Unser Bus der Bundeswehr, mit dem wir nach Amsterdam gefahren sind, hat Besuch bekommen von einer Reisegruppe der Royal Air Force (RAF)

Niederlande: Ein Besuch in Amsterdam

Zu den Auslandsreisen der freiwilligen Arbeitseinsätze des Volksbunds Kriegsgräberfürsorge gehört nicht nur die Arbeit, sondern auch die gelegentliche Erkundung des Umlandes. Vor vier Tagen haben wir bereits im Nachbarort Overloon das Kriegsmuseum besucht. Heute fahren wir etwas weiter und besuchen die Metropole Amsterdam. Zwei Stunden brauchen wir dafür mit dem von der Bundeswehr für diesen Arbeitseinsatz zur Verfügung gestellten Bus, dann erreichen wir den Hauptbahnhof. Von dort haben wir zunächst Zeit zur freien Verfügung und ich nutze sie für einen Besuch des Rijksmuseum.

Niederlande: Ineraktive Arbeitsaufträge

Heute Morgen gab es zunächst nichts für mich zu tun. Ich nutzte die Gelegenheit von Morgensonne und Frühnebel, um noh einige Bilder auf dem Kriegsfriedhof zu machen. Diese wurden sogar noch besser. Im Anschluss ging ich in das Informationszentrum, das zur Kriegsgräberstätte Ysselsteyn gehört. Das ist gerade letztes Jahr fertig geworden und topmodern. Auf großen Bildschirmen kann man interaktiv durch die Geschichte des Zweiten Weltkrieges in den Niederlanden scrollen. Bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass hier im Nachbarort Overloon, dort, wo das Kriegsmuseum ist, eine der heftigsten Schlachten um die Befreiung der Niederlande getobt hatte.

Halbzeit in Ysselsteyn

Obwohl es die ganze Nacht hindurch stark geregnet hatte, zeichnete sich durch den Morgennebel ein blauer Himmel ab. Die Gelegenheit war günstig und so nutzte ich die Zeit zwischen Frühstück und Arbeitsbeginn, um auf dem Soldatenfriedhof einige Fotos zu machen. Morgensonne, die durch den Nebel scheint, wirkt immer gut.

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Manchen meiner Kameradinnen und Kameraden bei diesem freiwilligen Arbeitseinsatz auf dem Soldatenfriedhof Futa-Pass sehe ich an, dass sie gestern erst nach Mitternacht ins Bett gekommen sind. Auf der etwa 20-minütigen Busfahrt hinauf zum Futa-Pass war es heute Morgen außergewöhnlich ruhig. Wie an den anderen Tagen auch beginnen wir mit dem Freischneiden der Grabsteine und ich mache einige Transportfahrten mit dem Traktor.

Meine Arbeit auf dem deutschen Kriegsgräberfriedhof im litauischen Klaipeda geht weiter. Dieses Mal braucht es dafür einen eisernen Willen und kreative Ideen. Denn die schweren schmiedeeisernen Zäune müssen repariert und aufgearbeitet werden. Ein langes Stück Zaun auf der Seite zur viel befahrenen Hauptstraße ist sehr verrostet und droht völlig kaputt zu gehen. Jeden Winter werden auf der Straße große Mengen Streusalz verwendet. Die sind jedoch gefährlich für das Metall der Zäune. Es muss viel Rost abgeklopft und mit Drahtbürsten abgerieben.

Es ist höchste Zeit, dass ich euch erzähle, was wir hier bei dem Arbeitseinsatz des Volksbundes Deutsch Kriegsgräberfürsorge in der litauischen Hafenstadt Klaipėda eigentlich machen. Bereits in den ersten Tagen des Ersten Weltkrieges wurde ein Soldatenfriedhof angelegt. Nach dem Krieg wurde er dann an den Ort verlegt, an dem wir heute arbeiten.

