Italien

  • Italien: Paella Toscana

    Mitten in der Nacht erwachte ich und haderte etwa eine Stunde mit der Sinnhaftigkeit dieses Arbeitseinsatzes auf dem Kriegsgräberfriedhof Futa-Pass. Dort sind neben dem deutschsprachigen Verwalter noch drei einheimische Gärtner angestellt. Es scheint, als sei uns gar keine Sonderaufgabe zugedacht, die die zweiwöchige Anreise mit der zusätzlichen Arbeitskraft von 20 motivierten Freiwilligen rechtfertigt. Es ist ein Holzhaus zu streichen, in dem Jugendliche untergebracht werden können. Darüber hinaus sind am Wohnhaus des Verwalters Verschönerungsarbeiten mit Farbe vorzunehmen, deren Ergebnis er nur noch drei Monate genießen kann, denn dann geht er in Rente.

  • Italien: Schöne Leichtigkeit

    Heute begann der Tag mit einer Planänderung, denn mein Bruder wünschte sich den Besuch der Landspitze Bellagio, die die beiden Arme des Comer Sees trennt, malerisch bebaut ist und auf die Berge der Alpen blickt. Eigentlich wollte ich meine gestern begonnen amphibische Wanderung fortsetzen und mich in den Ort Calico mit dem Boot fahren lassen. Morgen soll der Wind stärker sein als heute, deswegen akzeptierte ich die Tatsache, dass heute nun einmal der beste Tag für diese Unternehmung war. Mit dem Boot fuhren wir fast zwei Stunden von Gera Lario nach Bellagio. Wir befürchteten, ähnlich wie in Como lange nach einem Anlegeplatz suchen zu müssen.

  • Italien: Start ins toskanische Wochenende

    Heute läuten wir das Wochenende ein bei unserem freiwilligen Arbeitseinsatz auf dem deutschen Soldatenfriedhof am italienischen Futa-Pass. Gestern sagte mein Kollege Alfons zu mir: „Es braucht schon immer so eine Woche, bis man raushat, wo die wirkliche Arbeit ist und man sich am wirkungsvollsten einbringen kann.“ Da gebe ich ihm vollkommen recht. Denn auch ich muss mir wie alle anderen bei den Arbeitseinsätzen immer meine Nische suchen, wo ich meine Fähigkeiten am besten einbringe. Heute fahre ich wohl wieder den ganzen Tag Traktor. Ich würde auch gerne mit der Motorsense Reihe für Reihe die Grabsteine freischneiden. Dabei habe ich mir nämlich immer meine Musikkopfhörer aufgesetzt und Musik gehört. Die Kopfhörer blenden den Lärm des Gerätes auch aus.

  • Italien: Straßen aus alter Zeit

    Für die umstehenden Kite-Surfer in Dervio muss es sehr verwirrend gewesen sein, als eine Wandrerin wie selbstverständlich zu ihnen ans Ufer kam, wo sie am Ende eines langen, sonnigen Tages auf dem Wasser ihre Drachen zusammenpackten. Noch mehr erstaunt haben dürfte sie, als ich den Blick erwartungsvoll auf den See hinaus richtete, von wo aus der Ferne ein Boot zielstrebig auf mich zugefahren kam. Exakt dort, wo ich stand, erreichte es das Ufer, ich ging mit einem großen Schritt an Bord und wir fuhren wieder hinaus auf den Comer See.
    Ich muss sagen, dass ich selbst überrascht bin, wie reibungslos auch der zweite Abschnitt meiner amphibischen Wanderung entlang des Ufers des Comer Sees vonstattenging. Vorgestern war ich bereits von unserem Campingplatz in Gera Lario in den Ort Colico an der Nordwestecke des Sees gewandert. Abends hatte mich mein Bruder mit seinem Boot dort eingesammelt und heute wieder dorthin gefahren. Nach einem herrlichen, abwechslungsreichen Wandertag mit den malerischsten Aussichten schaffte ich es heute Nachmittag bis nach Dervio. Eine Strecke von gut 12 Kilometern, die jedoch nicht nur am Ufer entlang, sondern auch den Berg hinauf und hinab und durch die engen Gässchen des Dorfes Dorio führte.

