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Queer als Marke - Meine Februar-Kolumne im Gab-Magazin

jessica purkhardt illuIst queer sein in? Um diese Frage zu beantworten wäre zunächst zu klären, was queer bedeutet. Um das zu leisten, müsste diese Kolumnenspalte jedoch mehrere Meter nach unten verlängert werden. Die Lebensrealität zeigt jedenfalls, dass queer und LGBTIQ* nicht zwangsläufig deckungsgleich sein müssen. Beispielsweise haben viele Schwule, Lesben und transidente Menschen für sich einen Lebensentwurf gewählt, der von Queerness im Sinne der Wortbedeutung (leben und lieben jenseits der Mehrheitsgesellschaft) deutlich entfernt liegt. Anderseits leben und lieben viele Menschen sehr anders als die Mehrheitsgesellschaft, durchkreuzen Normen, stehen aber dennoch fest auf dem Boden von Heterosexualität und Cisgeschlechtlichkeit. Zu LGBTIQ* zählen sie genau genommen also nicht. Queer sind sie aber ohne Frage.

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Corona-Virus vs. Krone der Schöpfung - Meine April-Kolumne im Gab-Magazin

jessica purkhardt illu„Küsschen, Küsschen!“ – „Lieber nicht.“ Es muss schon viel passieren, damit auf das Begrüßungsritual der schwulen Szene landauf, landab verzichtet wird. Ein Fledermausvirus, das sich auf einem Lebensmittelmarkt in der chinesischen Provinz den Menschen als neuen Wirt aussuchte, hat es dennoch geschafft. Nicht, dass wir nicht auch vorher schon in die Ellenbeuge gehustet und geniest hätten. Nur halt oft nicht in die eigene. Aber während weite Teile der Bevölkerung Klopapier horten und aus Angst vor dem Hungertod in Quarantäne notgedrungen sogar die bislang verschmähten Vollkornnudeln aufkaufen, zeigt sich die Szene vollkommen unpanisch. Das mag damit zusammen hängen, dass die Selbstbezeichnung „gay“ (lebenslustig, unbekümmert) nicht von ungefähr kommt.

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Neues Brauchtum aus dem Silicon Valley - Meine März-Kolumne im Gab-Magazin

jessica purkhardt illuDer Name des einen lässt sich zumindest für die hiesigen Zungen gut aussprechen, der des anderen ist dagegen vergleichsweise sperrig. Beiden gemein ist – neben ihrer Homosexualität – die mutmaßlich vergebliche Anwartschaft auf einen politischen Spitzenposten ihres Landes.
Sowohl der deutsche Jens Spahn als auch der US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Pete Buttigieg mussten sich dabei mit mal mehr, mal weniger subtilen homophoben Ressentiments herumschlagen.
Hierzulande sorgte sich die Boulevardpresse, ob denn Spahns christdemokratische Partei „modern genug für einen schwulen Kanzler“ sei. Auf der anderen Seite des Atlantiks fürchteten Kommentatoren derweil um die seelische Zerrüttung von Kindern und Jugendlichen durch einen Präsidenten Buttigieg, der gelegentlich mal seinen Ehemann küsst.
Ob Homosexualität in Deutschland und den USA des Jahres 2020 noch immer ein Ausschlusskriterium für die Ausübung eines politischen Führungsamtes ist, wird sich zeigen. Außerdem gibt es natürlich noch zahlreiche andere Merkmale, die für eine Niederlage im politischen Wettstreit ausschlaggebend sein können. Umgekehrt zeigt der Abgang der CDU-Parteivorsitzenden Kramp-Karrenbauer ein wenig, dass man auch mit wiederholten kritischen Äußerungen gegenüber gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und plumpen Fastnachts-Witzchen über geschlechtliche Vielfalt langfristig keinen Blumentopf gewinnen konnte.

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Zwanzig-Zwanzig - Meine Januar-Kolumne im GAB-Magazin

jessica purkhardt illuNun ist es 2020. Nach den Erwartungen, die man in den 1950er Jahren an unsere Gegenwart gerichtet hatte, sollten wir heute Morgen alle mit Raketenrucksäcken zur Arbeit geflogen sein. Stattdessen bewegen wir uns auf Elektro-Rollern fort, dir wir nach Gebrauch dem Nachbarn vor die Haustür werfen und die nach wenigen Monaten ihre Lebensdauer erschöpft haben. Darüber hinaus verfügen wir über Telefone, mit denen wir sowohl uns als auch unser Essen hochauflösend fotografieren können. Oftmals fällt das ästhetische Werturteil bei Aufnahmen von Mensch und Mittagessen allerdings gleich aus.Der Bildungssender ARD alpha, den die allermeisten von uns in den hohen zweistelligen Senderplätzen abgespeichert haben, widmete sich unlängst einen Abend lang den Visionen und Erfindungen, von denen man sich früher versprach, dass sie die Zukunft prägen würden.
Fest überzeugt war man zum Beispiel in einem Beitrag von 1969, dass der Individualverkehr heutzutage in einzelnen Kabinen einer Magnetschwebebahn organisiert sein würde.
Niemand ahnte damals, dass die wesentlichste Erfindung jener Jahre nicht der Ingenieurskunst der bodengebundenen Mobilität entstammen werde, sondern der Raumfahrt.
So freuen wir uns heute tagein tagaus über die daraus hervorgegangene Anti-Haft-Beschichtung aus Teflon, die zumindest unsere Pfannengerichte tadellos aussehen lässt.

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