Bereits seit einer Woche habe ich jeden Morgen beim Aufstehen aus dem Fenster auf die Kurische Nehrung geblickt. In der jüngeren deutschen Geschichte der vergangenen 150 Jahre gilt diese langgestreckte Halbinsel zwischen Kurischem Haff und der Ostsee als Sehnsuchtsort. Der preußische Gelehrte und Staatsmann Wilhelm von Humboldt schrieb schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts von dort an seine Frau: "Die Kurische Nehrung ist so merkwürdig, dass man sie eigentlich ebenso gut als Spanien und Italien gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll." Dabei hat er die Nehrung nur auf einer herbstlichen Wagenfahrt kennen gelernt, "24 Stunden lang, einen Tag und eine mondhelle Nacht, immer am Seestrand entlang, immer mit einem Rade im Wasser", wie er schreibt, im Jahr 1809, als die Nehrung am ödesten war. [Anmerkung: Am Ende des Videos schreibe ich dieses Alexander von Humboldt zu, dem Bruder des eigentlichen Zitatgebers. Ich habe es aber recherchiert und Alexander von Humboldt war nicht nur zu jener Zeit in Paris, sondern war darüber hinaus nie verheiratet und konnte also dieses Zitat nicht an seine Frau geschrieben haben. Viele Publikationen schreiben es ihm aber dennoch zu und ich finde, es hätte genauso gut von ihm stammen können.] Die Kurische Nehrung ist ein Kristallisationspunkt der Geschichte des Memellandes und großer Teile Ostpreußens. Vielleicht darüber hinaus auch anderer ehemaliger deutscher Gebiete. Denn dort ist unübersehbar, wie unterschiedliche Bevölkerungen, Sprachen, Kulturen und Konfessionen miteinander verwoben lebten und einen gemeinsamen Faden durch die Geschichte spannen. Die ehemaligen deutschen Orte mit den eigentümlichen nehrungskurischen Namen tragen heute litauische. Die Teilung der Nehrung in einen litauischen und einen russischen Teil manifestiert an diesem kleinen Ostseeabschnitt sowohl das Ende des Zweiten Weltkrieges als auch die geopolitische Situation des Kalten Krieg bis heute. Die Kurische Nehrung lässt einen Natur auf eine besondere Art und Weise intensiv erleben. Im Grunde gibt es dort aber nichts, was es nicht auch anderswo gibt: Dünen, Wald, Wiesen, Strand und Meer. Das Kurische Haff ist an vielen Stelen nur wenige KIlometer breit und meist nur vier bis fünf Meter tief. Man erzählt, dass man bei tiefen Sonnenstand die Elche auf den Lichtungen stehen sehen könnte, doch ich bezweifele, dass sich diese gewaltigen Wildtiere regelmäßig hierher verirren. Die Nehrung ist schon lange in Menschenhand. Der letzte Wolf wurde hier 1766 geschossen. Der letzte Rothirsch 1920. Bei diesem Ausflug setzen wir bei Klaipeda mit dem Bus über das Haff und fahren zunächst nach Juodkrante (Schwarzort). Dort spazieren wir über den Hexenberg mit seinen mythischen Holzschnitzereien. Weiter geht es nach Nida (Nidden). Dort besuchen wir die Kirche und treffen den Pastor, der uns erzählt, wie pragmatisch die Menschen hier ihr Zusammenleben der verschiedenen Konfessionen organisieren. Auf dem Friedhof besehen wir uns die Kurenzeichen. Grabmale, die es so nur noch hier gibt. Mit dem Schiff fahren wir die Kurischen Nehrung an der großen Düne entlang nach Süden bis an die Grenze zu Russland. Dort müssen wir umkehren. Auch für den berühmten deutschen Schriftsteller Thomas Mann war die Nehrung ein Sehnsuchtsort. So sehr, dass er sich hier ein Haus bauen ließ. Wir besuchen es und ich versuche mir vorzustellen, wie hier Thomas Mann beim Schreiben aus dem Fenster seines Arbeitszimmers schaute, während er über die nächste Formulierung nachdachte.

Jessica Welt

Seit etwa einem Jahr lasse ich auf meinen Reisen einen GPS-Tracker mitlaufen und füge alle zurückgelegten Routen in diese Karte ein. Strecken, die ich auf dem Landweg zurückgelegt habe, kennzeichne ich orange, welche, die ich zu Fuß gelaufen bin in grün und die, die ich auf dem Wasser per Boot oder Schiff bewältigt blau.