  • Italien: Über die Alpen auf den Zauberberg

    Nachdem ich den Alpenhauptkamm nach Italien überquerte und noch einige weitere Pässe hoch-, runter-, hin- und wieder herkurvte, lebe ich nun in klarer, trockener Luft über den Wolken ganz oben auf dem Zauberberg, weswegen ich nun jeden Abend Sonnenbrand habe.

  • Italien: Wandern am Monte Penegal

    Letzten Monat versuchte ich auf einer Wanderung durch die masurischen Wälder mich nur nach dem Sonnenstand zu orientieren und schaffte es so nur mit Mühe vor Nachteinbruch nach Hause. Mit meiner Herberge hier auf dem Gipfel kann das nicht passieren. Einfach immer hoch.

  • Italien/Österreich: Heimfahrt

    Heute traten wir die Heimreise an. Schon in Italien verabschiedete ich mich von einigen Teilnehmern des Work Camps, die separat abeisten. Ich freute mich auf die Fahrt, denn hier konnte ich in aller Ruhe viele Dinge am Laptop aufarbeiten, die in den letzten Wochen liegen geblieben waren. Nur mein Rücken machte mir zu schaffen. Die Matratze im Hotel, das Geholpere auf dem Traktor und nun das lange Sitzen im Bus hat meinem Rücken nicht gutgetan. Wir schieben uns lange durch den zähfließenden Verkehr und den Stau, den einmal ein Auffahrunfall und später der Brenner-Pass verursacht.

  • Italienische Reise

    Wir hatten beide genau gewusst, dass „zwanzig nach neun“ eine Arbeitshypothese war. Sie bedeutete, dass wir unausgesprochen als wirkliche Abfahrtszeit neun Uhr anpeilten und uns einen Puffer einräumten. Als mein Bruder und ich dann von zu Hause losfuhren, war es fünf nach halb zehn. Hinter uns schwang der Bootsanhänger aus der Einfahrt auf die Straße. Beide spitzen wir die Ohren, um verdächtige Geräusche so früh wie möglich zu hören, die bedeuteten, dass wir trotz gemeinsamer eingehender Inspektion am Anhänger noch etwas übersehen hatten. Das Boot und der Auflieger waren seit Saisonende im letzten Jahr nicht mehr bewegt worden. Äußerlich ist nicht immer abzusehen, ob der Winter nicht doch am Material genagt hatte, dass nun bei der ersten groben Inanspruchnahme seine Schwächen offenbaren würde. Zu unserem Ziel dem Comer See in Norditalien führen mehrere Wege, teilte uns Google Maps mit. Alle nannten als ihre Arbeitshypothese in etwa siebeneinhalb Stunden Fahrzeit. Tatsächlich würden wir nach zehn Stunden Autofahrt unseren Campingplatz am Rande der Ortschaft Gera Lario erreichen.

