhin im Topf.

Insektizide sollte man außerdem nicht wahllos oder häufiger als zugelassen in die Erde sprühen. Je nach Wirkstoff können Rückstände auch Nützlinge beeinträchtigen. Wer anschließend Nematoden einsetzen möchte, sollte deshalb unbedingt prüfen, ob das zuvor verwendete Mittel mit ihnen verträglich ist und welche Wartezeit der Hersteller empfiehlt.

Nematoden: Biologische Helfer gegen die Larven

Die nachhaltigere Lösung sind sogenannte Nematoden. Dabei handelt es sich um mikroskopisch kleine Fadenwürmer. Gegen Trauermücken wird vor allem die Art Steinernema feltiae eingesetzt.

Die Nematoden werden lebend geliefert, mit Wasser vermischt und anschließend über das Gießwasser in die befallene Blumenerde eingebracht. Dort suchen sie gezielt nach den Larven der Trauermücken. Sie dringen in die Larven ein und geben symbiotische Bakterien ab, durch die diese innerhalb weniger Tage absterben.

SF-Nematoden von Plantura gegen Trauermücken
Die von mir verwendeten SF-Nematoden von Plantura gegen Trauermücken können hier mit einem Klick bei Amazon gekauft werden. Bildnachweis: Plantura/Amazon.

 

Für Menschen, Haustiere und Pflanzen sind die dafür angebotenen Nematoden bei sachgemäßer Anwendung ungefährlich. Sie wirken gezielt im Substrat und bekämpfen genau den Teil des Problems, den Gelbkarten nicht erreichen.

Da Nematoden Lebewesen sind, müssen sie richtig behandelt werden. Sie sollten nach der Lieferung möglichst schnell verwendet werden. Die Erde muss während der Behandlung gleichmäßig feucht bleiben, darf aber nicht völlig vernässt werden. Außerdem sind die Temperaturangaben und Anwendungshinweise des jeweiligen Produkts zu beachten.

So kombiniere ich Gelbkarten und Nematoden

Bei einem stärkeren Befall ist eine Kombination sinnvoll:

  1. Die Gelbkarten bleiben in den Töpfen und fangen weiterhin erwachsene Trauermücken ab.
  2. Alle befallenen und benachbarten Pflanzen werden gleichzeitig mit Nematoden gegossen.
  3. Die Blumenerde bleibt in der folgenden Zeit leicht feucht, damit sich die Nematoden darin bewegen können.
  4. Staunässe und unnötig häufiges Gießen werden vermieden.
  5. Neue Pflanzen beobachte ich künftig zunächst besonders aufmerksam, bevor ich sie zwischen die übrigen Zimmerpflanzen stelle.

Die Gelbkarten bekämpfen damit die sichtbaren erwachsenen Tiere, während die Nematoden gegen die Larven in der Erde vorgehen. Da noch bereits verpuppte Trauermücken schlüpfen können, ist die Plage nicht unbedingt sofort verschwunden. Entscheidend ist, dass der Vermehrungszyklus in den Blumentöpfen unterbrochen wird.

 

Die weiteste Reise führte nur bis ins Wohnzimmer

Woher meine ersten Trauermücken tatsächlich kamen, lässt sich nicht mehr beweisen. Sehr wahrscheinlich reisten sie als Eier oder Larven in der Erde meiner Forellenbegonie aus dem Gartencenter mit nach Hause.

Von dort zogen sie weiter – erst in meine große Rankenpflanze und schließlich in fast alle übrigen Blumentöpfe. Eine erstaunlich erfolgreiche Reise für ein Insekt, das selbst nur wenige Millimeter groß ist.

Nun sollen ausgerechnet noch kleinere Lebewesen diese Reise beenden: Millionen winziger Nematoden, die in der Erde auf die Jagd gehen. Ich hoffe, dass meine Zimmerpflanzen danach wieder das Einzige sind, was sich in meinem Wohnzimmer ausbreitet.