Der Hammering Man in Seattle – ein beeindruckendes Symbol für Arbeit und Industrie, festgehalten während meiner Reise durch diese faszinierende Stadt

Postkartenzauber: Vom Schreiben in der digitalen Ära und der Grenzüberquerung nach Kanada

Seattle - Heute Morgen kann ich es entspannt angehen lassen, denn ich muss erst um viertel vor elf wieder am Bahnhof von Seattle in der King Street Station sein. Das lässt mir Zeit endlich meine Postkarten zu schreiben. Heute schickt man über WhatsApp, Facebook und Instagram Bilder in Echtzeit nach Hause. Die Follower können also live mitreisen.

Vor drei Wochen habe im am Atlantik in Rhode Island meine Reise. Nun bin ich in Seattle am Pazifik angekommen. Ich habe also nun die USA auf dem Landweg durchquert!

Seattle - Angekommen am Pazifik

Es ist die erste Nacht in der Horizontalen, nachdem ich die letzten drei nur im Sitzen geschlafen hatte. Das Hostel ist so, wie man sich ein Backpacker-Hostel vorstellt: Die Waschräume sind dreckig, in den Zimmern mieft es furchtbar und die zusammengenagelten Stockbetten haben nur eine gruselige Wolldecke mit Laken. Man muss aber nur die eigenen Ansprüche weit genug herunterschrauben, um auch hier eine erholsame Nacht zu verbringen. Zum Frühstück gibt es immerhin Müsli.

Der Amtrak-Zug der kalifornischen "Coast Starlight"-Linie
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Im Coast Starlight-Zug sitzt in meiner Reihe ein Pärchen mit einem kleinen Mädchen, dass sich leider schon um halb sieben lautstark meldet und meinen Schlaf beendet. Das ist definitiv zu wenig Nachtruhe für mich gewesen. Ohnehin gibt es morgens im Zug immer mehrere Durchsagen aus dem Speisewagen, die den Ablauf des Frühstücks für die Gäste der 1. Klasse durchsagen und mitteilen, wann sich alle übrigen aus der normalen „Coach-Klasse“ dazu setzen dürfen. Zwanzig Dollar werden für das Essen im Speisewagen aufgerufen, für das Abendessen sogar 45 Dollar. Das ist mir zu viel. Immerhin habe ich noch eine halbe „All meat“-Pizza von meinem gestrigen Restaurantbesuch in Sacramento dabei. Ich zögere dieses Frühstück bis neun Uhr hinaus und verspeise sie dann erst. Danach ist die kleine Familie nebenan eine Weile irgendwo im Zug unterwegs. Es ist ruhig und die Pizza hat mich ausreichend schläfrig gemacht, so dass ich ohne Probleme noch einmal tief und fest bis 12 Uhr schlafe.

Der California Zephyr schlängelt sich durch die Canyons von Colorado
Der California Zephyr schlängelt sich durch die Canyons von Colorado

Frieren in der Sierra Nevada – Reggae in Sacramento

Die Nacht im Zug war wieder eiskalt. Ich habe schon eine Jacke an und einen Pullover darüber, doch das langt nicht für diese Temperaturen, die die Klimaanlage in den Waggons erzeugt. Als zusätzliche Wärmeschicht habe ich schon die Neoprenhülle meines Laptops über die Beine gelegt und ein Strandtuch dient mir als scheinbare Decke. Sie wärmt nur psychologisch, denn sie ist so dünn, dass man hindurchsehen kann. Doch auch diese Nacht überstehe ich und bin überrascht, wie lange man in dieser Zwangshaltung doch schlafen kann. Die Rückenlehne der Sitze lässt sich zwar weit nach hinten klappen und eine zusätzliche Beinablage erweitert die Liegefläche – ein richtiges Bett ersetzt das alles aber nicht. Trotzdem kann ich bis halb acht schlafen. Wie erwartet haben wir über Nacht Colorado verlassen und als ich den Vorhang beiseite ziehe, sehe ich auf die sanften Hügel von Nevada.