  • Kreuzsee

    Noch bevor die Kapellen und Kirchen rings um uns Schlafende in der kleinen Hütte am Ortsrand von Gera Lario um sieben Uhr mit ihrem Morgengeläut begannen, war ich heute wach. Ich richtete unser Frühstück, das bei mir die Besonderheit innehat, dass es aus einer koreanischen Nudelsuppe besteht, die ich heute mit Lauch und Ingwer und einem rohen Ei erweiterte. Die Zubereitung dauert so einen Moment länger, ist nun aber schon seit über einem Jahrzehnt meine Gewohnheit, für die ich, außer dass sie ungewöhnlich ist, keine Gründe finde sie abzulegen.
    Durch diesen frühen Start in den Tag waren wir bereits vor zehn Uhr mit unserem Boot auf dem Wasser und dort so früh am Morgen die einzigen. Auf dem Comer See spielt der Wind die Hauptrolle. Vor allem im nördlichen Teil des Gewässers weht er morgens von Norden, um dann nach Mittag die Richtung zu ändern und aus der Gegenrichtung zu blasen. Mit diesem Wissen wollten wir am Vormittag probieren, wie weit südlich wir fahren konnten, um dann in der zweiten Tageshälfte mit dem Wind im Rücken wieder zurück nach Norden zu gelangen. Auf der spiegelglatten Seeoberfläche dieses Morgens passierten wir in Gleitfahrt bald nicht nur den malerischen Ort Bellagio, sondern wenig später auch die Villa Carlotta, die wir gestern besucht hatten. Wir kamen am Ort Nesso vorbei, wo neben efeubewachsenen Gemäuern Steinbrücken einen schmalen Zufluss zum See überspannen, der von einem aus der Höhe herabstürzenden Wasserfall gespeist wird. Mir lag ein Vergleich mit Mittelerde aus dem „Herr der Ringe“-Epos auf den Lippen. Unnötig, denn es genügt sich zu freuen, dass auch unsere Erde solche fantastischen Orte für uns bereithält.

  • Österreich/Italien: Wer rastet, der rostet

    Gestern goss noch ein kräftiger kühler Sommerregen über Kufstein herab, ich ließ die beiden Fensterflügel weit offen, während ich auf dem Bett saß und das Video über unseren Ausflug auf die Kurische Nehrung vor einer Woche in Litauen schnitt. Herrlich klare, kühle floss wie ein unsichtbarer Quell über die Fensterbank herein und ich fühlte mich so erfrischt, als badete ich in einem Bach.

    Heute Morgen frühstückte ich wie ein normaler Mensch und nicht wie ein Holzfäller, wie ich es letzte Woche in Litauen getan hatte. Mein Vorsatz ist hier maßvoller zu essen, sofern ich es in der Hand habe. Natürlich werde ich auch weiterhin nichts übrig lassen, was einmal  auf meinem Teller liegt. Sonst ist der Koch traurig und es gibt schlechtes Wetter.

    Warum sind in Italien die Leitplanken rostig?

    Um neun Uhr fahren wir in Kufstein ab in Richtung Italien. Ehe ich mich versehe haben wir die österreichisch-italienische Grenze überfahren. Eine interessante Beobachtung: Anders als in Deutschland oder Österreich sind ab dem italienischen Grenzpfosten augenblicklich die Leitplanken rostig.

    Guardrails Leitplanke Brennerautobahn Italien Suedtirol

    Rostige Leitplanken entlang der Brennerautobahn / Bild: Usien, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

    Ich halte es für ziemlich unwahrscheinlich, dass man in Italien genau an einer Prestigeautobahn minderwertige Materialien verbaut hat. Tatsächlich sind die Leitplanken mit Absicht verrostet. Denn man hat hier speziellen Corten-Stahl benutzt. Der bekommt an der Oberfläche sofort eine dichte Rostschicht, die dann das darunterliegende Material dauerhaft vor weiterem Rost schützt. Auf der italienischen Brennerautobahn ist das besonders sinnvoll. Denn durch die Lage im Gebirge fällt dort mehr Schnee, es muss also mehr Streusalz benutzt werden. Dadurch würde der Leitplankenstahl besonders schnell Korrodieren. Cortenstahl hat aber an seiner rostigen Oberfläche eine Schutzsicht aus Sulfaten oder Phosphaten, die den Stahl weniger angreifbar machen.

    Corten-Stahl wird wegen seiner gleichmäßigen Rostschicht auch als gestalterisches Element genutzt. Ich finde, dass die rostbraunen Leitplanken der italienischen Brennerautobahn weniger von dem gewaltigen Gebirgspanorama ablenken, als es beispielsweise glänzende mit Zinküberzug tun würden. Corten ist übrigens ein zusammen gesetztes Kunstwort. Der Stahl weist CORrosion resistance (Korrosionswiderstand) auf und TENsile strength (Zugfestigkeit). Zussammengesetzt also COR-TEN.

    Dürre in der Po-Ebene?

    Doch diese metallurgische Neuerfindung fand bald ihr Ende. Die Leitplanken glänzten wieder und der Stau begann, doch die Verkehrslage entspannte sich, als wir den Garda-See hinter uns gelassen hatten. Zuhause hatte ich Berichte von großer Trockenheit in Italien gehört und erwartete ein braunes, ausgedörrtes Land. Der Fluss Po sei kurz davor trocken zu fallen und die Ernte in Gefahr. Als wir die Stadt Mantua auf der rechten Seite hatten und der Po vor uns lag, unterschieden sich die Felder, Wiesen und Wälder aber dem Anschein nach nicht, von denen, die ich unlängst bei meinen langen Motorradfahrten durch Mitteldeutschland gesehen hatte. Sicher, hier wie dort wird längst ausgiebig bewässert doch die Landschaft ist sommerlich grün und nur dort braun, wo das Getreide abgeerntet wurde. Als wir dann den Po überqueren führt er Wasser, doch es ist erkennbar, dass sein Flussbett höhere Pegel gewohnt ist. Wir verlassen über eine unsichtbare Grenze die Lombardei und erreichen die Emilia Romagna. Wenig später erscheinen die Berge des Apennins am Horizont. Ihr Gestein unterscheidet sich auch für das Auge des Laien offensichtlich von dem der Alpen. Es folgen einige lange Tunnel, die mich überflüssigerweise das GPS-Signal meiner Tracking-App verlieren lassen. Als wir wieder aus dem anderen Tunnelende auftauchen und die App wieder ein Signal bekommt, zieht sie einfach auf der Karte eine gerade Linie von Tunneleingang zu -ausgang. Das ist mir zu ungenau und ich breche in den Tunneln lieber die Aufzeichnung ab und starte unter freiem Himmel eine neue. Der zweite Streckenabschnitt, den ich mitschneide, ist dann nur noch 11 Kilometer lang dann erreichen wir den kleinen Ort Barberino die Mugello, der auf den Lago di Bilancino blickt.

  • Post aus Italien - Global Postal Service

    Auf jeder meiner Reisen versuche ich mindestens sechs Personen eine Ansichtskarte alten Stils von unterwegs zu senden. Früher ein obligatorischer Bestandteil eines Urlaubes, ist das Kartenschreiben und -verschicken durch WhatsApp beinahe völlig aus der Mode gekommen. Doch beim Besuch der Stadt Como am gleichnamigen norditalienischen See wurden mir beim Kauf der Ansichtskarten Briefmarken angeboten, die die aus der Zeit gefallene Urlaubskarte ins 21. Jahrhundert mitnehmen wollen. Es sind keine offiziellen Postwertzeichen, sondern eine Eigenentwicklung des Global Postal Service (GPS). Mit ihnen soll man die Postkarte auf ihrem Weg zum Adressaten verfolgen können. Ein entsprechender QR-Code ist auf der Briefmarke vorgesehen. Allerdings muss die Postkarte dazu in die gelben Briefkästen von GPS eingeworfen werden. Im Laden versicherte mir die Verkäuferin, dass auch nach Einwurf in die roten Briefkästen der italienischen Post die mit GPS-Marken freigemachten Karten weiterbefördert würden. Man müsse dann lediglich auf die Nachverfolgungsfunktion verzichten. Allerdings sagt der private Postanbieter GPS auf seinen Umschlägen etwas anderes: Nicht in die roten Kästen einwerfen, nur in die gelben.

  • Wandern am Monte Penegal

    Letzten Monat versuchte ich auf einer Wanderung durch die masurischen Wälder mich nur nach dem Sonnenstand zu orientieren und schaffte es so nur mit Mühe vor Nachteinbruch nach Hause. Mit meiner Herberge hier auf dem Gipfel kann das nicht passieren. Einfach immer hoch.

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